19/05/2018

Kerstin Rothkopf, Annette Granados Hughes
Womom
Mode für Frauen & Mütter

„Als ich ungeplant schwanger wurde, hat mich die Mode für Schwangere genervt.“

Als Kerstin Rothkopf ungeplant schwanger wurde, war sie genervt vom typischer Umstands- und Müttermode. Deshalb gründete sie mit drei Kolleginnen ein Modelabel, das Mutterschaft und Weiblichkeit mit Style und einem Augenzwinkern präsentiert. Damit haben sie es mittlerweile in alle wichtigen Modemagazine geschafft.

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PULS: Kerstin, euer Label ist innerhalb von ein paar Monaten in der Modeszene sehr schnell in aller Munde gewesen. Wie habt ihr diesen Hype erzeugt?

Kerstin Rotkopf: Das fragen wir uns auch. Ich denke, wir haben den richtigen Zeitpunkt ausgewählt. Frauenbewegung, Feminismus, Umschwung  das lag gerade in der Luft. Aber es ist auch ein Thema, das schon lange existiert. Wir haben vielen Frauen aus der Seele gesprochen. Die Mutterrolle ist nicht mehr so, wie sie in den Köpfen verankert ist. Deshalb ist es gut angelaufen. Und unsere Print-Ideen waren wohl auch nicht so schlecht.

Wie ging es los mit Womom?

Als ich ungeplant schwanger wurde, war ich mitten in den Abschlussprüfungen an der Meisterschule für Mode und Grafik. Gleichzeitig hat mich die Mode für Schwangere genervt. So viele niedliche Blümchen und Melonenbäuche. Ich kam mir vor, als müsste ich, weil ich schwanger bin, ein neuer Mensch sein. Meine Betreuungslehrerin hat mir geraten: Mach was daraus. Das hab ich als Ansporn genommen und versucht Bilder einer Schwangeren einfach mal anders zu zeigen. Es hieß damals noch Planet Pregnant. Nach der Schwangerschaft habe ich gemerkt, dass das Thema weitergeht – mit typischer Mode für Mütter in Extra-Abteilungen, getrennt von der Modewelt. Aber man bleibt als Mutter ja auch Frau! Meiner Kollegin Annette ging es genauso, also haben wir gesagt: Lass uns was zusammen machen. Dann haben wir ziemlich spontan los gelegt und Shirts gestaltet. Im Juli 2017 sind wir online gegangen.

Ihr seid mittlerweile zu viert. Wie teilt ihr euch die Arbeit auf?

Annette und ich sind die Gründerinnen. Tatjana hat erst für uns gemodelt, und wollte uns dann auch unterstützen. Sie ist zuständig für das Styling und alles rund um Mode. Sophie ist in Berlin und macht für uns PR. Wir sind jetzt drei Mütter, und Sophie als Nicht-Mama – eine ganz tolle Konstellation mit vielen verschiedenen Meinungen.

Drei junge Mütter – wie managt ihr euren Arbeitsalltag?

Wir haben kein gemeinsames Büro, das ist in München momentan noch zu teuer für uns. Aber wir kommunizieren ganz viel in unserer Whatsapp-Gruppe „Büro“ und setzen uns manchmal auch zusammen. Ich arbeite von zu Hause aus. Hier ist auch unser Shirt-Lager. Wir haben dafür extra ein Zimmer freigeräumt, aber das platzt demnächst aus allen Nähten. Annette arbeitet schon wieder als Grafikerin und Illustratorin und hat eine Tagesmutter für drei Tage die Woche. Sophie macht es neben dem Studium und Tatjana – wie ich – neben der Babybetreuung.

Wie bekommst du Babybetreuung und Arbeit unter einen Hut?

Ich habe beschlossen, dass ich meine Tochter Mila selbst betreuen möchte. Daher arbeite ich, wenn meine Tochter schläft und abends. Meine Mutter kommt oft tagsüber vorbei, und manchmal versuche ich auch einen Babysitter zu finden. Das Label ist für mich der einfachste Weg, zu arbeiten und für Mila da zu sein – eine gute Mischung.

Vor allem auf Instagram seid ihr sehr aktiv wie wichtig ist das Netzwerk?

Sehr wichtig – wir machen fast alles über Instagram. Das hat sich so ergeben, weil wir sehr visuelle Menschen sind. Ich fotografiere gerne und habe für unseren Kanal eine Bildsprache entwickelt. Für Mode ist Instagram aktuell das relevante Portal – viel wichtiger als etwa Werbung in Magazinen. Alles läuft über Influencer und Blogger – diesen Weg haben wir auch gewählt. Wir bekommen viel Feedback – unsere Shirts werden gepostet, oft mit einem sehr persönlichen, langen Text dazu. Um Social Media Ding kümmere ich mich alleine. Ich hab ein Auge dafür und mache das gern. 

Wie entstehen eure Entwürfe?

Wir sammeln ständig Ideen, Erfahrungen und schreiben sie auf. Wir haben auch eine Onlinesammlung. Es ist unser Gemeinschaftsding – wir tauschen Meinungen aus und stimmen auch darüber ab. Wenn eine Idee nicht auf ein Shirt passt, landet sie vielleicht woanders, zum Beispiel auf einer Tasche oder einem Notizbuch. Für die letzte Kollektion hatten wir über 40 neue Entwürfe. Daraus haben wir aber nur sechs umgesetzt. Annette und mir blutet oft das Herz, weil wir an Entwürfen hängen, aber zu viele Ideen sind nicht sinnvoll. Dann geht es ans Umsetzen. Annette macht meistens die Reinzeichnung. Ich plane die Fotoshootings. Oft kommen während der Gestaltung noch super Ideen dazu. Die erste Auflage war klein – nur 25 Shirts von jedem Design. Unsere Bestseller Milk und Mutti haben wir aber mindestens schon zehn Mal nachproduziert.

Wie produziert ihr?

Ein Bekannter von uns bedruckt die Shirts per Hand mit seiner Siebdruckanlage in München. Uns war wichtig, dass wir möglichst lokal produzieren. Die Shirts kaufen wir über einen Hersteller, der fair und ökologisch in Bangladesh produziert. Wenn es mit dem Label noch besser läuft, wollen wir zu einen europäischen Hersteller wechseln.

Habt ihr Befürchtungen, dass sich das Thema erschöpft?

Ich habe schon manchmal Bedenken. Aber es gibt noch viele Themen, mit denen wir anknüpfen können. Bisher haben wir stark junge Mütter angesprochen. Das Label wächst auch mit unseren Kindern. Wir machen andere Erfahrungen, wenn unsere eigenen Kinder älter werden. Ich glaube, dass uns dann schon noch was einfällt.

Was ist mit den Vätern?

Das fragt mich mein Freund auch immer. Aber bei den Vätern besteht der Grundkonflikt nicht. Da hat die Modewelt nichts getrennt – sie hat ja keine Abteilungen für Vätermode geschaffen. Die Männer dürfen gerne unsere Shirts tragen – es sind ja Unisex-Schnitte. Aber es bleibt ein Label für Frauen.


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