09/05/2016

Julio Brinkmann (29)
Sueco
DIY Lederhandtaschen aus München

„Viele haben Angst davor, eine Tasche aus Leder zu nähen, obwohl es eigentlich sehr simpel ist

Weil sich die Freundin eines Freundes eine Handtasche gewünscht hat, beschließt Julio Brinkmann, sich das Nähen beizubringen. Kurze Zeit später gründet er dann seine eigene Handtaschenmanufaktur. Das Besondere daran: Man kann sich mit DIY-Sets seine eigene Handtasche nähen.

Porträt_Julio_BrinkmannNEU

icon_interviewPULS: Warum sollte sich jemand seine Tasche selber nähen?

Julio Brinkmann: Das ist eigentlich eine ganz schöne Geschichte. Mein Freund Gabriel, einer der Mitgründer von Sueco, wollte seiner Freundin zum Geburtstag etwas Besonderes schenken. Da sie sich eine Tasche gewünscht hat, kam er eben auf die Idee, ihr selbst eine zu nähen. Das war dann allerdings doch gar nicht so einfach, wie anfangs gedacht, weshalb er fast sechs Wochen Arbeit hineingesteckt hatte. Seine Freundin hat sich aber am Ende wahnsinnig gefreut.

Und dadurch kamt ihr auf die Idee, eine Handtaschenmanufaktur zu eröffnen?

Das Geschenk von Gabriel war dann quasi der Auslöser für die DIY_AnleitungGeschäftsidee, weil wir gemerkt haben, wie cool es ist, etwas zu verschenken, das handgemacht ist. Das Schöne beim Nähen von Lederhandtaschen ist, dass es da im Bereich „Do It Yourself“ eigentlich noch nichts gibt. Vor allem in den USA ist der Stricktrend gerade sehr angesagt, aber für Lederprodukte gibt es aktuell noch keine Angebote. Wir haben damals gemerkt, dass viele Angst davor haben, eine Tasche aus Leder zu nähen, obwohl es eigentlich sehr simpel ist: Löcher ins Leder stechen, Garn durchfädeln und einen Knoten machen – Das ist die Sattlernaht. Das ist so viel einfacher, als frei Hand zu nähen.

Wie ging es dann weiter?

Am Anfang haben wir wirklich viel ausprobiert und massig Zeit investiert. Mit unseren ersten Versuchen sind wir dann in die Fußgängerzone gegangen und haben die Taschen in erster Linie Frauen gezeigt und sie gefragt, ob sie sich die Taschen kaufen würden. Da kam dann meist einstimmig zurück, dass ihnen die Taschen so gar nicht gefallen. Entweder waren die Henkel zu kurz oder zu lang oder es war einfach komisch zusammengenäht. Nachdem wir dann viel Zeit mit Üben verbracht haben, kam uns eben die Idee der DIY-Sets. Wir wollten die Hemmschwelle herausnehmen, so dass der Kunde eben alle Einzelteile beisammen hat und er die nur noch zusammennähen muss.

Was war für euch bisher die größte Hürde?

Das war die Zeit letztes Jahr um Weihnachten rum. Wir hatten zu dem Zeitpunkt noch keine Finanzierung und haben unfassbar viel Geld für Werbung ausgegeben und gemerkt, dass eigentlich überhaupt nichts läuft. Sprich: was wir im DIY_HandtascheShop an Umsatz gemacht haben im Verhältnis zu dem, was wir ausgegeben haben, war wirklich niederschmetternd. Dann kam noch hinzu, dass meine Mitgründer gesagt haben, dass sie andere Wege einschlagen und Sueco nicht weiter unterstützen wollen. Das war erst einmal eine schwierige Situation für mich, weil ich nicht wusste, wie es weiter gehen wird. Da ja das Weihnachtsgeschäft vor der Tür stand und wir aber noch nicht genug Werbung für unsere Website gemacht hatten und total blank waren, kam eigentlich in letzter Minute noch eine Kooperation mit einer Bloggerin zustande, die ziemlich viele Kontakte hat. Sie hat dann so einen genialen Artikel geschrieben, dass wir 88 Taschensets-Bestellungen bekommen haben. Das Problem war dann aber, dass wir weder genug Geld noch genug Leder zur Verfügung hatten. Glücklicherweise haben wir dann noch einen Kredit bekommen und konnten für 5000 Euro Leder bestellen. Die Lieferung kam dann sechs Wochen vor der Deadline, so dass wir noch genug Zeit hatten, alles rechtzeitig zu verschicken.

Euer Leder kommt aus Baden-Württemberg. Gibt’s das woanders nicht billiger?

Am Anfang habe ich erst einmal nach einem Leder gesucht, das auch für den Laser geeignet ist, mit dem wir Gravuren auf die Produkte brennen. Das Leder muss also so dick sein, dass ich daraus Taschen herstellen kann. Außerdem muss ich es für kleine Produkte und Accessoires verwenden können, Geldbeutel_und_Etuiweil ich sonst zu viel Verschnitt wegschmeißen müsste. Ich brauche also ein Leder, das immer die gleiche Dicke aufweist und das bekommen ich nur, wenn ich immer das gleiche Produkt habe. In München gibt es Großhändler, bei denen man nie genau weiß, woher das Leder kommt. Irgendwann sind wir dann auf den Familienbetrieb der Gerberei Schmid gestoßen und waren von Anfang an voll zufrieden. Zwar ist das Leder doppelt so teuer, aber die Chemie hat da einfach sofort gestimmt. Wir wissen einfach genau, wo es herkommt und dass das Leder nur ein Nebenprodukt der Fleischindustrie ist.

Ledertaschen sind ja generell nicht billig – wer sind eure Kunden?

Im Augenblick liegt unser Fokus auf den DIY Sets und die sprechen in erster Linie Frauen an, die sich eine individuelle Handtaschen nähen wollen und eine größere Affinität zu dem Thema haben. Natürlich ist es so, dass du für ein Handtaschen-Set um die 190 Euro erst einmal ein geregeltes Einkommen brauchst, womit die Zielgruppe eher ältere Frauen anspricht. Kleinere Produkte, die dann auch nicht ganz so teuer sind, sprechen aber auch junge Frauen so ab 20 Jahren an. Das ist aber auch so ein Thema, das wir gerne weiterausbauen möchten. Männliche Kunden, die ihrer Freundin gerne etwas Persönliches schenken wollen, haben wir auch. Was ich halt auch cool finde, da die Männer eben nicht nur Geld, sondern auch Zeit investieren. Manche Kunden kommen auch eher aus der Modewelt, also eben Männer, die sich ausdrücken wollen und individuell sein wollen. Die sagen dann „Hey, ich mache mir meinen Geldbeutel selbst.“ Das taugt mir. Es ist einfach spannend, wie sich das Ganze entwickelt.

Wieso hast du dich für München entschieden? Haben dich andere Städte nie gereizt?

Ich bin jetzt schon seit zwölf Jahren in München, bin in Bayern geboren und habe davor schon im Umland gelebt. Ich bin ein Familienmensch und habe eigentlich nie vorgehabt, Sueco_Setswegzuziehen. Wir haben das mit den Taschen neben dem Studium angefangen und dann ging das alles einfach immer weiter. Für mich ist halt klar, dass ich hier bleibe. Andere Städte sind natürlich auch interessant und viele Leute sagen, dass wir mit unserer Idee viel besser nach Berlin passen würden – Aber ich finde, dass München in der Szene auch wahnsinnig interessant ist. In der Branche passiert einfach viel und das Tolle für mich ist, dass ich in München einen sehr kaufkräftigen Markt habe, den ich in anderen Städten so vielleicht gar nicht hätte. Auf der anderen Seite sind wir natürlich sehr Standort unabhängig, weil wir eben ein Online-Shop sind.

Was hat dir bis jetzt auf deiner Macher-Reise am besten gefallen?

Da habe ich ein schönes Erlebnis vom Anfang unserer Reise: Als die erste Bestellung kam, haben wir uns an den Händen gefasst und sind als erwachsene Jungs im Dreieck gesprungen, weil wir dachten, es sei eine Testbestellung, die wir zuerst auch wieder löschen wollten. Dann hat sich aber herausgestellt, dass es direkt eine echte Bestellung war. Da waren wir wirklich mega happy. Für mich ist es mittlerweile so, dass es meist viele kleine Sachen sind, die einem im Gedächtnis bleiben. Kunden, die mir dann begeistert schreiben, dass sie noch nie so ein schönes Produkt selbst machen konnten. Diese ehrliche Begeisterung bereitet mir eigentlich am meisten Freude.

Hast du ein Lieblingsstück?

Geldbeutel_und_EtuiDas ist auf jeden Fall der Geldbeutel, weil ich da am meisten das Design gestaltet habe. Den habe ich jetzt auch schon länger und immer wenn ich den länger in der Hand habe, freue ich mich darüber, wie er Patina kriegt und schön in der Hand liegt. Aber eigentlich mag ich alle sehr gerne.

Wie geht’s weiter?

Also für mich gibt es im Moment drei Säulen: Einmal unsere DIY Sets, dann die fertigen Produkte, bei denen wir noch viel mehr machen wollen, und als drittes die Zusammenarbeit mit Firmen. Für die Zukunft sind im Bereich der fertigen Produkte eben Armbänder und Schlüsselanhänger geplant, aber auch viele weitere kleine Accessoires. Für größere Aufträge eben Serviettenringe mit Gravur für Hochzeiten als Gastgeschenke oder Untersetzer, die die Gäste dann mit nach Hause nehmen können. Wir wollen den Fokus generell mehr auf die Individualisierung und die Gravur legen. Jetzt wo alles steht, möchte ich dieses Jahr wirklich einfach mal Umsatz machen und mich und meinen Laden vorstellen.

Sorry, zur entsprechenden Suchanfrage konnte leider kein Ergebnis gefunden werden.