29/10/2015

Norman Bielig (30)
World of mtb
Mountainbike-Magazin aus Deggendorf

„Ich glaube Print ist weit davon entfernt, tot zu sein.“

Mountainbiken ist nach wie vor extrem populär in Deutschland. Durchaus sinnvoll also, für diesen Bereich ein Printmagazin heraus zu bringen. "World of mtb" wird vor allem für seine Detailverliebtheit und bodenständige Ansprache geschätzt - bis das Magazin aber so aussah, haben Norman Bielig und seinem Team aber fast vier Jahre Testzeit gebraucht.

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icon_interviewPULS: Norman, wie steht es aktuell um den Mountainbike-Trend?

Norman Bielig: Der ist ungebrochen, wir sind mittlerweile im Breitensport angelangt. Wir haben in Deutschland etwa 9,3 Millionen Menschen, die regelmäßig Mountainbikes nutzen. Das ist ein extrem großer Bereich. Vor allem der Freizeit- und Urlaubsbereich verzeichnet gerade einen extremen Zuwachs und durch die Entwicklung von elektronisch unterstützen Rädern bekommt das Ganze dann nochmal wesentlich stärkeren Aufwind. Der Trend geht auf jeden Fall schon noch nach oben.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, 2010 ein Mountainbike-Magazin rauszubringen?

Am Anfang hatten wir schon mal ein Rennradmagazin. Das _I9A5363Ganze war eine Lizenzgeschichte aus England. Damals haben wir uns gedacht, dass es ja auch funktionieren müsste, im Mountainbike-Bereich einfach englisches Material zu nehmen, zu übersetzen und daraus ein Magazin zu machen. Wir haben dann aber relativ schnell festgestellt, dass das nicht funktioniert und wir was Eigenes machen müssen. Und dann haben wir nach ein paar Rumspielereien dieses Jahr einen kompletten Relaunch hingelegt und ein eigenständiges Magazin entwickelt. Also im Grunde könnte man sagen, wir hatten vier Jahre Vorlauf und haben jetzt erst seit diesem Jahr unser eigenes Magazin.

Was habt ihr verändert?

Ganz am Anfang wurde das Magazin ein bisschen nach dem Motto gegründet: Man könnte ein Mountainbike-Magazin machen und das würde funktionieren und gut Geld abwerfen. Anfang des Jahres haben wir gemerkt, dass wir eigenständiger werden müssen und haben das Magazin nochmal komplett von null aufrollen müssen, was Selbstverständnis, Logik, Grafik und auch Inhalte anbelangt. Und dann haben wir in einem Dreimonatsprozess mit sehr viel intensiver Arbeit für uns rausgefunden, was wir wollen, wo wir hin möchten und wie wir diesen Weg auch mit unserer Grafik zusammen beschreiten werden. Wir kommen allerdings  alle nicht aus dem Magazin-Bereich – ich bin Pädagoge, ein Kollege von mir ist Zimmermann – und mussten diese ganze Agentur- und Redaktionsarbeit irgendwann erst lernen.

Wie viele Mitarbeiter habt ihr aktuell?

Rein fürs Magazin haben wir drei Redakteure hier vor Ort, worldofmtb_©AndreasMeyerdann unsere Grafik, die aber ausgelagert in Freiburg sitzt und noch einen riesigen Haufen freier Mitarbeiter, Teamfahrer und Leute, die unregelmäßig für uns Geschichten erarbeiten.

Mountainbike-Magazine gibt’s ja viele. Was ist das Besondere an „World of mtb“?

Wir haben einen wesentlich höheren ästhetischen Anspruch. Wir verwenden auch ein mattes Papier, weil wir einfach sagen: Mountainbiking ist nicht Hochglanz, sondern es ist Outdoor-Sport, es ist Natursport. Wir produzieren den Großteil unserer Geschichten selber, das heißt, wir sind während der Saison unglaublich viel unterwegs. Und wir haben einfach einen anderen Blick auf Mountainbiking. Wir sitzen jetzt nicht wirklich in einer Mountainbike-Hochburg wie München oder Stuttgart, sondern im Bayerischen Wald. Sowas wie eine „Szene“ gibt es hier nicht. Und das macht uns bodenständiger und zugänglicher. Wir wollen einfach die Begeisterung, die wir für diesen Sport haben, weitergeben. Wir machen auch viele Veranstaltungen mit unseren Lesern, um zu wissen, was sie wollen.

Warum immer noch Deggendorf?

Wir haben hier eine unglaublich schöne Natur und unsere Johannes_Norman_worldofmtb_©HoshiYoshidaA70W8412absolute Ruhe, dazu ein super schönes Gelände mit einigen Hektar Land drum herum, unsere Mountainbike-Wege hören zweihundert Meter vor der Redaktion auf. Davor haben wir einen Hausberg mit 1100 Höhenmeter, im Winter Langlaufloipen und unglaublich entspannte Menschen hier im Bayerischen Wald. Wir haben eine riesengroße Freiheit, hier das zu machen, was wir wollen. Diese Bayerische-Wald-Gelassenheit steckt schon sehr stark im Magazin mit drin.

Immer mehr Magazine stellen auf Online um, auch weil es immer weniger Printanzeigen gibt. Trifft euch das?

Also erstmal sind wir große Printliebhaber. Sobald wir jemandem das Magazin in die Hand geben, ist das erste was passiert, dass er über das Cover streicht. Weil das einfach so ein matter Karton ist und das haptische Erlebnis da ist. Es gab auch dieses Jahr so viele Neumagazinanmeldungen wie in keinem Jahr bisher. Ich glaube Print ist weit davon entfernt, wirklich tot zu sein. Man muss sich halt auf die Stärken von Printmagazinen zurückbesinnen, dann wird das auch funktionieren.

Was inspiriert euch für neue Inhalte?

Wir sind ab Ende Januar bis Ende Oktober unglaublich viel unterwegs, das ist ein ständiger Input. Wir sind sehr viel im _I9A5457Alpenraum, um Geschichten fürs Magazin zu produzieren, ab und an selber Urlaub zu machen und einfach neue Ziele rauszusuchen. Ich gehe zum Beispiel gern auf hochalpine Mountainbike-Touren. Eine Kollegin von mir war dieses Jahr für mehrere Wochen im Iran, um sich dort die Frauen-Mountainbike-Szene anzuschauen und hat wahnsinnig gute Fotos und Geschichten mitgebracht. Dazu kommt, dass wir mittlerweile hier ein ganz nettes Gelände rund ums Büro herum haben und damit relativ viele Besucher. Da kommt super viel Input auch zurück.

Hast du eine Lieblingsausgabe?

Das ist irgendwie immer die aktuelle Ausgabe. Bei der ersten Ausgabe nach dem Relaunch waren wir unglaublich stolz. Und drei Ausgaben später haben wir dann festgestellt, dass wir uns immer noch weiterentwickeln und dass immer noch viel passiert. Der Inhalt und auch der Druck und die Bildauswahl werden noch besser. Tendenziell versuchen wir auch, uns da nicht zu sehr auszuruhen, sondern eine stetige Entwicklung reinzubekommen und auch mal was Neues auszuprobieren.

Wie geht’s in Zukunft weiter mit dem Magazin?

Es verändert sich gerade sehr viel im „Kurvenreich“, das ist ein spezieller Teil von Frauen für Frauen im Magazin. Da haben wir eine neue Kollegin, die da momentan sehr viel Schwung rein bringt. Ansonsten werden wir nächstes Jahr mit neuen Fotografen arbeiten. Und wir werden wahrscheinlich viel in Richtung Osteuropa produzieren, weil das Regionen und Landesteile sind, die uns selber wahnsinnig interessieren.

Sorry, zur entsprechenden Suchanfrage konnte leider kein Ergebnis gefunden werden.