12/05/2016

Katrin Waldenmaier (33)
Simply Iced Tea
Natürlicher Tee aus München

“Als die Produktion losging, habe ich vor Aufregung eine Woche nicht geschlafen”

Auf einer Weltreise hatte Katrin Waldenmaier auf Märkten immer wieder selbstgemachte Eistees probiert, die ohne künstliche Zusätze auskommen. Zurück in Deutschland stand für sie fest: so ein Produkt fehlt hier. Jetzt vertreibt sie von München aus ihren frisch aufgebrühten Tee mit Direktsaft und einem Schuss süßen Agavendicksaft.

Simply Iced Tea

PULS: Wie bist Du auf die Idee gekommen, einen naturbelassenen Eistee herzustellen?

Katrin Waldenmaier: Da ich mich immer schon sehr für die Lebensmittelbranche interessiert habe, lag der Gedanke nicht fern, mich mit einem Konsumgut selbstständig zu machen. Ich fand die Idee eines eigenen Getränkes wahnsinnig spannend und habe es mir schon immer total cool vorgestellt, später Getränke in Bars oder Läden zu sehen, die mein Etikett tragen. Irgendwann hab Ich eine Weltreise gemacht und mir Märkte in verschiedenen Ländern angeschaut. Ich war in Mexiko, China, Südafrika, Israel und zum Schluss für einen Monat in New York, das war mein Highlight. Da habe ich versucht rauszufinden, was Trend ist und wie die Produkte gestaltet sind, auf die die Leute abfahren. Die Menschen interessieren sich mehr und mehr dafür, welche Inhaltsstoffe ein Produkt enthält, wo es herkommt und ob es biozertifiziert ist. Auf meiner Reise habe ich die besten Eistees der Welt probiert, die eben auch in Bio-Qualität hergestellt werden. Da ist weder Zucker drin noch irgendwelche künstlichen Zusätze. In Deutschland habe ich mich dann daran gesetzt, die Idee auf Papier zu bringen und sie mit Experten aus der Branche zu besprechen. Mir war es wichtig, dass das Produktdesign sehr simpel gehalten wird und nicht von dem Produkt ablenken sollte. Deshalb habe ich mich auch für den Namen simply iced tea entschieden. Das trifft es einfach auf den Punkt.

Welche Geschmacksrichtungen gibt es?

Wir haben pro Sorte drei Inhaltsstoffe: eine Sorte an Tee, die frisch aufgebrüht ist, einen Direktsaft und einen Schuss Agavendicksaft. Die drei shs-2804Sorten sind ganz klassisch Schwarztee mit Zitrone, sowie die etwas ausgefalleneren Kombinationen weißer Tee mit Johannisbeere und Grüntee mit Bitterorange. Schwarztee mit Zitrone ist ein absoluter Klassiker, der schmeckt so wie sich das jeder auch zu Hause selbst machen würde. Der weiße Tee mit Johannisbeere beinhaltet die heimische schwarze Johannisbeere aus der Region am Ammersee, um ein bisschen Regionalität in die Produktlinie reinzubringen. Und der Grüntee mit Bitterorange ist eine speziellere Sorte, den Geschmack gibt es so auch derzeit noch gar nicht auf dem Markt. Wir verwenden dafür echten Direktsaft von der Bergamotte-Orange. Insgesamt sind unsere Tees ganz wenig gesüßt und enthalten keine künstlichen Süßungsmittel, wie man es beispielsweise von Lightprodukten kennt – also eher eine herbe Variante eines Eistees. Das ist auch so ein bisschen unser Markenzeichen.

Wo kommen Deine Zutaten her?

Der Schwarztee und der Grüntee kommen beide aus Indien. Der weiße Tee ist ein so genannter „Wildtee“, der also nicht künstlich angebaut ist, der kommt aus Vietnam. Die kaufe ich beim Großhändler in Hamburg ein, der mir dann vorab auch Proben zugeschickt hat, mit denen ich experimentieren konnte. Kriterium Nummer eins ist eben die Bio-Zertifizierung und dass sie fairtrade sind. Das Fairtrade-Siegel habe ich bis jetzt noch nicht auf meinen Produkten, ist aber definitiv in Planung.

Wie hast Du die richtige Rezeptur gefunden?

Ich wollte von Anfang an drei Sorten anbieten: eben eine fruchtige, eine klassische und ein bisschen was experimentelles. Mein Herzenswunsch ist dabei immer gewesen, dass die Leute das trinken und sagen „Oh, geil. Das hat meine Oma früher schon so gemacht.“ Die Entwicklung habe ich zusammen mit einem Experten in verschiedenen Sessions gemacht, in denen wir unglaublich viel ausprobiert haben. Der hat dann im Nachhinein auch die Abfüllung betreut, das habe ich mir an der Stelle nicht zugetraut. Wir haben auch unterschiedliche Süßungsmittel getestet, unter anderem Zucker, Traubendicksaft und auch Stevia. Mir persönlich hat aber der Agavendicksaft am besten gefallen und so ist er dann auch in meinem Produkt gelandet.

Was ist das Besondere an simply iced tea?

Er ist nicht süß, sondern wirklich herb. Der Tee wird recht lange gebrüht, umshs- die Bitterstoffe auch hervorzuheben. Vom Agavendicksaft gebe ich wirklich nur eine minimale Menge hinzu, so dass der Eistee nicht übertrieben süß wird, sondern seine herbe Note beibehält. Ansonsten würde ich sagen, dass das Produkt einfach ziemlich clean ist. Der Produktionsablauf beinhaltet nicht unendlich viele Schritte, sondern jede Sorte enthält drei Zutaten, die den Eistee sehr natürlich halten. Das ist für mich das Besondere. Ich möchte ein ehrliches Produkt verkaufen.

Was hat Dir auf Deiner Macher-Reise bisher am besten gefallen?

In der Gründungsphase, als die ganze Produktion losging, habe ich gefühlt eine Woche nicht geschlafen vor Aufregung. Das war so dermaßen spannend für mich zu sehen, wie die Produktion und die Abfüllung dann letztendlich abläuft. Letztendlich ist die Gründung eine wahnsinnige Erfahrung insgesamt. Ich habe in meinem Leben noch nie so extreme Berg- und Talfahrten durchgemacht wie jetzt. An einem Tag fühlte ich mich „wie Gott in Frankreich“ und am nächsten nur noch niedergeschmettert. Das ist alles schon sehr emotional, aber die Leidenschaft für mein Produkt ist letztendlich das, was mir auch sehr viel Befriedigung gibt im Vergleich zu meinem vorherigen Angestellten-Verhältnissen. Klar, das stresst mich auch, wenn ich merke, dass es nicht so gut gelaufen ist, aber gleichzeitig gibt es auch genauso viele gute Phasen. Mich persönlich trifft es, wenn die Leute sagen, ihnen schmeckt mein Produkt nicht, da muss ich noch ein bisschen cooler werden. Aber das gehört ja dazu.

Was war für Dich bis jetzt die größte Hürde?

Die größte Hürde ist für mich eigentlich, sich in bestimmten Momenten shs-2754wieder aufzuraffen, die Motivation zu finden und weiterzumachen. Gerade wenn einem etwas nicht so Schönes passiert oder man eine schlechtere Phase hatte. Das ist manchmal echt schwierig. Ich glaube aber auch, dass das der Dreh-und Angelpunkt der Gründungsphase ist. Insofern, versuche ich das dann immer wieder in einen nicht so emotionalen Kontext zu bringen und zu sagen: okay, so ist es und jetzt musst du weiter. Sonst verliert man sich schnell wieder in einer Niederlage, wenn man zum Beispiel hofft, irgendwie in eine bestimmte Lokation zu kommen und dann wird einem am Schluss abgesagt. Sich da nicht unterkriegen zu lassen, das ist für mich eine Hürde. Konkret auf das Produkt bezogen, sind die Vertriebswege und die physische Distribution eine echte Herausforderung.

Wie geht’s weiter?

Nachdem wir 2015 leider erst sehr spät auf den Markt gekommen sind, steht 2016 unter dem Motto „Markteintritt und Verbreitung“. Da werden wir im Sommer zum Beispiel auf dem Tollwood-Festival in München sein, weiterhin sind wir aber vor allem an den kleinen süßen Cafés interessiert. Da sind wir gerade an vielen verschiedenen Ecken mit dabei. Zudem kommuniziere ich auch weiterhin mit anderen Getränke-Startups und bespreche, wie man sich gegenseitig unterstützen kann. Wir merken glaube ich alle in der Startup-Szene, dass der Einzelhandel an solchen Produkten interessiert ist – trotzdem haben wir immer mit den Preisen zu kämpfen, die die großen Unternehmen anbieten können – wir aber auf Grund der Menge eben nicht. Für mich ist jetzt wichtig, dass ich in der Branche vollständig ankomme, Know-How und Connections aufzubauen und letztendlich meinen Eistee gut zu vertreiben.

Sorry, zur entsprechenden Suchanfrage konnte leider kein Ergebnis gefunden werden.