04/10/2015

Marinus Schuster (25), Klaus Zenker (39) und Simon Berger (24)
Templeton Outerwear
Snowboardklamotten aus dem Allgäu

„Auf allen Bildern vom Snowpark war unsere Klamotte zu sehen. Das fand ich geil“

Marinus, Klaus und Simon aus Füssen führen seit 2013 das Outdoorlabel "Templeton Outerwear". Sie bringen Streetwear auf die Piste – das kommt sogar in China an.

templeton outerwear

PULS: Burton, Nitro, Billabong – es gibt viele beliebte Snowboardbekleidungsmarken. Was hat Euch motiviert eine eigene zu gründen?

Marinus Schuster: Meine Kollegen und ich hatten ein persönliches Problem mit dem Angebot an Snowboardbekleidung, die vor zwei, drei Jahren erhältlich war. Wir sind tief in der Allgäuer Snowboardszene verankert und haben gesehen, dass es keine Funktionsbekleidung gibt, die der Alltagsbekleidung ähnlich ist. Stattdessen sah man überall das gleiche Plastikzeug: Jacke und Hose in zwei Farben. Das hat mich auf die Idee gebracht, etwas Eigenes zu kreieren. Unsere Kleidung schaut nun aus wie Alltagskleidung: Wir verwenden viel Jeansstoff und Leinen – doch die Stoffe haben  eine innere Beschichtung, so dass sie wasserdicht sind und atmungsaktiv. Unser Maskottchen – ein ungewöhnlicher Hüttenwirt aus Jungholz, Punkbandsänger  und ehemaliger Ski-Stuntspringer – trägt unsere Hose zum Beispiel die ganze Saison über.

Was fasziniert Dich an Snowboardbekleidung?

Gas Station Jacke - Templeton OuterwearIch bin geborener Allgäuer und in der Szene aufgewachsen. In meinem Freundeskreis dreht sich alles ums Snowboarden. Der Hausberg ist fast vor meiner Tür. Wir haben aber damals auch schon immer versucht, unser Team mit einer Marke zu verbinden, etwa mit einem Logo. Mein Interesse für Snowboard-Markenbildung ging also in der Kindheit schon los und während des Studiums habe ich Praktika bei etablierten Marken gemacht. Prinzipiell kommen die Ideen aus unseren Köpfen. Die Szene, die wir ansprechen, ist ziemlich individuell – so wollen wir auch sein. Bei der Kollektionsentwicklung arbeiten wir gerne auch mit Künstlern und Graphikdesignern zusammen.


Wo kann man im Bekleidungsbusiness richtig auf die Fresse fallen?

Wir sind auf die Fresse gefallen, als wir zum ersten Mal aus Asien Ware bezogen haben. Wir hatten konkrete Deadlines und Preise ausgemacht, aber das hat alles nicht geklappt. Füssen Hanfwerke Hinterhof Templeton PosseDie finanziellen Auswirkungen haben sich Gott sei Dank in Grenzen gehalten. Als Startup muss man ständig mit Kompromissen arbeiten. Es ist schwierig, einen Produzenten zu finden, weil wir vergleichsweise kleine Mengen beziehen. Es hat lange gedauert, bis wir einen Hersteller in Pakistan gefunden haben, der mit guter Qualität produziert. Und wir haben einen weiteren Hersteller für die Alltagsbekleidung in Portugal. Als kleine Marke muss man sich immer hinten anstellen.

Wie überprüft ihr die Bedingungen in Pakistan?

Ich habe die die Produktionsstätte persönlich besucht, um dort alle Beteiligten kennenzulernen. Das ist uns wichtig und war Teil der Absprache, als wir einen neuen Hersteller angeheuert haben. Der Hersteller kann einem ja viel erzählen, aber das ersetzt nicht, sich persönlich ein Bild zu machen. Da ist auch ein Teil der Gesamtproduktion hergestellt und ich kann die Ware begutachten. Wir bestellen mehrere zehntausend Teile für die Wintersaison: Das sind T-Shirts, Snowboardjacken, Hosen, Accessoires und mehr.

Wow, das ist ganz schön viel. Wie viel hattet ihr im letzten Jahr?

Im letzten Jahr hatten wir nur 10.000. Das war unsere erste Kollektion. Darauf hatten wir keine Vorbestellungen und deshalb auch nicht einen so großen Umfang. Der Verkauf war aber ziemlich gut. Unsere Händler waren überzeugt, bei vielen gelten wir nun als etablierte Marke.

Habt ihr Bammel, dass ihr Euch dieses Jahr übernehmt?

Marinus A. J. SchusterNein. Die Menge, die wir dieses Jahr produzieren, wurde ja über Messen bereits vorbestellt. Das haben wir auf Papier. Ich habe eher Bammel, dass die Ware nicht rechtzeitig ausgeliefert wird. Ich stehe täglich unter Strom und Spannung, bis es so weit ist. Letztes Jahr war es der kleine, dieses Jahr ist es der große Probelauf.

Ihr verkauft eure Sachen auf der ganzen Welt von China über Norwegen bis in die USA – hast du betriebswirtschaftliche Kenntnisse?

Ich habe bis zum 5. Semester Wirtschaftswissenschaften studiert. Dann wollte ich gründen. Ich wollte verkaufen, und habe mir daher viele Dinge fix selbst angeeignet – dazu gehören natürlich Möglichkeiten des Vertriebs. Das Unternehmen ist nach zwei Jahren bereits so zeitaufwändig, dass keine Zeit fürs Studium übrig bleibt. Es wäre aber auch nicht schlecht, einen Studienabschluss in der Tasche zu haben – irgendwann später. Momentan ist keine Zeit dafür da.

Und was war das bisher schönste Erlebnis mit Templeton?

Der Hauptsponsor des Snowparks am Hausberg in Nesselwang hat uns per Email gerügt, weil auf sämtlichem Bildmaterial vom Marketing des Snowparks nur unsere Klamotte zu sehen war. Das hat mich innerlich bestätigt auf dem richtigen Weg zu sein, auch ohne dickes Marketingbudget. Die lokale Szene steht hinter uns und trägt gern unsere Kleidung.

Sorry, zur entsprechenden Suchanfrage konnte leider kein Ergebnis gefunden werden.