04/10/2015

Obaid Rahimi und Marc Langener
shoemates
Soziale Schuhe aus Passau

„Uns war auf jeden Fall wichtig,  dass wir wieder was zurückzugeben“

Schon während ihres BWL-Studiums haben Obaid und Marc 2012 ihr erstes Unternehmen in Passau gegründet. Damals ließen sie Wollmützen von den Omis aus der Nachbarschaft stricken und nannten das Ganze headmates. Ihr neues Projekt heißt shoemates: Slipons mit bayerischer Brezel-Bestickung. Der Clou: Für jedes verkaufte Paar wird in Afghanistan ein weiteres produziert, und an ein bedürftiges Kind verschenkt.

obi_und_marc

icon_interviewPULS: Wie werden denn zwei BWL-Studenten zu Mützen- und Schuhdesignern?

Obaid Rahimi: Mit den headmates haben wir 2012 angefangen. Das war ein Studentenprojekt, und die Aufgabe war, ein Unternehmen mit drei Kriterien aufzuziehen: es musste sozial, nachhaltig, und profitabel sein. Man sollte Gruppen in der Gesellschaft unterstützen, die benachteiligt sind – alte Menschen, behinderte Menschen zum Beispiel. Wir haben also Omis aus unserer Umgebung gefragt, ob sie für uns Mützen stricken wollen. Verpackt wurden sie von einer Behindertenwerkstatt, und wir haben sie dann verkauft. Das lief super und läuft auch immer noch, aber das Problem war: Wir konnten nicht wirklich wachsen. Also haben wir uns nach einem neuen Projekt umgeschaut, und sind dann auf die Schuhe gekommen. Uns war auf jeden Fall wichtig,  dass wir mit dem unternehmerischen Handeln wieder was zurückzugeben. Wir wollen nicht einfach nur Geld verdienen, sondern einen unternehmerischen Mehrwert schaffen.

Und warum genau Schuhe?

_DSC7052Wir wollten ein Produkt, das wir auch in großen Mengen produzieren können, und dann ist uns beim Brainstormen eine Studie der UNO in die Hände gefallen. Die haben Flüchtlinge befragt, was sie sich am meisten wünschen, und das waren eben Schuhe. Schuhe spendet nämlich fast niemand, Männer tragen die bis sie kaputt sind, und Frauen haben oft eine emotionale Bindung und wollen sie nicht hergeben.

Für jedes Paar Schuhe ein zweites produzieren – Das ist ja ein spannendes Konzept. Ihr hättet ja auch einfach Geld spenden können.

Durchs Geld schenken verändert man halt langfristig nichts. Wir wollten einen Schritt weiter gehen und die Schuhe da spenden, wo wir sie auch produzieren lassen können. Und weil ich afghanische Wurzeln habe, da geboren bin, hatte ich da noch Kontakte. Mein Onkel war lange Leiter einer Menschenrechtsorganisation, und wir konnten sein Netzwerk nutzen, das war perfekt. Er hat uns den Hersteller vermittelt und kümmert sich auch mit NGOs um die Verteilung.

Hattet ihr auch Probleme auf eurem Weg? Einen Moment, der euch runtergezogen hat?

Diese Momente gibt es immer wieder. Zum Beispiel, als wir Headmates gerade als Marke eingetragen hatten. Da kam ein grauBrief von der Firma „Head“, die Skiklamotten und so herstellt, die gesagt haben: Ihr habt 30 Tage Zeit um eure Marke zu löschen und alle eure Produkte umzubranden. Da dachten wir schon, scheiße, was machen wir jetzt! Es war ja alles schon vorbereitet. Wir haben dann einfach bei „Head“ angerufen und mit der Marketingchefin telefoniert. Und als die erfahren hat, dass wir ein soziales Studentenprojekt sind, da hat sie gleich ihre Kanzlei angerufen und das geregelt.

Und wie geht es bei euch weiter? Bleibt das ein Nebenbei-Projekt?

Nein, wir wollen auf jeden Fall wachsen. Unseren Abschluss haben wir letztes Jahr schon gemacht, seitdem mache ich shoemates hauptberuflich, Marc hat noch einen anderen Job. ausschnitt3Auch die Logistik läuft mittlerweile richtig automatisiert. Unsere Zentrale haben wir inzwischen nach München verlegt, und im Versand arbeiten wir jetzt mit den Deggendorfer Werkstätten zusammen, eine noch größere Behindertenwerkstatt als in Passau. Teile der Produktion wollen wir bald von China nach Spanien verlegen. In den nächsten Monaten kommt eine neue Kollektion und auch ganz neue Produkte, da passiert auf jeden Fall noch einiges.

Sorry, zur entsprechenden Suchanfrage konnte leider kein Ergebnis gefunden werden.