11/03/2019

Urban Pop Up Food - Food Pop ups in München

Daniela Weinhold und Nastasia Broda

Hör auf, zu zweifeln! Du wirst sehen, es wird funktionieren!“

Ein eigenes Café – das war der Traum von Daniela und Nastasia. Aber in München? Viel zu teuer! Deswegen haben sie sich was einfallen lassen. Die beiden nutzen einfach die Flächen von Bars und Cafés außerhalb der Öffnungszeiten. Dafür verwandeln sie die bestehende Location in ihre eigene und setzen dort ihre Food-Ideen um. Nachhaltig, ressourcenschonend und gut für den Geldbeutel.

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PULS: Was ist denn „Urban Pop Up Food“ genau?

Daniela Weinhold: Urban Pop Up Food ist unsere Dachmarke, unter der zwei Konzepte laufen: das Bananaleaf und das Knolle und Kohl. Wir nutzen immer Räumlichkeiten, die zu dem Zeitpunkt, wo wir unser Pop-up machen, eigentlich geschlossen haben. Wir wollen auf ineffiziente Raumnutzung aufmerksam machen. Sprich, ganz viele Läden haben beschränkte Öffnungszeiten, zum Beispiel Cafés haben morgens bis nachmittags offen und sind abends geschlossen Und Bars haben nur abends auf. Mit unseren Pop Ups wollen wir zeigen, dass man kreativ sein und diese Räume in unterschiedlichen Konstellationen nutzen kann.

Nastasia Broda: Daraus ist unsere Marke eigentlich auch entstanden. Wir haben überlegt, wie können wir das umsetzen, was wir machen wollen. Ich habe gemerkt, ich müsste unfassbar viel Geld in die Hand nehmen, Pachtverträge unterschreiben, einen Kredit aufnehmen. Wenn wir aber das nutzen, was da ist, minimiert das ja die finanziellen Hürden.

Daniela, du hast das Konzept Bananaleaf entwickelt, wo du asiatisch inspiriertes Frühstück servierst. Das hast du anfangs noch alleine umgesetzt. Wie bist du auf die Idee gekommen?

Daniela: Die Idee zu Bananaleaf ist auf Bali entstanden. Ich wollte eigentlich mein Portfolio fertigmachen und mich anschließend als Design-Researcher bewerben. Dann hab ich aber gemerkt, nein ich sehe mich da jetzt nicht! Ich habe mich gefragt: Was mache ich denn aktuell gerne? Die Antwort war: Ich liebe es, Frühstück vorzubereiten und zu essen. Ich bin dann auf die Idee gekommen: Wieso gehe ich nicht in eine Bar, die erst abends aufmacht und nutze die Räumlichkeiten tagsüber. Das hab ich meinen Freunden erzählt. Plötzlich hat mein Telefon geklingelt. Ein Gastronom aus München meinte, jemand hat ihm mein Konzept von Bananaleaf geschickt und er findet es mega cool. Wir haben uns getroffen und beschlossen: Wir machen das! Einen Monat später haben wir geöffnet, dann war das Bananaleaf plötzlich real.

Und wie bist du dazugekommen, Nasti?

Nastasia: Ich bin eigentlich Landschafts-, Umwelt- und Städteplanerin, war aber schon in der Gastro, während ich studiert habe. Bei der Arbeit im Büro habe ich gemerkt, ich muss unter Menschen und möchte wieder zurück in die Gastronomie. Ich habe das einer Freundin erzählt und die meinte: Du, ich kenne eine Freundin, die hat gerade was aufgemacht, ein Frühstückscafé. Ich habe angerufen und war dann irgendwie jedes Wochenende da. Über den Sommer haben wir angefangen, an anderen Orten Pop Ups zu machen und letztendlich beschlossen, dass wir das jetzt zusammen so weitermachen.

Daniela: Ja und ich bin so glücklich drüber! Es ist einfach so schön, Verantwortung und die ganzen glücklichen Momente zu teilen!

Momentan gastiert ihr mit dem Konzept „Knolle und Kohl“ im Café „Josefa“ in München. Wie seid ihr zu der Location gekommen und wie funktioniert das Sharing?

Daniela: Das Witzige ist, dass wir bisher noch nie jemanden gefragt haben, sondern sich immer alles ergeben hat. So war das auch hier mit dem Josefa. Ich habe unserem Getränkelieferanten von unserer nächsten Idee erzählt und er meinte: Ich kenne da einen Laden, das würde voll gut passen und hat uns den Kontakt gegeben. Alejandro, der Besitzer, ist jetzt voll an Board und findet die Parallelnutzung ein spannendes Konzept.

Nastasia: Wir versuchen so viel wie möglich zusammen zu nutzen, um nicht alles doppelt zu haben. Auch Geräte wie Kaffeemaschine, den Mixer, die Schüsseln. Zum Teil haben wir unser eigenes Geschirr, weil das auch unser Merkmal ist. So was wie Toilettenpapier stellt das Josefa. Da haben wir eine Umsatzpauschale, die die Betriebskosten abdeckt. Dadurch sparen wir auch Lieferwege. Das ist ein Win-Win für alle.

Was genau steckt hinter „Knolle und Kohl“?

Daniela: Unser zweites Konzept soll darauf aufmerksam machen, was wir hier in Bayern für Obst und Gemüse haben. Leider – und da zähle ich mich selbst dazu – wissen wir gar nicht mehr, was wann wächst und wie wir das Gemüse verwenden können. Es ist auch für uns eine Challenge gewesen, wirklich nur regional und saisonal einzukaufen. Deswegen ist der Fokus jetzt unser hiesiges Gemüse in Tapas- oder Pintxos-Manier umzusetzen.

Nastasia: Wir wollten zeigen, dass auch die Möhre und die Kartoffel oder eine Pastinake total gut schmecken und schön angerichtet sein kann. Wir brauchen nicht diese Superfoods von woanders, die gibt’s auch hier. Wir wollen ein Bewusstsein schaffen, sich auch an alte Haltbarkeitsmethoden, wie das Fermentieren, heranzutrauen.

Was hat euch bis jetzt am besten auf eurer Macher-Reise gefallen?

Daniela: Das erste, was mir in den Kopf kommt, ist Gert. Gert ist unser Stammgast von erster Stunde an. Er kam am Opening und ist seitdem jeden Donnerstag da. Und das ist einfach voll der Knaller. Jedes Mal wenn er kommt, bin ich voll glücklich und ich erwarte ihn auch immer. Tatsächlich war er letzte Woche nicht da und wir haben uns Sorgen gemacht. Wenn ich an Knolle und Kohl denke, dann erinnere ich mich gleichzeitig immer an Gert, wie er das erste Mal durch die Tür kam. Sein erster Satz war: „Jetzt bin ich im Paradies gelandet!“ Und das ist so schön!

Gab es auch Hürden?

Daniela: Hürden begegnen uns quasi im wöchentlichen Takt. Herausforderungen, an die wir vorher gar nicht gedacht haben. Letzte Woche zum Beispiel, haben wir die Spülmaschine zerstört, weil die in jeder Küche unterschiedlich ist. Im Josefa ist ganz viel auf Alejandros Arbeitsweise abgestimmt. Wir haben unsere eigene Herangehensweise und dann vieles nicht verstanden: Zum Beispiel, wieso steht das hier? Die Hürden sind, dass man sich anpasst. Da kommen wir uns immer näher, wir verstehen uns gegenseitig immer besser.

Was habt ihr noch alles geplant?

Daniela: Für Knolle und Kohl haben wir momentan noch keine konkreten Pläne, aber das ist auch in Ordnung. Wir müssen jetzt erstmal Luft holen und mit einer gewissen Distanz darauf gucken, um zu überlegen, wie es damit weitergeht. Ich glaube, dass Knolle und Kohl auf jeden Fall wiederauftauchen wird.

Nastasia: Unser langfristiges Ziel ist unsere Plattform „Shared Square“, das steht ganz oben. Das soll eine Art AirBnB für Gastronomen werden, bei dem sie Flächen für Parallelnutzungen anbieten und suchen können.  Wir wollen im Sommer vielleicht noch im Ausland ein Pop Up machen. Aber noch viel weiter denken wir grade gar nicht.

Was ratet ihr anderen GründerInnen?

Nastasia: Einfach machen! Dani und ich kommen immer wieder zu dem Schluss, dass der erste Schritt der wichtigste ist. Wir haben nicht alles durchgeplant und wissen nicht, was uns erwartet. Wir wissen auch oft nicht, ob das gerade richtig ist. Aber wir machen es einfach. Man kann sich auch tot planen. Letztlich kommt es sowieso anders und meist sogar noch schöner, weil man dann oftmals intuitiv reagieren muss und das kann man nicht planen.

Daniela: Es ist genauso wie Nasti gesagt hat, sobald du anfängst, die Dinge zu tun, auf die du Bock hast, werden sich viele Türen öffnen. Es werden dir plötzlich viele Menschen beiseite stehen und dir helfen. Hör auf, zu zweifeln! Vielleicht musst du etwas anpassen, aber du wirst sehen, es wird funktionieren!

Nastasia: Und vor allem, es gibt kein Scheitern! Es gibt nichts, was schief läuft, sondern es läuft halt dann anders. Das muss man sich bewusstmachen.

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