12/04/2016

Marion Stiegler (38)
Provintzstück
Nachhaltige Design-Textilien aus Amberg

„Du kannst dich nicht in dein Kaff setzen und sagen: Das wird schon alles, jeder kauft deine Kissen“

Urbanes Design aus einem Kaff wie Ursensollen? Marion Stiegler schafft mit ihrem Label Provintzstück den Spagat zwischen ländlicher Idylle und städtischer Coolness. Nicht zuletzt weil sie auf ausgelutschte pseudotraditionelle Optik verzichtet. Damit macht Marion jungen Unternehmern vom Land Mut, ihre Ideen zu verwirklichen – denn das Land hat aus unternehmerischer Sicht auch seine Vorteile gegenüber den Metropolen.

provintzstueck_marion_portrait_©Marion Stiegler

PULS: Wieso genau Kissenbezüge?

Marion Stiegler: Weil ich selber Kissen mag. Ich richte mich gerne ein und suche immer wieder nach schönen Dingen, mit denen man seine Wohnung aufpimpen kann. Außerdem habe ich den Markt beobachtet und Kissen werden immer wieder gekauft. Und sie sind auch relativ leicht umzusetzen, vor allem durch die Möglichkeit des Digitaldrucks. Aber ich beschränke mich nicht nur auf die Kissen, sondern mache auch noch andere Sachen aus Textilien.

Welche Rohstoffe verwendest du denn für die Kissenbezüge? Und vor allem: wie und wo werden die dann bedruckt?

Vorwiegend verwende ich Naturfaserstoffe, meistens 100% Baumwolle. Ich verzichte ganz bewusst auf Polyester oder provintzstueck_bird_©Marion Stieglerandere Kunststoffe. Mein Ursprung ist die ländliche Natur und die Pflanzenwelt, deshalb habe ich mich ganz bewusst für pflanzliche Rohstoffe entschieden. Auch tierische Produkte wie Wollfilz verarbeite ich nicht und habe es auch nicht vor. Bedruckt werden die Textilien in einer speziellen Manufaktur in Deutschland, die schonend vorbehandelte Ökötex zertifizierte Grundware verwendet. Auch der Aufdruck selbst ist durch sogenannte Reaktivfarbstoffe, die sich in Verbindung mit Hitze mit dem Gewebe verbinden, schadstofffrei. Anschließend wird das Produkt vorgewaschen, um überschüssige Farbpigmente auszuwaschen. Dadurch bekommt man ein besseres Griffgefühl und es ist geruchsneutral. Es war mir sehr wichtig einen Produzenten zu finden, der mit zertifizierten Stoffen arbeitet und in Deutschland ansässig ist.

Machst du das alles alleine oder hast du ein ganzes Team hinter dir?

Ich bin ganz alleine. Hauptberuflich arbeite ich als Grafikdesignerin und Provintzstück läuft sozusagen nebenbei. Bei meinem Label kann ich mich voll entfalten – von der Grundentwicklung der Textilmuster bis zur Druckaufbereitung. Wenn die Produktionsmengen aber eine gewisse Zahl überschreiten, zum Beispiel bei Shopbestückungen, dann hilft mir eine Näherei. Aber sonst mache ich alles alleine und gerade die Erstkollektionen, also die ersten limitierten Teile, nähe ich schon auch selbst.

Und warum ausgerechnet in Ursensollen?

Weil ich hier wohne, hier lebe und hier bleiben möchte. Ich bin vor über 10 Jahren von Franken hier her gezogen. Für provintzstueck_stripes_©Marion Stieglermich kam nie in Frage, nur wegen Businessideen hier alles zu verlassen. Deshalb bin ich mit meinem Startup auch nicht nach Berlin gegangen, wie viele andere. Und so ist das Label ursprünglich auch erst entstanden: Ich will zeigen, dass es auch auf dem Land Menschen gibt, die tolle Ideen haben und sich darauf etwas Eigenes aufbauen. Nur weil ich auf dem Land lebe, kann ich meine Marke ja trotzdem überregional vermarkten.

Wo holst du dir Inspiration für neue Designs?

Überall. Ich bin auf Fachmessen, stöbere auf Einrichtungs- und Designblogs und blättere super gerne und viel in Zeitschriften. Die meisten Flashs kommen aber spontan, zum Beispiel beim Spazierengehen im Wald, wenn mir eine ganz besondere Struktur auffällt. Designer nehmen sich ja gerne mal die Natur als Vorbild. So ist auch die Idee zum „Himmel nu moll“ Kissen entstanden: auf meinem Balkon habe ich die verschiedenen Himmelsbilder und Stimmungen gesehen und wollte daraus unbedingt ein Kissen machen.

„Himmel nu moll“?
Der Bayern flucht ja gerne und „Himmel nu moll“ ist für mich ein fast regionsübergreifender Ausspruch, der das besonders schön zeigt. Die Sonderedition „Himmel nu moll“ ist deshalb auch eine Hommage an meine provintzstueck_himmelnumoll_©Marion Stieglerbayerische Heimat: Oberpfalz oder Oberfranken – das spielt für mich keine Rolle, wir sind alle Bayern. Passend zum bayerischen Thema hab ich auch die Farben des Kissens gewählt. Aber ich wollte auf keinen Fall diesen abgedroschenen Oktoberfestcharakter mit Brezen, Spitzenbordüre und Karohemd haben, sondern zeigen, dass Design vom Land auch hip, stylisch und urban angehaucht sein kann.

Was war für dich die größte Herausforderung bei der Unternehmensgründung?

Ich stecke noch mitten in der Herausforderung, weil ich fast alles selber mache und auch Beruf und Privatleben nicht zu kurz kommen sollen. Wichtig ist mir eine ausgewogene Work-Life-Balance. Deshalb versuche ich mir die Arbeit gut einzuteilen und das heißt auch, dass es nicht ganz so schnell geht. Vor allem die Vermarktung zieht unheimlich viel mit sich und frisst viel Zeit. Wenn man sich deutschlandweit vermarkten will, dann muss man natürlich ganz viel tun dafür. Du kannst dich nicht in dein Kaff setzen und sagen „Das wird schon alles, jeder kauft deine Kissen“.

 

Was hat es mit dem Käfer auf sich?

Ich habe versucht eine Wort-Bild-Marke zu kreieren, die nicht provintzstueck_label_©Marion Stieglernur ironisch mit dem Wort „Provinz“ umgeht, sondern auch symbolhaft das Thema Land aufgreift. Und dann sind mir die ganzen Krabbeltiere eingefallen, die ein definitives Zeichen dafür sind, dass man auf dem Land ist. Gerade Städter sind es oft nicht gewohnt, dass ein Käfer auf ihrem Arm landet. Damit der Käfer aber wiederum nicht abgedroschen wirkt, habe ich ihn urban stilisiert gestaltet.

Was war bisher dein persönliches Highlight seit der Unternehmensgründung?

Mein Highlight war mein erster Popup-Store in Amberg, auf dem ich meine Marke Provintzstück präsentiert habe. Im Amberger Raum gelte ich damit als Pionierin, weil das Prinzip des Popup Verkaufs dort eigentlich so gut wie niemand kennt. Es gibt ja in Deutschland viele Labels, die Kissen oder Designprodukte herstellen, und deshalb wollte ich meine Sachen nicht nur online, sondern auch direkt hier in der Region zeigen. Ich werde demnächst auch einen Showroom eröffnen, der gleichzeitig mein eigener, kleiner Laden wird. Dafür möchte ich auch anderen Designern, ganz egal woher sie kommen und was sie machen, die Möglichkeit geben, bei mir verkaufen zu können.

Sorry, zur entsprechenden Suchanfrage konnte leider kein Ergebnis gefunden werden.