06/12/2016

Thilo Plikat (28), Maximilian Anzile (25), Amir Pejman (33), Raul Pinto (36), Florian Dootz (28), Philipp Schall (33)
Worktender
Studentenjob finden mit einem Wisch

„Mit einem Swipe nach rechts bewirbst du dich auf den Job.“

Lebenslauf, Bewerbungsschreiben, Abwarten, Vorstellungsgespräch, Abwarten - Bewerbungen bei Studentenjobs sind mit Aufwand verbunden. Thilo Plikat und Max Anzile haben in München eine App aufgebaut, mit der die Job-Bewerbung so einfach wie Tinder-Dating werden soll.

Worktender

PULS: Kurz vor Weihnachten und ich bin pleite. Eure App Worktender habe ich gerade runtergeladen. Wie komme ich nun schnellstmöglich an Geld?

Thilo Plikat: Relativ einfach, das ist uns bei Worktender ganz wichtig. Erstmal kannst du einfach mal durch die Jobs durchschauen. Sie sind ganz vielfältig und es sind auch oft kurzfristige Jobs, wie z.B. auf einer Messe, dabei. Viele sind für Studenten gedacht, es gibt aber auch Jobangebote, für die du nicht zwangsläufig Student sein musst. Wenn dir ein Job gefällt, kannst du dir einen Account anlegen. Das dauert zwei Minuten, also Profilbild hochladen, Kontaktdaten angeben und ein Foto vom Lebenslauf oder alternativ könnt ihr auch nur stichpunktartig ins Notizfeld schreiben, was ihr schon so gemacht habt. Dann kann man sich ähnlich wie bei Tinder durch die Jobkarten wischen und mit nur einem Swipe nach rechts auf die Jobs bewerben.

Und wenn ich dem Arbeitgeber gefalle, gibt es ein Match?

Nein, das aktive Matching machen wir nicht. Unsere App leitet die Bewerbung per Mail an den Arbeitgeber weiter. Der meldet sich innerhalb der nächsten Tage telefonisch oder per Mail. Damit die Unternehmen aber auch wirklich nur gut überlegte Bewerbungen bekommen, haben wir pro Person ein Bewerbungslimit von sieben Bewerbungen am Tag eingebaut. Also man kann nicht – so wie viele Männer ja anscheinend tindern – immer nur „ja, ja, ja“ klicken. Dafür bedeutet ein „nein“ aber auch noch nicht gleich das Aus – man kann sich so oft durch die Jobs klicken, wie man möchte.

Gibt es denn ein Ungleichgewicht? Also gibt es mehr Bewerber als Jobs oder andersrum?

Also aktuell haben wir deutlich mehr Jobs als Bewerber. Das ist meiner Meinung auch die größte Anfangs-Schwierigkeit. Unsere App muss bekannter werden. Bei den Arbeitgebern ging das recht gut. Aber gerade bei Studenten ist das Werben oft gar nicht so einfach wie man sich das vorstellt.

Wie seid ihr auf die Idee von Worktender gekommen?

Wir waren anfangs nur zu zweit. Max und ich waren noch im Studium und haben die Kosten dafür komplett selbst finanziert. Ich glaube, ich hatte acht verschiedene Jobs während meines Studiums. Selbst für simple Jobs wie Kästen schleppen musste man sich mit Anschreiben und Lebenslauf bewerben. Das stand meiner Meinung nach in keinem Verhältnis zueinander. Deswegen wollten wir es Studenten in Zukunft einfacher machen. Wer arbeiten will, soll mit Worktender schnell und einfach einen Job finden können. Dann haben wir uns die passenden Leute gesucht, um das Projekt umzusetzen. Also Techniker, Marketing-Leute, Location und so weiter. Uns war es sehr wichtig, ein Team zu haben, das mit Leidenschaft dabei ist. Seit April 2016 ist unsere App jetzt auf dem Markt.

Wie finanziert sich Worktender?

Wir finanzieren uns selbst, das heißt über Geld, das wir selbst in die Firma gesteckt haben und über den Verkauf von Stellenanzeigen. Eventuell ziehen wir in Zukunft aber auch externe Investoren in Erwägung, die Firmenanteile von uns kaufen. Die müssen dann aber schon gut zu uns passen und uns auch weiter helfen können.

Thilo, du bist Geschäftsführer von Worktender. Machst du das hauptberuflich?

Nein, wir sind alle Freelancer. Ich baue auch noch für verschiedene Kunden z.B. das Online-Marketing auf. Worktender haben wir aus der Lust gegründet, etwas zu kreieren. Wir haben Worktender nie als absolute Karriereoption gesehen. Davon würde ich persönlich auch abraten. Andere Sachen sind durchaus planbarer und berechenbarer als die Gründung eines Start-Ups. Da muss man schon sehr viel Zeit, Arbeit und durchaus auch Geld reinstecken. Anfangs fällt man einfach oft auf die Nase und macht auch frustrierende Erfahrungen.

Hast du weitere Tipps für andere Macher?

Fordert von Anfang an Feedback ein! Auch wenn es negativ ist und man das persönlich vielleicht anders sieht. Geht ruhig früh auf den Markt, auch wenn das Produkt noch nicht ganz ausgereift ist und holt euch Feedback von potentiellen Kunden ein. So kommt man schneller voran, als wenn man sich fünf Jahre ins stille Kämmerchen verzieht und dann rausgeht und merkt: Oh, es funktioniert nicht.

Euer Projekt hat in München angefangen. Warum gerade da?

München ist unsere Heimatstadt. Das ist gerade am Anfang wahnsinnig nützlich, weil wir hier schon viele Kontakte hatten. Außerdem gibt es viele Studenten, die sich in einer teuren Stadt wie München über Wasser halten müssen. Wie sich jetzt aber herausgestellt hat, ist die Arbeitsbereitschaft der Studenten in München gar nicht so hoch. Die meisten bekommen entweder Bafög und dürfen somit nur in einem geringen Ausmaß arbeiten – oder sie bekommen das Geld von Zuhause. Deswegen sind wir seit neuesten auch in Berlin, Hamburg und Köln vertreten.

Und habt ihr vor auch noch in anderen Städten Bayerns durchzustarten?

Auf alle Fälle. Ich habe meinen Bachelor in Augsburg gemacht und kenne viele Leute, deswegen bietet sich das an. Aber auch andere Uni-Städte wie Regensburg und Passau sind sehr interessant für uns. Wir suchen dort schon laufend Kooperationspartner.

Ihr wollt Worktender also weiter verbreiten. Was wäre denn dein Traum für die Zukunft – in Bezug auf die App?

Wir wollen wirklich DIE App für Studentenjobs sein. Das ist jetzt nicht nur irgendein Slogan. Wir wollen erreichen, dass es in zehn Jahren selbstverständlich ist auf Worktender nach Jobs zu suchen und nicht erst bei Google oder so. Das ist unsere Vision und daran arbeiten wir.

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