04/10/2015

Werner Zapf (28), Ibrahim Sönmez (26), Berli Berlinski (31), Josef Englmeier (26)
Tett.Group
Kneipenspiel aus Regensburg

„Mei, dann darfst‘ halt einmal nicht auf die Mama hören!“

Mit ihrem Regensburger Kneipen-Quartett „Night.Tett“ haben vier Studenten aus Regensburg vor einigen Jahren ein kleines Kult-Kartenspiel entworfen. Inzwischen haben die vier Jungs ein Kreativbüro gegründet. Dort nutzen sie ihre Kontakte in die Regensburger Szene für Partys, Konzerte, Kultur-Events und Promotion.

Foto tettgroup

icon_interviewPULS: Jetzt erklär mir nochmal kurz, wie funktioniert das Night.Tett überhaupt?

Werner Zapf: Also das Night.Tett besteht aus 36 Karten. Auf jeder Karte wird eine Bar vorgestellt. Darauf stehen die Öffnungszeiten und man kann sehen ob‘s Freiplätze gibt, Fußball, was zu essen. Was man über die Bar eben wissen muss. Und anstelle von Hubraum oder PS beim Auto-Quartett haben wir natürlich Bar-passende Kategorien genommen, damit man sich untereinander messen kann: Weizenpreis, Sitzplätze, Anzahl der Cocktails, das Gründungsjahr und die Entfernung zum Regensburger Dom, damit man den Ort ein bissel einordnen kann. Hier an der Uni wird’s einem teilweise richtig aus der Hand gerissen.

Birgt das Spiel selbst denn auch Geheimtipps?

Werner: Ja, schon! Es soll ein breites Spektrum abdecken: nicht nur die absoluten Szenebars, auch die undergroundige Nighttett - Watt TurnierGothicbar, wenn sie cool und authentisch ist. Jeder soll etwas Neues für sich entdecken können. Mit dem Spiel bekommt man ja auch Freigetränke: Man geht rein, gibt die Karte ab und bekommt ein Bier gratis. Dann wird die Karte abgehakt und man kriegt die Karte wieder zurück, damit das Spiel komplett bleibt. Denn man soll ja noch damit spielen können. Nicht nur Quartett, sondern auch Watten oder Schafkopf. Wir haben die Symbole der bayerischen Spielkarten mit drauf und auch die Farben daran angelehnt. Ein Wattenturnier haben wir auch schon organisiert.

Wie seid ihr überhaupt auf die Idee zu dem Spiel gekommen?

Werner: Während des Studiums haben wir mit dem Night.Tett den 5-Euro-Business-Wettbewerb gewonnen, das ist wie eine Art Seminar zur Firmengründung – aber ohne Budget. Aus der Gründerwerkstatt von der Uni sind Ibrahim und ich dann relativ schnell in unser eigenes Büro gezogen. Da kamen dann der Sepp und der Berli mit dazu. Berli hat im Vorfeld schon ein paar Fotos geschossen von dem Spiel und der Sepp hat die Homepage gemacht.

Könnt ihr denn vom Night.Tett leben?

Josef Englmeier: Nein. Aber das Networking dabei ist ganz wichtig. Wir sind mit fast allen Gastronomen in der Stadt in Kontakt und das ist super. Das Night.Tett ist eine super Grundlage, um bei größeren Firmen einen Fuß in die Tür zu bekommen. Man könnte sagen, es ist so ein bisschen die Grundlage dafür, dass unser Kreativbüro funktioniert.

Ihr habt euch ja direkt nach der Uni selbstständig gemacht – Habt ihr nie darüber nachgedacht erst mal in ein Unternehmen zu gehen?

Werner: Der Josef hätte bei adidas anfangen können. Das kann man sich schon mal überlegen. Immerhin ist das ja doch eine Firma, die jetzt nicht so schlecht dasteht und einen vermeintlich sicheren Arbeitsplatz bietet.

Josef: Da hätte sich meine Mama auch sehr gefreut drüber, wenn ich das gemacht hätte.

Aber?

Josef: Aber ich hab mir gedacht: Irgendwie willst du dich selbstständig machen. Mein Papa hat das auch gemacht und irgendwie liegt‘s dann doch im Blut, glaube ich. Mei, dann Nighttett Pub Crawldarfst‘ halt einmal nicht auf die Mama hören, sondern musst halt sagen: Vertraust‘ mir mal und dann sehen wir in ein paar Jahren weiter, wie gut’s mir dann geht oder wie schlecht. Ich glaube einfach, dass in Deutschland und vielleicht auch gerade in Bayern das Denken vorherrscht, dass es für den Sohn oder die Tochter am besten ist, wenn sie einen Schulabschluss macht und dann an die Uni oder eine FH geht, um später bei einer möglichst großen Firma einen festen Job zu kriegen. Ich glaube, dass das nicht unbedingt immer das Beste ist für alle.

Welchen Rat würdet ihr Leuten geben, die gerade vor so einer Entscheidung stehen?

Werner: Wenn man schon eine Idee hat: Am besten während des Studiums anfangen. Danach wird man von vielen Seiten dazu gedrängt, sich bei größeren Unternehmen zu bewerben. Dabei hat man im Studium mehr Zeit, als man oft denkt. Und bei Gründerwerkstätten kann man Unterstützung finden, sich beraten lassen. Schauen, ob die Idee gut ist und wie man am besten einen Businessplan daraus macht und welche weiteren Schritte man gehen muss. Man muss natürlich Abstriche machen, was das Finanzielle angeht, gerade in der Anfangsphase. Aber es ist einfach spannend und bietet so viele Freiheiten, dass man eben das auch gerne in Kauf nimmt.

Sorry, zur entsprechenden Suchanfrage konnte leider kein Ergebnis gefunden werden.