04/10/2015

Max Dhom und Dominikus Brückner
Stegga
Skistöcke aus Bambus

„Wir haben unsere Skistöcke an jemanden verkauft, der Skiballett macht – das sah sehr lustig aus“

Sie sind immer wieder gebrochen, die Skistöcke – bis Max Dhom und Dominikus Brückner die alten Bambus-Skistöcke seines Opas wiederentdeckt haben. Aus Bambus haben sie nun Skistöcke entwickelt, die den aktuellen Sicherheitsstandards entsprechen.

Stegga_Fertigung

icon_interview

PULS: Skistöcke aus Bambus schauen schick aus, aber halten die auch?

Max Dhom: Ja, wir haben es erprobt. Nicki fährt ziemlich extrem Ski, jedes Jahr waren seine Stöcke kaputt. Einmal hat er die alten Bambusstöcke seines Großvaters genutzt. Die haben wesentlich mehr ausgehalten als die modernen Aluminium- und Kohlefaserstöcke. Also haben wir uns überlegt, wie wir Bambusstöcke auf den aktuellen Stand bringen können. Nicki ist Holzbauingenieur, ich bin Maschinenbauingenieur. Gemeinsam haben wir ein Verfahren überlegt, wie Bambusstöcke die heutigen Normen für Skistöcke erfüllen können.

Was sind die Normen?

Heutzutage bekommen Skistöcke nur eine Marktzulassung, wenn sie sicherstellen, dass sie den Fahrer nicht gefährden. PR_44_Skiausruestung_Stegga_800.jpg.3151482Zum einen dürfen sie bei Stürzen nicht splittern, weil das die Augen bei einem Sturz gefährden könnte. Wenn ein Stock abknickt, muss er in einem Stück bleiben. Bei einem Aluminiumskistock ist das leicht umzusetzen. Beim Naturwerkstoff Bambus ist es schwieriger, da mussten wir uns was einfallen lassen.

Und wie habt ihr das Problem gelöst?

Wir bohren jeden Stock auf und füllen ihn mit einer Schaummischung und einem Drahtgewebe. Zusätzlich hat der Stecker eine kleine Sollbruchstelle im oberen Drittel, sodass er immer an der gleichen Stelle bricht.

Im Gegensatz zu Aluminium ist Bambus ja ein nachwachsender Rohstoff – dafür muss man ihn aber importieren, oder?

Genau. Unser Importeur stellt sicher, dass der Bambus ein Stegga_Backflipökologisch unbehandelter Bambus ist. Langfristig haben wir aber eine andere Idee. Nicki wohnt auf einem Bauernhof. Wir planen, Bambus im Gewächshaus anzubauen. Bambus wächst extrem schnell, täglich 10 cm. Da könnten wir uns Vorrichtungen bauen, um den Bambus zu stützen, damit er gerade wächst und so dick wird, wie wir ihn brauchen. Da werden wir sicher einige Zeit verwenden müssen, um die Parameter richtig einzustellen.

Wie entsteht ein Stegga?

Wir bekommen eine Mail mit der Größe. Nicki legt los, er ist der handwerklich Begabtere und hat bei sich zu Hause eine Werkstatt. Das Rohr wird auf die richtige Länge zugeschnitten, aufgebohrt, eine Sollbruchstelle erzeugt, zuletzt werden oben die Griffe und unten die Teller drangeklebt. Jeder Stegga bekommt eine Seriennummer. Dann wird er verpackt und kann abgeholt oder versendet werden. Das Ganze dauert etwa drei Stunden. Seit 2013 gibt’s unsere Stegga und wir haben bisher rund 300 Paare verkauft.


300 Stück sind noch nicht so viel…

Stegga_SteggamobilFür uns ist Stegga eine Herzensangelegenheit und nicht die Firma, auf der wir das Leben aufbauen. Damit behält das Projekt für uns eine Unbeschwertheit. Wir haben beide noch normale Jobs. Ich arbeite als Maschinenbauingenieur für ein anderes Startup, das Roboter baut und Nicki als Holzbauingenieur. Wir wollen allerdings in der nächsten Saison mehr Präsenz bei Ski-Events zeigen, etwa mit unserem Steggamobil, von dessen Ladefläche aus möchten wir die Stegga verkaufen.

Was macht Euch stolz?

Wir haben unsere Erfindung deutschlandweit patentieren lassen. Wir haben den Antrag ohne Anwalt geschrieben und er wurde akzeptiert. Stolz sind wir auch darauf, bei den ISPO Brandnew Awards 2013 den 2. Platz belegt zu haben – besonders, weil wir ohne fertiges Konzept und mit wenigen Mitteln angetreten sind. Und wir haben ein Paar Stegga an jemanden verkauft, der Skiballett macht. Er hat uns ein Video davon geschickt: Das sah sehr lustig aus.

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