04/10/2015

Theresa und Moritz Kößler (20)
TurnKunst
Turngerätemöbel aus Regensburg

„Wenn man schaut, wie die Sachen gehandelt werden, kann man schon sagen, dass es einen kleinen Hype gibt“

Geräteturnen ruft bei vielen Leuten schlimme Erinnerungen an die Schulzeit hervor. Trotzdem sehen die alten Turngeräte aus heutiger Sicht einfach stylisch aus. Die Geschwister Theresa und Moritz Kößler aus Regensburg recyclen deshalb alte Turngeräte zu hochwertigen Möbelstücken.

TurnKunst-Team

icon_interviewPULS: Moritz, warum macht ihr eure Möbel ausgerechnet aus Turngeräten?

Moritz Kößler: Meine Schwester ist Turnerin, seit sie klein ist, mein Vater Sportdozent an der Uni Regensburg und begeisterter Hobbyschreiner. Wir haben deswegen schon immer in unserem Hobbykeller ein wenig rumgebastelt und dann auch mal von einem Turnbock die Beine abgesägt. So ist das langsam entstanden.

Wie seid ihr dann darauf gekommen, aus der Hobbybastelei ein Unternehmen zu machen?

Kurz nach dem Abi haben wir uns einfach gedacht, wir TurnKunst_6probieren es mal, melden eine Firma an und schauen, ob das läuft. 2013 haben wir dann zum ersten mal auf einer kleinen Messe in Regensburg ausgestellt. Später dann auch in Köln, zusammen mit dem Sportgerätehersteller – der wollte mit Hinblick auf Nachhaltigkeit und Upcycling seinen Kunden zeigen, dass ihre alten Geräte weiter verwendet werden können. Da haben wir dann gleich den ersten Auftrag bekommen.

Ihr seid beide Studenten – Wie habt ihr überhaupt gelernt, solche Möbel zu bauen?

Wir haben bis vor einem Jahr mit einem Schreinermeister zusammen gearbeitet, mit dem ich auch ein bisschen auf dem Bau gearbeitet habe. Zudem ist mein Vater passionierter Hobbybastler, der zu Hause auch schon immer Betten und Schränke selbst gebaut hat. Ich will nicht sagen, dass wir Schreinern wirklich gelernt haben, aber wir waren halt immer dabei. Da kriegt man schon einiges mit.

Wo bekommt ihr die Turngeräte her?

Alte Turngeräte sind natürlich nur in Turnhallen zu finden. Es gibt einen TÜV, der diese Geräte untersucht. Wenn die für den Sportunterricht nicht mehr verwendet werden dürfen, TurnKunst_17dann bekommen sie einen Aufkleber drauf und müssen entsorgt werden. Unsere Idee war, dass wir den Schulen oder Ämtern anbieten, dass wir die alten Geräte kostenlos abholen. Normalerweise stehen die kaputten Geräte ja erstmal eine Ewigkeit in der Turnhalle rum, weil die Entsorgung etwas kostet. Und das ist sehr Schade, weil das ja hochwertige Rohstoffe sind. Das Leder ist immer noch top, das Holz ist oft 40 Jahre abgelagert – das findet man sonst selten. Außerdem arbeiten wir mit einem Hersteller zusammen. Der packt alte Geräte gleich ein, wenn er auf Montage fährt.

Gibt es da so eine Art Jagd nach diesen alten Sportmöbeln? Die sieht man ja auch sehr oft in Antiquitätenläden?

Wenn man schaut, wie die Sachen bei eBay gehandelt werden, kann man schon sagen, dass es da so einen kleinen Hype gibt. Da gehen alte Kästen zum Beispiel für sechs bis siebenhundert Euro weg. Ohne Aufbereitung. Oft verschwinden Geräte auch einfach aus der Turnhalle, weil ein Lehrer die mit nach Hause nimmt. Obwohl das ja nicht seine Sportgeräte sind.

TurnKunst_4Bestehen die Möbel wirklich ausschließlich aus Turngeräten oder wird da auch geschummelt?

Also beim Baumarkt kaufen wir nichts, aber geschummelt wird in dem Sinn, dass wir ausbessern. Wenn das Leder irgendwo eingerissen ist, kitten wir das wieder zusammen, wenn das Holz gesprungen ist, setzen wir wieder was ein. Sonst wird alles wirklich aus alten Turnbänken und ähnlichen gebaut. Weil erstens hat das Holz eine schöne Maserung und Farbe, zweitens wollen wir ja auch wirklich recyclen und nichts wegschmeißen.

Was war das schwierigste Möbelstück, das ihr bisher gebaut habt?

Wir haben einmal eine L-Theke für ein Sportgeschäft gebaut, wo wir zwei Kästen im rechten Winkel zusammen bauen mussten und innen noch mit Fächern bestücken. Dazu musste das Leder oben durchgängig verlaufen. Das ist nicht ganz einfach, weil die Kästen ja ganz anders gebaut sind.

Meinst du die Sache mit den Turngeräten könnte nicht auch irgendwann mal langweilig werden und seinen Reiz verlieren?

Ich glaube nicht, weil wir alle Teile immer individuell fertigen und keine Massenproduktion haben. Ein Kunde kommt zum Beispiel und sagt, er hätte gerne einen Hocker, der 40 Zentimeter hoch ist und der nächste kommt und sagt, er hätte gerne noch drei Füße dran und das Leder ein bisschen dunkler. Wir fertigen eigentlich nur Unikate, jedes Turngerät schaut anders aus, jedes hat eine andere Geschichte. Das wird nicht langweilig.

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