12/11/2018

Weingut Christine Pröstler - Christine Pröstler

Christine Pröstler

Ich versuche nicht jede Nacht bis eins zu arbeiten.“

Craft-Bier gibts wie Sand am Meer in Bayern, aber was ist eigentlich mit Craft-Wein? Christine aus Retzbach bei Würzburg macht etwas in der Art. Mit Anfang 30 hat sie ihr eigenes Weingut aufgemacht - trotz Klimawandel und Konkurrenz.

icon_interviewPULS: Was hat dich motiviert ein Weingut zu gründen?

Ich wollte zeigen, dass wir in Retzbach tolle Weinberge haben, die noch niemand so richtig zur Geltung gebracht hat. Schon meine Urgroßeltern bauten im Nebenerwerb Trauben an. Mein Vater hat alle Jahre die Trauben an eine Winzergenossenschaft abgeliefert und meiner Meinung nach wurde er nie für seine Mühen belohnt. Das musste sich ändern. Ich wollte mit einem eigenen Weingut meine Ideen verwirklichen, ohne vorher einen Chef fragen zu müssen. Ich wollte selbst entscheiden, wo und wie man das Beste aus den Trauben rausholen kann. Und ich hatte mega Bock auf Weinflaschen mit meinem eigenen Etikett. Dieser Wunsch kam im Studium schon auf. Da haben wir uns oft zum Lernen getroffen – und auch zum Genießen – und die meisten meiner Kommilitonen hatten ihre eigenen Weine dabei und konnten Geschichten erzählen.

Was sind die größten Herausforderungen beim Gründen eines Weinguts?

Die Angst, dass keiner kommt und den Wein kauft. Dass man auf die große grüne Wiese ein Weingut baut und dann kommt keiner. Weil: Weingüter gibt es wie Sand am Meer. Qualitativ gigantische Topweine gibt es auch sehr viele. Wir sind ein sehr junges Weingut. Ich kann noch nicht prognostizieren, in welche Richtung meine Weine gehen werden. Wir stehen da am Anfang.

Für mich ist es außerdem herausfordernd aktuell alles zu stemmen. Das Weingut, die Arbeit im Weinkeller, dazu kommt der Haushalt und unsere drei kleinen Jungs im Alter von zehn Monaten bis sechs Jahren. Ich versuche nicht jede Nacht bis eins zu arbeiten.

Und natürlich bleibt es meiner Meinung nach immer eine große Herausforderung, den Wein auch zu verkaufen, in einer Zeit, die sich enorm gewandelt hat. Früher kaufte man beim Winzer des Vertrauens ein, und blieb ihm ein Leben lang treu. Heute sind die Menschen viel offener. Sie kaufen Ihre Weine, wo sie gerade sind, mal beim Weinfachhändler, dann beim Winzer oder verstärkt auch online. Dort gibt es oft auch Billig-Angebote, auf die viele aufspringen.

Wie beeinflusst euch Winzer der Klimawandel?

Der Klimawandel wird spannend werden. Er ist schon da. Dieses Jahr, 2018, haben wir extrem gemerkt, dass kein Tropfen mehr runterkommt. Wir Winzer kannten solche Hitze und Trockenheit noch nicht. Weder ich, noch die vorherige Generation. Wir mussten gießen, das war zuvor nicht notwendig. Wir haben zum Glück in einigen unserer Junganlagen Tröpfchenbewässerungsanlagen eingebaut. Aber dieses Jahr sind wir noch dazu mit Fass, Schlauch und einem neuen Anhänger durchgefahren und haben Stock für Stock gegossen.

Wie steht es um die Ökologie in der Winzer-Szene?

Wir Winzer versuchen, mit der Natur zu leben und sie zu erhalten. Wir denken an die Zukunft. Wir sind extreme Naturmenschen und versuchen das Beste für die Nachkommen zu tun, damit sie auch noch Natur haben. Bio-Wein finde ich gut, macht aber meiner Meinung nach nur Sinn, wenn man größere aneinanderhängende Parzellen hat. Bei uns gibt es Weinberge, die nur fünf bis zwölf Zeilen haben. Da ist die Frage: Wie viel bekommt mein Weinberg ab, wenn der Nachbar spritzt? Wir arbeiten sehr naturverbunden und noch konventionell. Mit Pflanzenschutz wollen wir unsere Pflanzen schützen, wie das Wort schon sagt. Natürlich nur so viel, wie nötig ist.

Foto: Stefan Bausewein

Wie ist es als Frau in der Winzerei? Ist die Szene so männerdominiert wie etwa die Brauerszene? 

Ja, die Szene ist schon geprägt von Männern. Dennoch gibt es gerade in den letzten Jahren einen positiven Zuwachs von jungen Frauen. Ich persönlich habe als Winzerin nur positive Erfahrungen gesammelt. Gerade wenn es um körperlich schwere Arbeit geht, wurde mir immer geholfen. Mit Männern wird außerdem klar und deutlich kommuniziert, manchmal fallen auch mal rauere Worte – aber es gibt nie Zickenkrieg. Meine Arbeitskollegen haben gleich erkannt, dass ich genau wie sie Schlepper fahre und körperlich mit anpacken kann.

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