09/02/2016

Alexa Voigtlaender und Ulla Niedermeier
Ton Steine Späne
Handwerkskunst aus Regensburg

„Es ist immer wieder toll zu sehen, was man mit den eigenen Händen machen kann“

In ihrer gemeinsamen Werkstatt in Regensburg machen Alexa Voigtlaender und Ulla Niedermeier mit zwei Kollegen Schönes und Nützliches aus Keramik, Glas, Stein und Holz. Im Interview erzählen sie, dass sie in ihren Handwerksstücken immer auch ihre Emotionen verarbeiten.

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icon_interviewPULS: Wie kam es dazu, dass ihr zusammen ein Laden aufgemacht habt?

Ulla: Wir haben uns im Kuss Künstlerhaus kennen gelernt. Das ist ein ganz nettes, kleines Häuschen in Regensburg, wo immer wieder Werkstätten zu vermieten sind. Ich hatte im Erdgeschoss meine Werkstatt und oben drüber war eine Keramikerin, wo die Alexa ihre Lehre gemacht hat. Später kam sie dann an einen ganz tollen Laden hier im Weißgerbergraben, und hat noch jemanden gesucht, der den Laden mit ihr schmeißt. Und da hat sie mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, mit einzuziehen. Für mich war das eine tolle Gelegenheit, nicht nur eine Werkstatt, sondern Werkstatt und Laden in einem zu haben.

Wie sieht bei euch die Arbeitsteilung aus?

Ton Steine SpäneUlla: Wir haben beide quasi ganz getrennt unsere Gewerke. Also, ich arbeite ja mit Glas und Alexa mit Keramik. Von daher kommen wir uns nie groß in die Quere. Öfter mal arbeiten wir auch zusammen, sodass dann Werkstücke entstehen, die sowohl Glas als auch Keramik enthalten.

Ihr habt euren Laden seit knapp vier Jahren. Was sind die größten Herausforderungen für euch als Selbständige?

Ulla: Es ist manchmal ein bisschen schwierig, dass wir nicht direkt im Stadtkern sitzen. Da kommt nicht ganz so viel Laufkundschaft vorbei und man wird von den Leuten nicht so wahrgenommen. Wir hatten schon öfter mal Leute im Laden, die meinten: Was, es gibt euch schon seit vier Jahren? Und da haben wir gemerkt, dass wir einfach noch mehr an die Öffentlichkeit gehen und uns präsentieren müssen.

Alexa:  Ich finde, die größte Herausforderung liegt darin, alles unter einen Hut zu bekommen. Ulla und ich machen alles selber. Wir haben den Laden selbst saniert, wir putzen selber, wir kaufen selber unsere Waren ein, wir bilden uns weiter, wir produzieren und dann müssen wir das Ganze natürlich auch noch an den Mann und an die Frau bringen. Am allerschwierigsten für uns ist aber die Werbung, glaube ich. Das ist ja eine ganz eigene Berufssparte, es gibt ja nicht umsonst Werbefachleute. Und wir machen das alles selber, weil wir jetzt nicht so viel verdienen, dass wir dieses Gebiet outsourcen können.

Was sind eure Strategien, um bekannter zu werden?

Ulla: Es gibt zurzeit eine ganz tolle Initiative in Regensburg, Ton Steine Spänedas Deggingerhaus. Das soll ein Knotenpunkt für Kreative werden, der im Frühjahr eröffnet. Und da haben sich jetzt verschiedene Gruppen gebildet – für Musiker, Künstler und eben auch uns Kunsthandwerker. Dadurch, dass wir jetzt in einer Gruppe zusammen sind, können wir uns ganz anders präsentieren und an die Stadt herantreten. Mehrere Leute gemeinsam haben eben gleich viel mehr Power.

Ihr bietet ja auch Kurse an. Was wird da so vermittelt?

Ulla: Ich möchte den Teilnehmer ein Gefühl fürs Material vermitteln und zeigen, was alles möglich ist in Sachen Glasbearbeitung. Und am Schluss ist das Ziel, dass alle Teilnehmer ihr eigenes Werkstück anfertigen. Das können sie dann nach dem Brand abholen, stolz damit nach Hause marschieren und sich sagen: Ich weiß, wie das hergestellt ist.

Alexa: Wenn ich Kurse anbiete, dann möchte ich am Anfang möglichst viel und breit gefächert erzählen und werde schon fast zur Quasselstrippe. Dann fange ich ganz klassisch mit der Daumenschale an, der Urform jeden Gefäßes – dass die Frau, der Mann, das Kind den Ton erst mal in die Hand bekommt und spürt, was man damit machen kann. Dann geht’s weiter ans Ausrollen, ans Angarnieren, ans Hintergrundwissen. Und dann ist es bei mir so wie bei der Ulla: Nach ein paar Wochen, wenn die Sachen getrocknet und gebrannt sind, können die Teilnehmer ihre eigenen Schalen mit nach Hause nehmen.

Wenn ihr selbst Handwerksstücke anfertigt, was fließt da mit ein?

Ton Steine SpäneAlexa: Ja, das Handwerk ist etwas total Stimmungsabhängiges. Manchmal läuft alles perfekt, an anderen Tagen kommen nur krumme, schiefe, aber trotzdem charmante Teile raus. Und ab und zu denk ich mir, heute mach ich lieber mal Werkstattputz. Es steckt auf jeden Fall immer unsere ganze Leidenschaft und Kreativität in den Stücken drin. Wenn wir Kleinstserien herstellen, dann ist kein Teil wie das andere. Und wir verkaufen nix wo wir sagen: hmm, wird schon irgendjemand kaufen, Geld bringt’s allemal. Wir hoffen immer, dass jedes Teil ein tolles Zuhause findet.

Ihr betreibt euer Kunsthandwerk und euren Laden beide hauptberuflich, was sicherlich anstrengend ist. Denkt ihr manchmal daran, alles hinzuschmeißen?

Ulla: Bei mir taucht der Gedanke dann und wann auf, das muss ich zugeben. Aber das ist dann immer ganz schnell vergessen, wenn man vor einem Werkstück steht, das in der Realität wirklich die Form angenommen hat, die man sich vorher vorgestellt hat. Finanziell ist es in diesem Bereich nicht so ganz einfach, aber Kunsthandwerk ist schon eine Berufung.

Alexa: Es gibt Momente, wo du dir denkst: warum hast du nix Ton Steine SpäneGescheites gelernt, Moidl. Das passiert zum Beispiel dann, wenn du ein absolutes Traumstück gemacht hast, das dir aber erst mal niemand aus den Händen reißt. Damit muss man umgehen lernen. Aber es ist dann auch wieder toll zu sehen, was man mit den eigenen Händen macht – auch in Zusammenarbeit mit anderen Handwerkern und Künstlern. Wenn das Anklang findet und gekauft wird, dann hat sich alles gelohnt. Manchmal hast du dann das schönste Leben überhaupt.

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