28/10/2015

Hendrik Boeing (35)
Souve
Hochwertige Taschen aus München

„Ich fand’s immer gut, dass man eine Tasche hat, die vielleicht der Opa auch schon so hatte.“

Ganz ehrlich: Mit einer Tasche von „Herschel“ fällt man heute nicht mehr sonderlich auf. Für dasselbe Geld bekommt man aber auch eine Tasche von Hendrik Boeing. Seit 2011 stellt er mit seinem Label „Souve“ Leder- und Canvas-Taschen mit schlichtem Design und hoher Qualität her.

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icon_interviewPULS: Wie bist du auf die Idee gekommen, ein Taschenlabel zu gründen?

Hendrik Boeing: Ich hatte immer eine hohe Affinität für Modedesign und Taschen. Ich bin aber kein gelernter Designer. Dass man das Handwerk beherrscht wäre schon sinnvoll, wenn man klassische Oberbekleidung oder andere Sachen macht. Aber im Taschenbereich geht das relativ einfach und man kann designen, was einem selber gefällt. Da hat man die Größen- und Schnittproblematik auch nicht, drum lag das irgendwie nahe, dass ich Taschen mache. Da hab ich auch eine Nische gesehen und fand es spannend, eine Marke aufzubauen, die dann tatsächlich auch als deutsche Marke aufgeladen ist, mit Sitz in München.

Wie schnell hat sich die Firma entwickelt?

3Ich habe die Firma im Frühling 2011 gegründet und mir dann überlegt, in welche Richtung das gehen kann. Das hat sich dann auch von den Produkten her tatsächlich entwickelt. 2013 haben wir da einen kleinen Switch gemacht: Wir haben zwar immer schon Taschen gemacht, die waren aber nie so konsequent und die Kollektionen nie so umfangreich, wie sie heute sind.

Was war die größte Hürde beim Aufbau der Firma?

Na ja, wenn man ein kapitalintensives Geschäft plant, ohne Kapital zu haben, dann ist das natürlich schwierig. Dass ein junges Unternehmen erst mal ein Unternehmen wird und dann von einem kleinen zu einem mittelgroßen wird, ist schneller gesagt als getan und unheimlich schwierig. Man bekommt auch überhaupt keinen Support von Banken, wenn man keine Sicherheiten vorweisen kann. Deshalb habe ich das Ganze irgendwie von Kalenderwoche zu Kalenderwoche finanziert – auch mit ein paar Nebengeschäften. Zum Beispiel haben wir für andere Marken produziert und tun das auch immer noch. Aber irgendwoher muss das Geld eben kommen. Mittlerweile läuft aber alles wunderbar, wir haben feste Mitarbeiter eingestellt und das Geschäft entwickelt sich. Es gibt immer mehr Einzelhändler, die unsere Taschen  verkaufen und immer mehr Presseberichte, in denen unsere Produkte besprochen werden. Aber wenn ich uns mit anderen Unternehmen vergleiche, haben wir uns noch längst nicht eingependelt.

Was ist das Besondere an Souve?

Ehrlich gesagt wollen wir gar nicht so besonders sein. Ich 09_duffle_large_green_frontfand’s immer gut, dass man eine Tasche hat, die vielleicht der Opa auch schon so hatte, die sich mit der Zeit und mit dem Reisen verändert. Die Farbkombinationen sind vielleicht modischer, als man das sonst so kannte. Das Produkt an sich ist aber relativ klassisch.

Wer ist euer typischer Kunde?

Wir sind da eigentlich relativ breit aufgestellt. Da haben wir den Schüler, der sagt, ich will jetzt einen cooleren Rucksack haben, den nicht jeder aus der Schule trägt – aber auch den Geschäftsmann, der eine unkomplizierte Sporttasche sucht bis hin zur Mutter, die eine Reisetasche für ihren Mann braucht. Wir wollen einfach ein ehrliches Produkt machen, zu einem nachvollziehbaren Preis, an dem die Leute langfristig Spaß haben. Deswegen sind die Designs jetzt auch nicht so „poppy“, sondern relativ klassisch.

Wo werden eure Taschen produziert?

Die Ledertaschen lassen wir in Neapel produzieren, in einer Ledermanufaktur. Die machen das seit 1902 und die Firma ist nach wie vor in Familienhand. Die Canvas-Taschen werden in Pakistan gemacht, das ist auch ein kleines Familienunternehmen. Ich bin auch selbst regelmäßig in den Produktionsstätten und schau mir das an.

Und wo verkauft ihr die Taschen?

5Wir haben ein paar Läden in Frankreich, in Toulouse, in Paris, in Cognac, in Berlin, in Mannheim und in München. Jetzt bauen wir das langsam aus. Das sind alles Kunden, die auf uns zugekommen sind und unsere Sachen verkaufen wollten. Am Ende geht’s auch gar nicht so sehr um die Quantität, sondern um die Qualität in den Stores. Dass die Marke einfach ein fester Bestandteil in deren Kollektionsmix wird.

Hast du ein Lieblingsstück?

Mein Lieblingsprodukt ist der Rucksack. Wir haben so einen Laptoprucksack, den man auch seitlich als Tasche tragen kann. Der ist sehr minimalistisch und gerade verkaufen wir den eigentlich auch am besten.

Hast du Tipps für angehende Label-Macher?

Ja, die Tipps habe ich auch bekommen von einem mittlerweile sehr erfolgreichen Textiler, der damals in einer ähnlichen Situation war wie ich heute. Erstens: nicht unterfinanziert starten. Man sollte sich immer überlegen, wie man die Kosten deckt, die entstehen. Und die sind am Ende immer höher, als kalkuliert wurde. Zweitens: beim Label-Aufbau unbedingt auf ein oder maximal zwei Produkte konzentrieren, für die die Marke steht. Sobald man wegen dem Produkt erkannt und gekauft wird, kann man andere Sachen machen.

Sorry, zur entsprechenden Suchanfrage konnte leider kein Ergebnis gefunden werden.