04/10/2015

Rosa Hirn (29)
Rosa Hirn
Schmuck aus Ingolstadt

„Ich habe mich bei den Handwerkern – ob Schreiner oder Schlosser – immer richtig wohl gefühlt“

Rosa Hirn aus Ingolstadt ist mit ihren Schmuckkreationen gerade frisch in die Selbstständigkeit gestartet. Ihren Schmuck designt sie momentan noch daheim im Keller. Bei der Herstellung lässt sie sich gern intuitiv beeinflussen - von Themen, die sie beschäftigen, interessanten Materialien oder Formen aus der Natur.

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icon_interviewPULS:  Du kommst ja aus Mannheim. Was hat dich nach Bayern verschlagen?

Rosa Hirn: Ganz klassisch, die Liebe. Ich hätte nicht gedacht, dass ich meinem Freund nach Ingolstadt hinterherziehe, vor allem weil Ingolstadt nicht meine Wunschstadt war. Aber Ingolstadt hat mich überrascht. Ich fühle mich hier sehr wohl und bin mit anderen Kreativen gerade auf der Suche nach einem Atelier. Vor zwei Jahren habe ich mein Schmuckdesign-Studium in Pforzheim beendet. Ich habe dann ein paar Monate in Italien als Schmuckdesignerin gearbeitet und wegen eines Stipendiums am technischen Museum ein paar Monate in Berlin gelebt. Dann war mir langsam mal nach Ankommen.

Was hat dich zu deiner Leidenschaft für die Schmuckherstellung gebracht?

Schmuck & Fotos: Rosa Hirn; Material: Kupfer, guillochiert, Epoxidharz; 2014; Model: AnnaDas waren meine Eltern. Meine Mutter hatte mal einen Klamottenladen und dafür selbst genäht, mein Vater baut seine Möbel gerne selbst. Von den beiden habe ich auf jeden Fall etwas kreativ-handwerkliches mitbekommen. Nach der Schule wollte ich dann erst mal Richtung Bühnenbild gehen und war neun Monate am Theater. Dort hatte ich das Gefühl, dass Schauspiel, Regie und alles, was auf der Bühne stattfindet, kreativ und spannend ist. Trotzdem habe ich mich bei den Handwerkern – ob Schreiner oder Schlosser – immer richtig wohl gefühlt. Ich habe mir überlegt, was beide Säulen vereint und da ist Schmuck eine der wenigen Dinge. Dann habe ich erst mal eine Ausbildung in die Richtung gemacht und bin dabei geblieben.

Was inspiriert dich?

Der Auslöser ist meistens ein Thema, das mich beschäftigt. Parallel ist man manchmal auch zu bestimmten Materialien hingezogen. Schmuck & Fotos: Rosa Hirn; Material: Kupfer, guillochiert, Epoxidharz, 2014Oder man interessiert sich zum Beispiel gerade für Architektur und setzt dann bestimmte Stile davon im Schmuck um – zum Beispiel die Symmetrie, klare Formen oder Konstruktionen. In der aktuellen Kollektion habe ich Glaskügelchen verwendet. Generell arbeite ich sehr gerne
mit Metall und Holz, aber auch mit Salzteig, weil man den gut formen und kneten kann. Oft ist der Übergang zwischen tragbarem Schmuck und kunstvollen Stücken schwer. Das ist mir jetzt nach dem Studium besonders wichtig – dieser Übergang zwischen dem, was ich persönlich spannend und neuartig finde und dem, was die Menschen gerne tragen und in dem sich die Menschen bestätigt und ausgedrückt fühlen. Da sind Salzteigbrocken natürlich nicht immer so gefragt.

Welche Rolle spielt Schmuck in deinem eigenen Leben?

Eine sehr große Rolle. Aber das liegt daran, dass ich durch die
Selbstständigkeit keine klare Trennlinie zwischen beruflich und privat ziehen kann. Ich kenne von mir auch das Phänomen, das viele Designer kennen, und zwar dass sie sich selbst, was Schmuck oder Mode angeht, zurückziehen. Einige tragen beispielsweise nur noch schwarz. Ich trage nicht mehr besonders viel Schmuck, im Gegensatz zu früher, wo ich sehr gerne Schmuck für mich selbst gebastelt habe. Wenn ich Schmuck trage, dann sind das wirklich oft Sachen, zu denen ich eine emotionale Bindung habe. Zum Beispiel Ringe,  die sind oft vererbt, gefunden oder haben sonst irgendeine Geschichte.

Was ist der schönsten Momente bei deiner Arbeit?

Schmuck & Fotos: Rosa Hirn; Material: Kupfer, guillochiert, Epoxidharz; 2014; Model: AnnaDie Begeisterung von einer anfänglichen Idee. Also dieser Moment, wenn man denkt: Hey, das fände ich spannend, das könnte ich umsetzen. Dann ist man voller Elan und geht los, kauft Material, zeichnet zehn Blätter voll und setzt sich einfach hin und probiert es aus.

Wie geht’s in Zukunft weiter bei dir? 

Im Moment geht es darum, ein Atelier zu finden, gekoppelt mit einer kleinen Ladenfläche. Ansonsten will ich längerfristig eine neue Kollektion entwickeln und kleine Änderungen am Bestehenden anbringen. Ich habe da in Berlin während des Stipendiums etwas gesehen, was ich ganz spannend finde und gerne umsetzen würde. Das wären dann so ganz andere Sachen als die, die ich jetzt mache: klare Linien, große Teile aus Aluminium in einfachen Formen. Da schaue ich gerade, dass das alles zu einer Kollektion zusammenkommt.

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