22/06/2018

Lucian Berkmüller, Benedikt Luber
VACAV
Surf-Finnen aus Holz

Surfen ist die reinste Materialschlacht. Du tust was Gutes, wenn du dein Produkt nachhaltiger machst.

Ben und Lucian sind seit der Schulzeit beste Kumpels und wollten schon immer ein Projekt zusammen starten. Mit VACAV stellen sie seit 2016 Surf-Finnen aus Holz her. Damit wollen sie den ersten Schritt Richtung nachhaltiges Surfen setzen.

 

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PULS: Wie seid ihr auf die Idee gekommen, Finnen aus Holz zu produzieren?

Lucian: Wir sind beide schon relativ lange Surfer. Für meine Bachelorarbeit als Ingenieur für Holztechnik habe ich überlegt, wie man Finnen aus nachhaltigeren Materialien produzieren kann und angefangen, Finnen aus Holz zu entwickeln. Ich habe viel mit Ben drüber gesprochen und wir wollten das weiterführen. Ben ist Wirtschaftsingenieur und hat in anderen Startups schon viel Erfahrung im Marketing gesammelt.

Ben: Wir fanden die Kombi sehr gut, Lucian macht das Produkt und ich kümmere mich darum, wie wir das aufs Papier, in den Webshop und unter die Leute kriegen.

Wie funktioniert das, dass eure Holzfinnen im Wasser stabil bleiben?

Lucian: Die Finnen sind mit Epoxidharz beschichtet, damit sich das Holz nicht vollsaugt. Klar wäre es cool, einfach nur eine Holzfinne zu surfen, aber dann musst du sie alle zwei Wochen wechseln, weil sie die ganze Zeit Wasser zieht. Das wäre dann auch nicht gerade nachhaltig.

Ist eure Finne denn so nachhaltig wie ihr sie gerne hättet?

Lucian: Jein. Sie ist so nachhaltig wie es geht. Wir ersetzen so viele nicht-nachhaltige Materialien wie möglich durch nachhaltige. Das ist ein erster Schritt zu einem nachhaltigeren Produkt. Surfen ist, wie viele andere Sportarten auch, die reinste Materialschlacht. Du tust schon was Gutes, wenn du dein Produkt nur ein Stück weit nachhaltiger machst.

Ben: Wir achten auch auf eine komplett Plastik-freie Verpackung. Das alleine ist schon ein wichtiger Unterschied zu den anderen Finnen auf dem Markt. Im Vergleich zu denen sind wir unterm Strich wesentlich nachhaltiger. Wir bieten auch nachhaltige Streetwear an. Da haben wir einen echt coolen Zulieferer, der 100 Prozent Bio-Baumwolle verwendet und seine Werke mit Solarenergie betreibt. Wir geben unser Bestes. Es geht halt nicht von heute auf morgen.

Bayern ist ja nicht gerade umgeben vom Meer. Warum Vacav in München?

Ben: Ich komme aus der Garmischer Gegend, Lucian ist aus München. Schon zur Schulzeit waren wir immer viel in den Bergen unterwegs. Deshalb auch unser Claim „From the Mountains to the Sea“. Bayern ist eben einfach unsere Heimat. Und dass hier kein Meer ist, kann man auch als Vorteil sehen: Gerade in Ländern wie Australien gibt es sehr viele kleine Finnen-Brands. Mit so einer kleinen Surf-Brand, wie wir sie gerade aufbauen, sind wir in Deutschland auch gut dran, weil es noch keine Vergleichbaren gibt. Und München ist für eine deutsche Stadt mit einer echt guten Surfszene gesegnet. Der Eisbach ist da auf jeden Fall ein entscheidendes Element. Du siehst hier jeden Tag Leute mit Surfbrettern auf den Fahrrädern. In gewisser Weise steht das auch für München: Du bist in der U-Bahn und auf einmal steht ein Surfer neben dir.

Was war bis jetzt eure größte Hürde?

Ben: Eine krasse Hürde hier in Deutschland ist die ganze Bürokratie, um ein Startup zu gründen. Das verschlingt Unmengen an Geld und Zeit. Unserer Meinung nach ist das eher Schikane. Andere Länder zum Beispiel USA sind da wirklich Vorreiter – dort kannst du quasi von heute auf morgen ein Unternehmen gründen.

Was hat euch auf eurer Macher-Reise bisher am besten gefallen?

Ben: Bürokratie hin oder her – tatsächlich war es dann doch ein sehr cooler Moment, beim Notar zu stehen. Das ist schon sehr formell, mit Urkunde und so. Wenn du da dann deine drei Zeichen drunter setzt, dann weiß man auch, dass es jetzt kein Zurück mehr gibt.

Lucian: Besonders waren dann auch die ersten Verkäufe, die man gemacht hat. Zuerst ist das natürlich der Freundeskreis, aber dann auch Leute mit denen man noch nie Kontakt hatte. Und wenn du dann in Portugal jemanden mit deiner Finne surfen siehst, ist das natürlich ein krasser Moment. Erst neulich hat uns auch ein richtiger Pro-Surfer aus Brasilien geschrieben, dass er uns mega cool findet und ob wir nicht zusammenarbeiten wollen. Das freut uns und zeigt uns auch, dass die Holzfinne das Potenzial hat, groß zu werden.

Habt ihr vor, von VACAV leben zu können?

Ben: Als Unternehmer hat man glaube ich immer dieses Ziel. Gleichzeitig ist das hier für uns der erste Schritt in Richtung „was Eigenes“. Der Fokus liegt vor allem auf lernen. Dabei wollen wir Schritt für Schritt die Marke ein bisschen weiter aufbauen. Die Finnen sind da ein gutes Einstiegs-Projekt, weil man nicht gleich ein riesiges Investment braucht. Wir haben auch keinen finanziellen Druck, weil wir beide noch unsere festen Jobs haben und happy damit sind.

Welcher Rat hätte euch am Anfang geholfen?

Lucian: Es ist sehr wichtig, sich Zeiträume zu schaffen und zu überlegen, wann man was macht. Ansonsten hat man das Projekt wirklich ständig im Kopf. Man will alles gleichzeitig machen und verliert dann die Sachen, die einen wirklich nach vorne treiben, aus den Augen. Anstatt immer mal wieder schnell was zu machen, ist es besser, einmal wöchentlich vier, fünf Stunden am Stück Gas zu geben. Da passiert so viel mehr im Vergleich zu diesem ganzen Nebenbei-Getue.

Ben: Wir haben irgendwann angefangen, uns Projekte mit Fristen zu stecken. Wie wir uns das dann einteilen, ist jedem freigestellt. Wir treffen uns wöchentlich und schauen wer was geschafft hat. So kann zum Beispiel auch Lucian an den Projekten arbeiten, wenn er gerade in Portugal beim Surfen ist. Diesen Modus mussten wir aber auch erst lernen, das hat nicht immer so gut funktioniert.

Wie kommen eure Finnen denn in der Surf-Community an?

Lucian: Das Design feiert jeder, da sagen alle wow, das ist einfach mega schön. Uns hat noch nie jemand gesagt „die blaue Plastikfinne finde ich aber schöner.“ Allerdings herrscht auch oft ein bisschen Skepsis, weil die Leute dem Material Holz nicht vertrauen. Unsere Finnen sind aber genauso stabil, wie die aus Plastik. Alle Leute, die sie gesurft haben, sind super happy.

Wie geht es weiter?

Ben: Wichtig ist für uns jetzt, bei den Surfspots in die Läden zu kommen. Finnen werden einfach vor Ort verkauft: Man surft, eine Finne bricht ab und man braucht eine neue. Da müssen wir einfach in den Läden sein.


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