01/12/2017

Fabian Kreipl, Tobias Kreß, Chris Hengl, Basti Schumacher
Vanilla Bean
vegane Restaurantführer-App aus Regensburg

„Wir sind keine Puristen, die sagen, nur wenn ein Restaurant 100 Prozent vegan ist, kann es rein.“

Sie waren mehrere Jahre Arbeitskollegen in einer großen App Agentur und haben quasi von heute auf morgen gekündigt, um sich selbständig zu machen – mit einem veganen Restaurantführer. Mittlerweile ist die App nicht nur im deutschsprachigen Raum, sondern in einigen anderen europäischen Ländern erhältlich.

PULS: Erstmal, seid ihr alle im Team vegan?

Fabian Kreipl: Nein, nicht komplett. Ich bin seit ungefähr sechs Jahren Veganer und es ist natürlich wichtig, dass jemand bei uns im Team mit dabei ist, der sich mit dem Thema identifiziert, vor allem auch das Thema Nachhaltigkeit fördern möchte. Aber wir sind jetzt keine Unternehmenspolizei, die aufpasst, wie sich alle Leute ernähren. Das ist nicht unser Ansatz.

Wie ist es dazu gekommen, dass Ihr Vanilla Bean entwickelt habt?

Das Ganze ist eigentlich ganz banal zustande gekommen. Ich war mit Basti essen und währenddessen haben wir geträumt, was wir alles für tolle Software machen könnten. Er hat dann gesagt: „Es wäre doch toll, wenn wir eine App machen, die etwas Gutes tut.“ Das hat bei mir als quasi verkappter Sozialromantiker alle Knöpfe gedrückt und tatsächlich hatte ich schon am nächsten Tag ein halbes Konzept fertig. Ich beschäftige mich schon seit vielen Jahren mit den Themen Umweltproblematik, Klimaerwärmung, Wasserkrise, Artensterben etc. und auch mit den Möglichkeiten des nachhaltigen Konsums. Und meine erste Idee war es auch, eine App über Nachhaltigkeit ganz allgemein zu machen, d.h. jetzt nicht nur für Essen, sondern z.B. auch für Mode, quasi ein Rundum-Paket. Es hat sich aber schnell herauskristallisiert, dass wir besser beraten sind, wenn wir uns auf ein Thema fokussieren und da war das vegane Thema recht schnell unser klarer Favorit.

Warum?

Weil wir gemerkt haben, dass die Gesellschaft  da teilweise ein bisschen umschwenkt. Es gibt immer mehr Leute, die Fleisch reduzieren. Das ist schon ein großes Thema. Außerdem lieber eine Sache richtig gut machen nichts so richtig gut.

Ihr kennt euch ja alle von eurem früheren Arbeitgeber, einer App-Agentur. Wie schnell habt ihr eure Idee umgesetzt und dann euer Angestelltendasein aufgegeben?

Tatsächlich ging es wie am Schnürchen. Wir konnten uns recht schnell gegenseitig davon überzeugen, dass das eine gute Idee ist und wir das machen sollen. Es hat wirklich nur ein paar Monate gedauert, bis wir dann so mit pumpendem Herzen zu unserem Chef gegangen sind und ihm gesagt haben, dass wir kündigen werden. Er war natürlich nicht begeistert, weil wir alle schon mindestens fünf Jahre in der Agentur gearbeitet haben, alle eigentlich auch in wichtigen Positionen. Aber für uns war irgendwie die Zeit reif, etwas Eigenes zu machen. Und wir passen von den Grundwerten wirklich sehr gut zusammen, wir sind denke ich eine ganz witzige Mischung von Leuten mit Idealismus, die dazu wissen, wie so ein App Business funktioniert, jeder in seinem eigenen Bereich.

Wieso der Name Vanilla Bean?

Eigentlich um das Thema Geschmack in den Vordergrund zu stellen. Es gibt so ein paar Klischees rund um veganes Essen. Und eins davon ist eben, dass es nicht gut schmeckt. Das stimmt aber natürlich nicht. Man kann wahnsinnig gut und lecker vegan kochen. Vanilla Bean heißt ja auf deutsch Vanilleschote und Vanille ist eines der beliebtesten Gewürze der Welt und dazu ein sehr edles und nach Safran das zweitteuerste. Wir haben uns dann gedacht, dass es gut ist, wenn der Name für Geschmack steht, einen Geschmack, den die Leute kennen und mit dem sie positives verbinden. Und natürlich haben wir ganz viel gegooglet und uns Sachen angelesen, welche Namen gut funktionieren und gut behalten werden können.

Was kann die App?

Die App zeigt an, wo man überall lecker vegan essen gehen kann. Es ist aber noch mehr als das. Es ist ein Restaurantführer für bewusste Konsumenten. Es gibt verschiedene Kategorien, wodurch man auf einen Blick sehen kann, worauf das jeweilige Lokal achtet. Ob es regionale Zutaten verwendet oder ob ein Restaurant auf Unverträglichkeiten achtet und zum Beispiel glutenfreie Gerichte im Angebot hat. Uns geht es darum, veganes pflanzliches Essen bekannter und leichter auffindbar zu machen. Dabei stellen wir auch Lokale vor, die zwar bewusst vegane oder vegetarische Gericht anbieten, aber trotzdem Fisch oder Fleisch servieren. Uns geht es ganz stark darum, mit der App das Thema mehr in die Mitte der Gesellschaft einzubringen. Wir sind keine Puristen, die sagen, nur wenn ein Restaurant 100 Prozent vegan ist, kann es rein. Es gibt viele normale Lokale, die ein tolles veganes Angebot haben. Auch das soll bekannter und von den Leuten unterwegs gefunden werden. 

Aber wo zieht ihr da die Trennlinie? Beim Griechen um die Ecke krieg ich ja auch einen Gemüseteller.

Das ist tatsächlich gar nicht so leicht und wir haben auch viel darüber nachgedacht. Wir haben es aber am Ende ganz einfach gemacht. Es braucht mindestens ein explizit ausgewiesenes veganes Gericht, das ganz klar als solches auf der Speisekarte deklariert wird. Für eine Eisdiele heißt das: Sie muss mindestens eine vegane Eissorte anbieten, eine Pizzeria mindestens eine vegane Pizza, eine Cocktailbar mindestens einen veganen Cocktail. Es gibt Lokale, die haben auch nur ein Gericht, wechseln aber jeden Tag die Karte. Deswegen haben wir uns gesagt, es ist der kleinste gemeinsame Nenner. Das bedeutet gleichzeitig, wenn jetzt jemand nur Pommes oder einen Salat anbietet, reicht das nicht aus. Wer unsere App nutzt, soll sich darauf verlassen können, dass er was richtig Gutes bekommt.

Wie finden die Restaurants den Weg zu euch?

Das ist ganz unterschiedlich. Wir machen ganz viel klassische online-Recherche. Wir arbeiten aber auch viel mit regionalen Partnern zusammen, weil die oft das beste Wissen haben. Mittlerweile haben wir in Deutschland aber auch ein gewisses Standing. Wir sind ja mit Abstand der weitverbreitetste Service dieser Art. D.h. Nutzer schlagen eigentlich täglich Restaurants vor, oder Lokale melden sich von selbst. Das Eintragen selbst findet in der Regel eigentlich relativ autark statt, aber wir halten vorher schon noch einmal Rücksprache mit den Lokalen.

Wahrscheinlich ist es so, dass die App-Nutzer vor allem in den Großstädten fündig werden. Wie sieht’s auf dem Land aus?

Klar, es ist definitiv ein urbanes Thema, die meisten Angebote und Lokale gibt es schon in den größeren Städten. Wir beobachten aber jetzt in den zwei Jahren, in denen wir das machen, dass die Provinz aufholt. Und wir haben zuletzt zusammen mit PETA Deutschland die 100 besten veganen Restaurants ausgezeichnet und da waren zum Beispiel auf Lokale aus dem Schwarzwald dabei.

Ihr wohnt ja in Regensburg. Gibt es da eine große vegane Szene und ein gutes Angebot an Restaurants?

Also die ist tatsächlich super gut. Wenn man die Anzahl der Restaurants in Regensburg im Verhältnis zur Einwohnerzahl betrachtet, dann ist Regensburg ganz vorne mit dabei, eigentlich Spitzenreiter in Deutschland. Es gibt allein fünf vegane Restaurants, dazu kommt eine ganze Reihe von Läden, die vegane Kuchen oder Hotdogs oder Donuts anbieten, Cafés, insgesamt gibt es – schätze ich – so zwischen 15 und 20 Lokale mit veganem Angebot. Es gibt in Regensburg aber auch insgesamt eine sehr lebendige Szene mit regelmäßigen Stammtischen und über die Jahre hinweg ist da mir sowas wie ein zweiter Freundeskreis entstanden.

Wie läuft eure App?

Angenommen wird es richtig gut, wir sind vor allem im deutschsprachigen Raum klar führend. Mittlerweile haben sich rund  160.000 Leute die App runtergeladen und wir bekommen auch ein super tolles Echo von der Presse, aber auch aus der Community. Wir haben eine sehr gut bewertete App, mit fünf Sternen im Durchschnitt bewertet in beiden App-Stores, das ist relativ selten, vor allem im Restaurant Bereich. Unser Ziel ist es natürlich, dass wir uns mit der Zeit selber tragen können, momentan leben wir ja vom Geld der Investoren. Davon lassen wir uns unser Gehalt auszahlen und können so die App weiter entwickeln und vermarkten.


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