04/10/2015

Clemens Hochreiter und Thomas Wagner
Reality Twist
Serious Games aus München

„Man muss rausgehen und an allen politischen Aktivitäten teilnehmen“

Clemens und Thomas kennen sich seit der Schulzeit und haben da schon ihre erste Games-Firma gestartet. Mit Reality Twist setzen sie ihren Fokus jetzt auf eine ganz spezielle Sparte: Serious Games.

team

icon_interviewPULS: Wann bist du auf die Idee gekommen, dich als Game-Designer selbstständig zu machen?

Clemens Hochreiter: Die Idee, selbst Spiele zu machen, war schon da, als ich zum ersten Mal ein Spiel gespielt habe. In der fünften Klasse habe ich dann Thomas kennen gelernt, der konnte damals schon recht gut programmieren. Von da an haben wir in unserer Freizeit Computerspiele gebaut und schon als Schüler versucht, kommerzielle Sachen zu machen. Tom hat dann damals schon ein Computerspiel entwickelt und auf den Markt gebracht und so konnten wir schon zu Schulzeiten die erste Firma gründen.

Bei Reality Twist habt ihr euch ja auf Serious Games spezialisiert und macht unter anderem politische Games. Warum habt ihr euch ausgerechnet auf diese Nische spezialisiert?

Sowohl aus Interesse, als auch aus pragmatischen Gründen. Reality Twist war ja im Prinzip unser dritter Anlauf und wir haben die Firma gegründet, um uns wirklich mal auf die Missio for lifeSpielentwicklung zu konzentrieren. Als wir 2008 gestartet sind war die Marktsituation schwierig, es gab einen großen Umbruch bei den Konsolen, PC-Games waren gerade am kriseln und Mobile Gaming war noch kein großes Thema. Uns war klar: Mit den Spielen, die wir machen wollen, ist es jetzt beinahe unmöglich da auf den Markt zu kommen. Wir haben uns dann Nischen angeschaut und gemerkt, dass Serious Games noch relativ unbesetzt waren. Gleichzeitig bin ich selber ja auch Dokumentarfilmer und fand die Kombination sehr spannend, dokumentarisch in einem Spiel zu erzählen.

Bei Filmen ist es ja wie bei Games: Wenn man da eine Firma gründet, braucht man Geld. Wie stellt man das am geschicktesten an?

2008 war es unmöglich irgendwoher Geld zu bekommen. Wir hatten das Glück, dass wir von unseren vorherigen Firmen noch Kapital hatten, sonst wäre es nicht möglich gewesen. Aber auch heute ist es kaum denkbar, für ein klassisches Videospiel Geld zu bekommen. Allerdings gibt es heute eine Förderung in Bayern. Die ist verglichen mit anderen Ländern zwar sehr gering, aber sie ist immerhin vorhanden. Und diese Förderung ermöglicht Firmen, die am Anfang stehen, tatsächlich relativ viel, da man sehr leicht Geld für einen Prototypen oder ein Konzept bekommt. Ich sehe aktuell sehr viele Firmen, die mit einer Spieleidee starten, sich aus der Uni heraus gründen und sich mit Hilfe der Förderung aufbauen –wie nachhaltig diese Firmen existieren können, wird sich aber erst in den nächsten Jahren zeigen.

Muss man als Gamedesigner deswegen auch als politisch Stimme sichtbar sein?    

Definitiv. Man muss rausgehen und an allen politischen Aktivitäten teilnehmen. Mehr noch: Man muss versuchen sie selbst zu gestalten. Das machen wir auch, indem wir zum Beispiel das Games Bavaria Munich gegründet haben, ein Branchenverband der Münchner Spieleentwickler. Wir wollen unsere eigene Stimme haben und wahr genommen werden.

Und innerhalb der Games? Hattet ihr da in der Vergangenheit Probleme mit den politischen Themen?

Bald wird ein Spiel von uns erscheinen, in dem es um Küstenwachen geht. Wenn es nach mir ginge, würde ich da alle großen moralischen Fragen aufwerfen, die das mit sich Maritime Search And Rescuebringt: Die Flüchtlingsthematik, das Verhalten der EU. Das Spiel soll aber international über einen Massenmarkt vertrieben werden und eher eine jugendliche Zielgruppe ansprechen. Unser Vertrieb ist – wohl berechtigt – davon ausgegangen, dass die Zielgruppe das Spiel nicht versteht, wenn es zu politisch ist. Dann muss man halt einen Kompromiss finden. Ich vertraue dem Vertrieb, dass er die richtigen Entscheidungen trifft. Wenn es nur nach mir ginge, würde ich noch viel politischer werden.

München oder Bayern als Standort – da sagen viele: Da geht ja nichts. Warum ist die Außenwahrnehmung immer noch nur so mittelgut?

Die Außenwahrnehmung von Bayern ist wahrscheinlich deswegen nicht so gut, weil wir hier wenig Titel rausgebracht haben, die man international kennt. Travian und jetzt vielleicht Angry Birds Epic sind zwei der wenigen, die die breite Masse kennt. Dafür sind wir hier aber in vielen Nischen sehr stark vertreten, wie eben in den Serious- oder Indiegames, die seit ein paar Jahren sehr gut anlaufen. In München gibt es sehr viele Indie-Studios, die mit ihren Titeln große Erfolge feiern. Wir werden hier nicht so gut wahrgenommen, weil Deutschland international immer noch weit hinten dran ist.

Und woran liegt das?

Word WizardMeine persönliche These ist, dass das ein kulturelles Problem ist. Wir hatten hier von Anfang an die Diskussion, ob Games etwas sinnvolles sind. Staatliche Unis bieten immer noch wenig Studienplätze an, Eltern haben Bedenken, wenn ihre Kinder was in diese Richtung studieren. In anderen Ländern ist völlig klar, dass Games ein wichtiges Kulturgut sind. Deswegen haben die dort die wirtschaftliche Stärke, die uns hier fehlt.

Wie sieht die Zukunft von Reality Twist aus?

Wir bauen gerade einen Prototypen für eine Art digitales Exit-Game, also einen physisch begehbaren Raum für kleine Gruppen, in dem man Spiele erleben kann. „Mara und der Feuerbringer“ heißt es. Die Idee ist, dass die Gruppe sich in einem realen Raum mit realen Gegenständen bewegen kann, aber die Spielhandlung an den Wänden digital durch Projektionen geschieht. Also ein Hybrid aus klassischem Exit-Game und Computerspiel, nur angereichert mit vielen Effekten, die man auch aus dem 4D-Kino kennt, also Feuer, Wasser oder Wind.

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