07/06/2017

Veronika Wagner (29) & Svenja Weimann (33)
VANOOK
Handgefertigte Taschen und Accessoires aus München

„Ein Rucksack ist ein Teil, das man jeden Tag trägt, genauso wie sein I-Phone“

Svenja und Veronika haben sich auf der Mode- und Design-Schule in München kennen gelernt. Nach dem Abschluss hatten sie genug von Mode und gründeten das Taschen-Label VANOOK. Mit Leder aus dem Allgäu und Stoffen aus Holland nähen sie Unisex-Accessoires in schlichtem Design.

VANOOK

PULS: Wie ist die Idee zu eurem Label entstanden?

Svenja Weimann: Wir kommen ja beide ursprünglich aus der Maßschneiderei. Wir haben beide eine klassische Maßschneiderausbildung gemacht. Danach haben wir gearbeitet, Praktika gemacht und dann sind wir auf die Meisterschule für Mode und Design in München gegangen. Da haben Veronika und ich uns auch erst kennengelernt und hatten die Idee uns selbstständig zu machen. Es war aus so einem „Jetzt oder nie“-Gedanken heraus. Wenn man direkt von der Schule kommt, ist man noch frisch, ambitioniert und unverdorben. Man wird ins kalte Wasser geworfen und fällt dabei auch mal auf die Schnauze. Aber man braucht einfach Durchhaltevermögen und Optimismus.

Warum macht ihr hauptsächlich Taschen und Accessoires und keine Mode?

Kleidung war eigentlich der Schwerpunkt in der Ausbildung. Was Taschen angeht, sind wir Autodidakten. Wir hatten uns über Jahre nur mit Kleidung beschäftigt und dann war da die Neugier für etwas Neues. Aber es gibt auch ganz pragmatische Gründe: Taschen sind nicht so saisongebunden wie Kleidung. Wenn man Kleidung entwirft, hat man einen viel größeren Druck, dass man zwei bis vier Mal im Jahr eine neue Kollektion rausbringt – auch als kleines Label. Aber da stößt man oft an seine Grenzen. Vor allem als Low-Budget-Projekt ist das sehr zermürbend oder einfach nicht machbar.

Wie läuft die Arbeit im Atelier bei euch ab?

Wir haben seit kurzem wieder unser eigenes Atelier, wo auf der einen Seite Büro ist und auf der anderen Seite Arbeitsraum und Werkstatt. Wir sind an allen Prozessen gleichermaßen beteiligt. Wir haben einen riesigen Zuschneidetisch und zwei Nähmaschinen, eine für Leder und eine für Stoff. Veronika macht meistens die Lederarbeiten und ich eher die an der Stoffmaschine. An unseren Teilen haben dann meistens beide von uns gearbeitet, weil wir uns auch zuarbeiten. Es gibt nur ein paar Sachen, die kann eine von uns besser und die bearbeitet das dann.

Woher kommt euer Material?

Das Leder kommt von einer kleinen Gerberei aus dem Allgäu, die pflanzlich gegerbtes Leder herstellt. Die Stoffe kommen von einem Händler aus Holland. Gerade sitzen wir jede freie Minute daran, neue Materialien für die neue Kollektion zu suchen. Das ist wirklich sehr zeitaufwändig, weil man Funktionalität, Stabilität und Strapazierfähigkeit braucht. Dann muss es die Materialien in den Farben geben, die wir haben wollen und es sollten keine Mindestabnahmemengen von 500 Laufmetern sein. Da ist man wirklich endlos beschäftigt, bis man das hat, was man haben will.

Für wen macht ihr die Taschen und Accessoires? Wer ist eure Zielgruppe?

Viel wird online gekauft und dann treffen wir die Leute nicht, die das kaufen. Was ich aber bemerke: Es sind entweder Menschen, die sich dafür begeistern, dass es handgemacht ist oder die designaffin sind. Das sind die zwei Triggerpunkte, nach denen die Leute unsere Produkte kaufen.

Durch die Handarbeit sind die Produkte nicht gerade billig. Sind die Produkte also für Leute, die nicht gerade einen kleinen Geldbeutel haben?

Man muss leider sagen: Ja, man muss das Geld übrig haben, um sich einen Rucksack für 400 € zu kaufen. Das heißt, die Leute müssen berufstätig sein und verdienen oder es sind Jüngere, die sich das schenken lassen, weil sie etwas möchten, das nicht jeder hat und wo eine Story dahinter ist. Man muss es auch ein bisschen in der Relation sehen. Leute geben ohne mit der Wimper zu zucken 600 Euro für ein I-Phone aus und so ein Rucksack ist unter Umständen auch ein Teil, das man jeden Tag trägt, genauso wie sein Handy. Man könnte das Wertempfinden der Leute ein bisschen hinterfragen, die oft vom Markt geblendet sind. Wenn ein Rucksack in München von Hand gefertigt ist, dann muss der so viel kosten, weil sonst der Macher nichts mehr davon hat.

Warum heißt euer Label „Vanook“? Was bedeutet der Name?

Es ist eine Wortkreation. Das Wort gibt es eigentlich nicht. Wir wollten etwas Nordisch-Skandinavisches, das sowohl für Männer als auch für Frauen funktioniert. Also ein Markenname, der unisex ist und der das rüberbringt, was wir in unserem Design rüberbringen wollen: clean, reduziert, aber trotzdem stimmig. Die Buchstaben kommen auch in unseren beiden Namen vor und es sind gerade und schöne Buchstaben. Wir haben da auch mit einer befreundeten Grafikerin zusammen gearbeitet.

Warum habt ihr euer Label in München gegründet?

Es hat sich erstmal nur daraus ergeben, dass Veronika und ich uns hier kennengelernt haben. Aber das Angenehme an München ist auch, dass es nicht so überlaufen ist und nicht so als die Modestadt gilt. Das heißt, die Leute, die hier was machen, sind viel besser untereinander vernetzt und es nicht so ein Überangebot. Man wird dadurch schneller wahrgenommen als zum Beispiel in Berlin, wo es unglaublich viel gibt.

Wo und wie verkauft ihr eure Produkte?

Aktuell eigentlich nur in München in verschiedenen Läden. Wir waren auch mal in Berlin und Linz, aber das lief nicht so gut. Wir wollen keine Kommissionsgeschäfte mehr machen, weil dann da eine Tasche ein halbes Jahr im Schaufenster steht, angefasst wird und die Sonne drauf scheint. Dann sieht die danach auch nicht mehr so fresh aus. Bei unseren Produkten muss man außerdem erzählen, was für eine Story dahinter ist, sonst kauft niemand die Tasche einer unbekannten Marke für 400 Euro. Da muss das Personal dann auch für gebrieft sein. Wir verkaufen sehr viel online und haben deswegen auch in gute Produktbilder investiert. Mittlerweile geht fast die Hälfte der Produkte in die USA. Die stehen anscheinend auf deutsches Design.


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