19/04/2018

Fabian Frei (29), Wolfgang Schimpfle (28)
Suslet
Outlet für nachhaltige Mode

„Wir wollen eine Einstiegsdroge sein.“

Die nachhaltige Szene in Augsburg wächst und wächst – daran haben auch die Freunde Fabian und Wolfgang ihren Anteil. In den letzten Jahren haben sie ein nachhaltiges Modelabel aufgezogen, betreiben eine Textilagentur und haben jetzt auch noch das Suslet, zusammengesetzt aus sustainble und Outlet eröffnet: Das erste nachhaltige Modeoutlet weltweit, wie sie sagen.

icon_interviewPULS: Ihr sagt, Suslet sei das erste nachhaltige Outlet. Outlets gibt es viele, Nachhaltigkeit boomt – dennoch gab es bisher keine Outlets in diesem Bereich. Woran liegt das?

Fabian Frei: Der Nachhaltigkeitsgedanke kam über die Ernährung in den Textilbereich rein. Im Kopf der Menschen ist das schon voll da, aber das Konsumverhalten ist noch nicht auf diesem Level. Viele Modelabel aus dem nachhaltigen Bereich sind daher auch noch nicht so professionalisiert, wie man vielleicht denken würde. Manche total, andere eher weniger. Die alle unter einen Hut zu bekommen, ist gar nicht so einfach.

Wolfgang Schimpfle: Wir haben ja auch schon ein eigenes Modelabel: Degree Clothing. Das hat uns total geholfen, weil wir dadurch voll in der Szene drin sind und auch die Perspektive der Labels kennen. Mit Degree waren wir in Berlin auf der Fashion Week. Da konnten wir dann gleich vor Ort alles mit den anderen Brands fürs Outlet regeln.

Eröffnet euch das Outlet eine größere Zielgruppe?

Fabian: Auf jeden Fall. Der Preis von nachhaltiger Mode ist oft eine mentale Hürde. Aber dann lesen die Leute: nachhaltiges Outlet und denken: okay, dass muss dann echt unter dem Preis sein. Wir bauen diese Preishürde quasi ab. Suslet soll wie eine Art Einstiegsdroge für die nachhaltige Modewelt funktionieren.

Wie wichtig ist euch das Handwerk?

Fabian: Sehr wichtig. Wir machen alles erst selber und vielleicht geben wir es dann ab. Jeden Schritt in unseren Firmen haben wir auch selber gelernt. Nähen zum Beispiel, damals für unser Label. Auch jetzt für den neuen Laden: Innerhalb von zwei Monaten haben wir das Konzept entwickelt, die CI entwickelt. Von der Grafik über die Website über das Optimieren über unsere Warenwirtschaftsstruktur – das wird alles intern gelöst mit unseren vier festen Mitarbeitern.

Eure erste Firma habt ihr direkt nach dem Studium gegründet. Was ist der Vorteil, schon so jung zu gründen?

Fabian: Es ist wie bei Kindern auch: Du traust dich mehr. Wir sind mit höherer Risikobereitschaft und auch ungeschliffener an die Sache rangegangen. Umgebung und Arbeitsleben prägen einen sehr. Wir hatten das nicht, weil wir gerade aus der Uni raus sind, voller Euphorie, und die Welt verändern wollten. Diese Energie konnten wir mitnehmen.

Wolfgang: Wir hatten einfach nicht diese festen Strukturen, sondern haben sie uns selber schaffen müssen. Wir haben gemacht, was wir für richtig halten. Wenn etwas nicht funktioniert, probieren wir etwas neues. Das ist ein ständiger Prozess.

Warum Augsburg?

Fabian: Weil es uns hier gefällt, weil es hier schön ist. Vor allem auch wegen der Menschen. Unsere Familien und Freunde sind hier. Das ist das Wichtigste.

Wolfgang: In unseren Produkten steckt auch ganz viel Augsburg. In unseren nachhaltigen Haargummis zum Beispiel, die wir mit Degree machen. Der Stoff wird im Textilmuseum produziert und in den Schäfflerbach-Werkstätten dann zu einem fertigen Produkt weiterverarbeitet. Das ist eine Einrichtung für Menschen mit Hilfebedarf.

Augsburg ist eine eher kompakte Stadt. Ist das ein Vor- oder ein Nachteil, verglichen mit einer Metropole?

Wolfgang: Augsburg wächst wahnsinnig und hat viel Potential. Gerade im nachhaltigen Umweltbereich ist sie ganz oben mit dabei.

Fabian: Was noch eher hinderlich ist – also nicht bei Augsburg, sondern einfach einer Stadt dieser Größe – ist normalerweise die fehlende Struktur. Wir haben jetzt den Pop-Up-Store, das ist einer der ersten. Aber die Stadt Augsburg ist da stark am Aufholen und auch im Konsens. Wenn man ein Unternehmen hat, dessen Produkt oder dessen Dienstleistung die Leute wirklich brauchen, dann ist eine kompakte Stadt mit gut gelegten Strukturen fast besser als eine anonyme Großstadt.

Zum Schluss noch die klassische Bewerbungsgesprächsfrage: Wo seht ihr euch in 20 Jahren?

Fabian: Das Ziel ist, Degree zu mit einem der größten Green Label auszubauen. Es soll quasi als Vorbild dienen. Mit der Textilagentur produzieren wir aus Ökotextil für Firmen, Künstler und Festivals. Das wächst auch gut von selbst. Hans Söllner ist zum Beispiel einer unserer Partner. Und Suslet sehen wir ganz klar als Filialsystem. Wenn das in Augsburg weiterhin so gut ankommt, werden wir auch deutschlandweit schauen, wo wir nächste Städte setzen. Das ist in unseren Augen auch ein Marktöffner für die Branche.


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