04/10/2015

Hubertus Becker (39)
Superpaper
Kulturelles Stadtmagazin aus München

„Es ist ein monatlicher Kampf“

Wer gründet heutzutage noch eine Zeitung? Hubertus Becker – früher DJ und Veranstalter, heute Verleger und Chefredakteur. 2009 gründete er das kostenlose Superpaper in München. Das Stadtmagazin berichtet über Kunst, Musik, Party, Mode oder Theater und erscheint monatlich mit einer Auflage von 15.000 Stück.

Matthias Lilienthal liest Super Paper - Foto - Wolf Gaertner
Matthias Lilienthal liest Super Paper; Foto: Wolf Gaertner

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PULS: Alle setzen auf digital. Du hast eine Zeitung gegründet. Hast du jemals an deiner Idee gezweifelt?

Hubertus Becker: Nein, nie. Wir machen ein Produkt mit Relevanz und haben mit der ersten Ausgabe schwarze Zahlen geschrieben. Bis auf eine Modeausgabe im März 2015 – die war relativ aufwendig. Da haben wir acht Modestrecken gebracht, alle selbst organisiert. Man muss Vertrauen haben. Am Anfang wurden wir beäugt, nach dem Motto: Schauen wir mal, wie lange ihr durchhaltet. Dass wir jetzt schon über 70 Ausgaben haben, ist natürlich großartig.

Du warst DJ und Veranstalter. Jetzt bist du Chefredakteur und Verleger – ohne Ausbildung. Wie kam es zu dem Wechsel?

Super Paper x Loomit x FyFY

Als ich 2004 mit drei Freunden im Schlepptau aus London nach München zurückgezogen bin, gab es in London das „Don’t panic“, eine Tüte voller Event-Flyer, die in Clubs, Bars und Kulturräumen verteilt wurde. Wir haben das gleiche Produkt in München gestartet, namens „Die Wundertüte“. Ich fand es allerdings nach einiger Zeit einseitig, nur Werbung zu verteilen. Dann hatten wir die Idee, die Flyer in ein Pocket-Magazin mit redaktionellen Beiträgen zu packen. So entstand das Supermagazin, ein A5 großes Pocket-Magazin, das ich zwei Jahre lang gemacht habe, und anschließend zum Superpaper weiterentwickelt habe.

Wieso machst du die Zeitung fast allein?

Es ist kein Geld da, um Leute anzustellen. Daher bin ich da so die eierlegende Wollmilchsau: Verleger, Chefredakteur, Herausgeber. Aber ich habe natürlich meine Partner: Mirko Hektor ist mit in der Chefredaktion. Meine Frau Noemi ist Chefin vom Dienst, und Mirko Borsche und seine Agentur kümmern sich um den visuellen Auftritt der Zeitung.

Das Wort „Super“ hört man zur Zeit sehr oft. Hast du den Namen jemals bereut?

Super Paper Fensterbeklebung Registratur Bar Mu¦êllerstrasse 1Nein, ich fühl mich wohl damit – auch wenn das Wort inzwischen abgedroschen ist. Es gibt Superjuice, Super Raves, Superpartys, es gibt sogar Brillen, die Super heißen. Da kommen bei Google wahnsinnig viele Hits. Aber das Superpaper war einer der Ersten. Als ich das Magazin gegründet habe, saßen wir rum und haben überlegt, wie es heißen soll. Mein Sohn Caspar sagte in dem Moment per Zufall: „Super“. Er war damals vier Jahre alt. Da war das für mich klar: Genau der Name muss es sein.

Was ist die größte Schwierigkeit, wenn man eine Zeitung aufbaut?

Anzeigen generieren. Superpaper finanziert sich rein über Anzeigen. Es ist nahezu ein monatlicher Kampf. Wir haben weder einen Sponsor noch Fördergelder. Der Anzeigenmarkt und die Budgets, die in Print reinlaufen, werden wegen des Internets immer kleiner. Das ist die Schlüsselaufgabe des Superpapers. Wir haben glücklicherweise städtische Institutionen, mit denen wir fest zusammenarbeiten: Die Kammerspiele, das Lenbachhaus, zusätzlich haben wir eine Medienpartnerschaft mit dem Haus der Kunst. Nach knapp sechs Jahren können wir auf einen festen Kundenkreis zählen.

Bekommst du auf deine Printzeitung auch noch ganz klassisch Leserbriefe?

Nein, aber unglaublich viele Emails aus der ganzen Welt. Denn es gibt eine relativ große Abo-Leserschaft, etwa 300 bis 400 Leute lassen sich das Superpaper zuschicken: nach Berlin, Australien, Amerika, Japan und in andere Länder.

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