07/03/2016

Thomas Vatter (39) und Marcus Faulwasser(39)
Vatter
Modische Unterwäsche aus Bio-Baumwolle

„Wir sehen nicht nur die Hardcore-Ökos als unser Klientel“

Bei Bio-Baumwollunterwäsche denken wir meistens an zeltgroße XXL-Schlüpfer in Naturfarbe. Muss aber nicht sein. Thomas Vatter bringt gemeinsam mit seinem Freund Marcus Faulwasser schon seine zweite Unterwäsche-Kollektion raus. Die Idee dahinter: nicht nur biologisch, sondern vor Allem auch sexy.

VATTER - Portrait Marcus Tom

icon_interviewPULS: Eure Nische ist also die Kombination aus „bio“ und „sexy“. Wie geht das zusammen?

Thomas Vatter: Es gibt ja schon Unterwäsche aus Bio-Baumwolle, das ist nichts Neues. Bisher war das aber immer so der Liebestöter in weiß oder naturfarben. Da war eben jetzt die Idee: das Ganze muss doch auch ein bisschen frischer und modischer gehen. Wir sind durch die
Zertifizierung von GOTS (Global Organic Textile Standard) mit der Verwendung von Materialien relativ eingeschränkt. Häufiger kommt da auch der Kommentar „so wahnsinnig sexy ist das ja jetzt nicht“. Man muss halt immer in VATTER - BoxerShort GreenKategorien denken. Klar werden wir, solange wir GOTS zertifiziert sind, nie bei irgendwelchen Dessous mitspielen – weil wir die Stoffe einfach gar nicht verwenden dürfen. Im Bereich der Bio-Unterwäsche versuchen wir das aber soweit wie möglich sexy zu machen und Wert auf ansprechendes Design zu legen.

 Was hast du vorher gemacht?

Ich hab studiert, ganz langweilig BWL, dann angefangen beim Fernsehen. Nach vier Jahren hab ich mich mit einem Kumpel in der Schweiz selbstständig gemacht und eine Musik-Flirt-Plattform gegründet.

Eine was?!

Wir haben ein Tool programmiert, das deine iTunes Library scannt und schaut, welches Lied du wie oft gehört hast. Dadurch hat es Matches mit anderen Mitgliedern herausgefunden. Ein Kennenlernen über den Musikgeschmack also. Nach drei Jahren haben wir das dann aber an die Konkurrenz verkauft. Dann habe ich mir überlegt: Was jetzt?. Irgendwie war da noch so eine alte Idee: Boxershorts übers Internet verkaufen. Es war aber klar, dass Boxershorts alleine irgendwie nicht wirklich reicht. Also hab ich das dann noch ein bisschen ausgebaut und daraus ist die Idee dann entstanden. Ich muss aber dazu sagen, dass ich aus einer Textil-Familie komme, mein Vater also schon vor langer Zeit Socken und Strümpfe gemacht hat.

Wie weit seid ihr jetzt mit eurem Projekt?

Gegründet haben wir „Vatter“ 2013, 2014 haben wir das Jahr VATTER - Brazilian Stripesgebraucht, um Produkte zu entwickeln und einen Webshop aufzubauen. Seit Anfang 2015 sind wir jetzt auf dem Markt mit unserer ersten Kollektion und haben jetzt 35 Einzelhändler über ganz Deutschland verteilt, aber auch ein paar international. In Österreich haben wir drei Läden, in Frankreich zwei, in Island einen.

Was waren denn dann bis jetzt die krassesten Hürden, die ihr bewältigen musstet?

Im Endeffekt ist es Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit zu leisten. Wir sind zwar Bio, wollen das aber nicht zu sehr breittreten. Momentan sind wir hauptsächlich in den grünen Läden, wollen aber auch verstärkt in den konventionellen Handel reinkommen.  Wir sehen nicht nur die Hardcore-Ökos als unser Klientel, sondern auch jemand, der Wert auf Qualität und auf Bio legt, aber auch auf Design. Das ist halt ein bisschen schwierig. Außerdem sind wir relativ hochpreisig, was natürlich irgendwie mit der Qualität und der Bio-Baumwolle zusammen hängt. Aber den Preis muss man den Leuten halt auch erstmal klar machen. Die meisten Leute geben mehr Geld für Oberbekleidung aus, bei Unterwäsche sagen viele: „sieht ja keiner“. Also reicht mir auch die 5 € H&M Unterhose. Dabei ist es viel wichtiger auf die Stoffe der Unterwäsche zu achten, weil man sie direkt auf der Haut trägt.

Seid ihr denn finanziell abhängig von der Bio-Baumwoll-Unterwäsche?

VATTER - Set Bustier SmallFlowers LittleLucyIrgendwann hoffentlich schon mal. Momentan zehren wir noch vom Ersparten, aber ich hoffe schon, dass da irgendwann so viel abfällt, dass man davon auch leben kann. Das ist natürlich im ersten Jahr nicht der Fall und wird auch im zweiten Jahr schwierig sein, aber wir sind bis her eigentlich ganz zufrieden. Momentan wird das Geld, das hier verdient wird, in neue Kollektionen investiert. Und wir haben jetzt auch unsere erste Mitarbeiterin eingestellt, für Marketing und Kommunikation.

Hast du Tipps für andere Macher?

Bei Textilien ist es am Anfang immer eine Abwägung: Wenn du zu klein anfängst, zum Beispiel mit zwei Unterhosen, eine schwarze, eine weiße, dann ist es eigentlich ein Rohrkrepierer, weil du zu wenig Auswahl hast. Wenn du andererseits am Anfang schon tausend Varianten und Designs machst, dann kann dich das finanziell relativ schnell in den Ruin treiben, weil du dann einfach wahnsinnig viel auf Lager hast. Wir haben den Mittelweg genommen, mit Unterhosen angefangen und vergrößern das Sortiment jetzt Step by Step. Man muss da einfach auch etwas Geduld haben. VATTER - Set Triangle BikiniSlip WavesAußerdem sollte man nicht immer auf all das hören, was
einem andere sagen. Jeder weiß immer irgendwas und wenn du da auf alles hörst, dann sollst du eigentlich gar nicht erst anfangen. Ab und zu ist es allerdings schon gut, eine ehrliche Meinung von außen zu haben, weil man irgendwann schon eine Art Tunnelblick hat.

Ihr verkauft ja nur über Einzelhändler, wollt ihr vielleicht in Zukunft auch einen eigenen Laden?

Also ein eigener Laden ist gerade in München ziemlich teuer, da muss man schon einige Unterhosen verkaufen, um das zu finanzieren. Wir schauen eher Richtung PopUp-Stores, also temporäre Läden, wenn irgendwo was kurzzeitig leer steht. Da kannst du dich dann für zwei Monate einmieten, verkaufst dein Zeug und gehst wieder raus. Es gibt auch die Überlegung, ob man sich mit anderen Labels zusammen tut.

Sorry, zur entsprechenden Suchanfrage konnte leider kein Ergebnis gefunden werden.