13/09/2016

Tobias & Bastian Merches
Zombräu
Craftbeer aus Mirskofen

Jetzt sind wir erstmal arg verschuldet“

2015 gründeten die Brüder Tobias (26) und Bastian Merches (34) die Brauerei Zombräu. Ihren Sorten geben sie abgefahrene Namen wie Voodoo, Motor Oil oder Winterdiesel, denn ihr Motto lautet: "Für Helles ist kein Platz mehr". Deswegen fordern sie auch eine Lockerung des Reinheitsgebots.

Zombräu Tobias und Bastian Merches

icon_interviewPULS: Die Brauereidichte in Bayern ist groß. Warum noch eine?

Tobias Merches: Weil alle die gleichen Sorten machen. Helles, Weißbier, Pils und Dunkles, das war‘s. Wir haben uns mit Zombräu auf die Fahnen geschrieben, etwas Neues zu machen, damit die Biervielfalt größer wird.

zombrau5Wie seid ihr an die Brauereigründung herangegangen?

Ich studiere Brauereiwesen, mein Bruder ist Informatiker. Seit wir einmal ein Bierseminar im Wolznacher Hopfenmuseum belegt haben, haben wir mit dem Gedanken gespielt. Als wir für einen relativ guten Preis eine alte Lagerhalle mit angeschlossenem Wohnhaus in Mirskofen gefunden haben, haben wir gesagt: ok, wir machen das jetzt. Dann konnten wir noch vom Giesinger Bräu, wo ich zuvor gearbeitet habe, eine kleine Anlage bekommen. Damit sind wir schon ziemlich gut ausgestattet.

Wie habt ihr das finanziert?

Unsere Eltern haben uns unterstützt. Wir mussten zusätzlich auch noch einen Kredit aufnehmen. Jetzt sind wir erstmal arg verschuldet. Aber es lohnt sich, dieser Ort ist perfekt für uns, weil wir hier wohnen und arbeiten können. Zudem sind wir in der Nähe von der Hallertau, das ist vom Gefühl her eine wunderschöne und passende Gegend.

Ihr kauft aber trotzdem Hopfen aus der ganzen Welt. Wieso?

ZombräuWir haben natürlich auch Hallertauer Hopfen. Er hat den typisch grasigen Geschmack, den man vom Hellen kennt. Er ist gut, aber immer der gleiche ist langweilig. Der Geschmack des Hopfens hängt vom Klima ab. Viele amerikanische fruchtige Sorten waren mal bayerischer Hopfen und sind durchs neue Klima zum Aromahopfen geworden. Zudem ist es nicht so romantisch wie man es sich vorstellt: Wir fahren nicht zum Bauern und pflücken den Hopfen selbst, sondern beziehen ihn – ganz konventionell – über die entsprechenden Versände. Wenn es eine neue Sorte gibt, probieren wir sie gerne aus.

ZombräuWas macht ihr anders als große Brauereien?

Bei uns ist alles Handarbeit. Wir haben keine Automatisierung. Wir reinigen sogar die Tanks selbst. Für Marketing geben wir kaum Geld aus. Wir machen Aktionen in den sozialen Medien, Youtube-Videos, und lustige Events. Es darf uns nicht viel kosten. Da muss unsere Kreativität reichen.

Euch gibt es seit Herbst 2015. Ist Zombräu bereits profitabel?

Nein. Aber wir wollen davon leben und Zombräu zu unserem Hauptberuf machen. Und das ist auch realistisch. Wir werden damit nie reich werden, das ist nicht der Plan. Es geht uns vielmehr darum, Biere herzustellen, die uns schmecken.

Was sind dabei momentan die wichtigsten Baustellen?

Am wichtigsten ist der Vertrieb. Die Biere, die wir machen, werden nicht in Mengen getrunken, sondern von Liebhabern. Wir müssen sie zum Beispiel nach Indien oder Polen liefern, um den nötigen Absatz zu generieren. Viel Arbeit macht natürlich auch das normale Produzieren, und ich brauche auch Zeit, um Experimentalsude zu entwickeln.

Dabei verstoßt ihr bewusst gegen das Reinheitsgebot. Zum Beispiel mischt ihr eurem Bärensud Met bei. Das Getränk landet dann im Regal der Biermischgetränke. Was motiviert Euch dazu?

ZombräuWir ehren das Reinheitsgebot natürlich. Es ist die Herausforderung an den Brauer, mit wenigen Rohstoffen einen interessanten Geschmack zu erzeugen. Da geht extrem viel. Allerdings wollen wir unsere Kreativität nicht einschränken. Ein Bier ist ein komplexes Getränk, auch wenn man es in Bayern als Grundnahrungsmittel sieht. Wir wollen Dinge ausprobieren. In Bayern sind die Regeln dafür besonders streng. Camba Bavaria zum Beispiel musste mal tausende von Litern Bier wegschütten, nur weil die Deklaration nicht gestimmt hat. Ich denke, dass sich in den nächsten zwei, drei Jahren am Reinheitsgebot etwas ändern wird. Die Brauer sind stark dahinter.

Wie reagieren die Leute auf den Bruch mit dem Reinheitsgebot?

Erstaunlich gut. Als wir unsere Eröffnung gefeiert haben, war die Bude voll. Die Leute sehen, dass unser Bier nicht eine Alternative zum Hellen ist, sondern ein ganz eigenes Erlebnis. Ein Bier, das man in Maßen genießt und nicht in Massen trinkt. Dass die Nachfrage nach ausgefallenen Bieren steigt, sieht man auch in den Getränkemärkten. Vor zwei Jahren hat man fast nie ein Indian Pale Ale gefunden. Jetzt gibt es zwei, drei große Regale voll, in denen man sich austoben kann. Das ist eine schöne Bewegung. Langsam ändern sich die Strukturen.

Was muss sich noch ändern?

Ein Beispiel sind auch hier wieder die Getränkemärkte. Normalerweise bestellen sie Bier palettenweise. Unser Bier würde sich nur kistenweise verkaufen. Das lohnt sich für die Lieferanten nicht. Es fehlt ein Zwischenhändler, der solche kleinen Touren fahren kann. Die Dominanz der großen Brauereien nimmt man auch stark in der Gastronomie wahr, da sich dort die Großen mit Brauereiverträgen einkaufen, indem sie Geld und Equipment stellen und keine andere Brauerei mehr verkauft werden darf. Aber auch da bilden sich derzeit Klauseln, dass besondere Biere und Craftbiere zusätzlich verkauft werden können. Die Nachfrage ist da. Dadurch, dass es viele sogenannte Mikro-Brauer gibt, ändert sich etwas. Die anderen Startups sind für uns daher keine Konkurrenz, sondern Wegbereiter.

ZombräuWas war dein lustigstes Zombräu -Erlebnis?

Beim Feuerwehrfest hier im Ort hat sich einer eine Flasche Winterdiesel gekauft. Das ist unser Eisbock mit 25 Prozent Alkohol. Er hat ihn am Tisch stehen gelassen. Da kam ein anderer und hat die Flasche Bier mit einem Zug leer getrunken. Fünf Minuten später lag er in der Ecke.

PULS-Linktipp: Die kreativsten Biere Bayerns im Test

Bier ist Bayerns Kulturgut Nummer 1 – doch meistens beschränkt sich die Auswahl auf Helles, Dunkles oder Weißbier. Seit einigen Jahren entwickelt sich aber auch eine Szene kreativer Bierlabels, die den Markt aufmischen.

 

Sorry, zur entsprechenden Suchanfrage konnte leider kein Ergebnis gefunden werden.