24/07/2017

Christopher Kloiber (30)
Plem Plem Productions
Tracht Man - Bayerns erster Superhelden-Comic

In Deutschland werden Comics immer noch ein bisschen als Kinderkram abgestempelt.“

Zack. Crash. Whäm! Als Christopher Kloiber 1997 seinen ersten Superhelden-Comic Batman las, hat es direkt eingeschlagen. Seine Liebe fürs Superhelden-Genre war entfacht. Seit 2008 bringt der Illustrator und Grafiker seine eigenen Comics raus und hat jetzt mit Bayerns erstem eigenen Superhelden-Comic „Tracht Man“ einen ziemlichen Wurf gelandet.

 

PULS: Du hast deinen eigenen Comic-Verlag. Wie kam’s dazu?

Christopher Kloiber: Das hat so als Küchentisch-Verlag angefangen. Ich habe da quasi alleine meine eigenen Comics gezeichnet. Ich hatte mich auch mal bei einem Verlag beworben, das war aber nicht von Erfolg gekrönt. 2008 habe ich dann mein eigenes Label Plem Plem Productions gegründet. Mit der Zeit sind immer mehr Leute dazugekommen, die die Idee cool fanden, Comics zu zeichnen, ohne sich verbiegen zu müssen. Heute sind es im Kern um die zehn Leute. Wir sind ein gut eingespieltes Team und veröffentlichen pro Jahr 15 bis 20 Comic-Hefte. Tracht Man ist der erfolgreichste Titel der Verlagsgeschichte, mit Abstand der erfolgreichste.

Das Besondere und vielleicht auch das Erfolgsrezept bei Tracht Man ist, dass er aus Bayern kommt. Wäre ein deutscher oder sogar ein globaler Superheld nicht lukrativer gewesen?

Ich glaube nicht. Ich wollte zwar schon lange einen Superhelden-Comic machen, aber keinen 08/15 US-Comic-Helden, der in den USA herumfliegt und ganz klassisch das Böse bekämpft. Ich habe immer wieder von der Community gehört: Mach doch mal was in Deutschland. Aber so einen kleinen deutschen Superhelden wollte ich nicht. Dann habe ich ein bisschen herumgezeichnet und irgendwann bin ich auf Tracht Man gekommen. Das Heft war auch fast zwei Jahre lang in der Entwicklung, bevor ich es öffentlich gemacht habe. Sogar meine Kollegen im Verlag haben, bis ich die Facebook-Seite gestartet habe, nichts davon gewusst.

Die Zielgruppe sind vor allem Leute aus Bayern, oder?

Tracht Man wird überwiegend aus dem bayerischen Raum bestellt, aber auch aus Norddeutschland und sogar aus dem Ausland wie den USA , Schweden oder Irland. Was die Leser aber gemeinsam haben ist, dass sie aus Bayern kommen oder einen Bezug zu Bayern haben. Tracht Man wird oft verschenkt: Für den Bruder, der jetzt in Berlin studiert oder für den Vater, der früher gerne Comics gelesen hat. Hätte ich einen deutschen Superhelden mit schwarz-rot-gelbem Kostüm entworfen, wäre das glaube ich nicht so gut angekommen. Das Bayerische ist sehr speziell, auch der bayerische Humor und steht oft für ganz Deutschland. Fragt man einen US-Amerikaner, stellt der sich unter Deutschland Lederhose, Sauerkraut und Oktoberfest vor.

Comics boomen zwar seit Jahren in Deutschland. Trotzdem ist das Genre immer noch eine Nische. Lohnt sich das finanziell überhaupt?

Mittlerweile finanzieren sich unsere Comics von selbst. Wir haben Comicreihen, die eigentlich ziemlich gut laufen. Das ist auch immer eine Frage der Auflage. Je mehr du produziert, desto mehr kostet es. Allgemein ist es in Deutschland immer noch recht schwierig, Comics zu machen. Anders als zum Beispiel in den Benelux-Ländern, in den USA oder in Asien werden bei uns Comics immer noch ein bisschen als Kinderkram abgestempelt. Man hat sogar aus Marketinggründen  „Graphic Novels“ eingeführt, so dass Erwachsene quasi Comics lesen können, aber nicht Comics sagen müssen. Ich merke aber, dass sich hier in den letzten zwei Jahren etwas geändert hat. Durch TV-Serien wie zum Beispiel The Big Bang Theory haben Comics eine ganz andere Akzeptanz bekommen und auch durch die Superhelden-Filme ist das ganze Thema wieder mehr im Kommen. Ich habe Tracht Man anscheinend zur richtigen Zeit herausgebracht.

Aber von deinen Comics leben kannst du noch nicht?

Von Comics allein kann in Deutschland eigentlich fast keiner leben. Es gibt glaube ich zwei oder drei Leute, die es tatsächlich geschafft haben, hier als Comiczeichner zu leben: allerdings dann auch als Comiczeichner für andere und nicht nur für eigene Hefte. Ich selber arbeite weiterhin als freier Illustrator und Grafiker für Eventagenturen, Ärzte, Computerfirmen, aber auch für Privatleute, also z.B. für Hochzeiten oder Geburtstagsgeschenke.

Was war die größte Hürde als du angefangen hast?

Die Kosten für den Druck. Der Druck war damals 2008 noch unglaublich teuer. Ich habe mein erstes Comic Whoa! Comics #1 in schwarz-weiß gedruckt, weil Farbdruck einfach zu teuer war. Ich habe dafür in einem Sandwich-Laden gejobbt und musste das Geld zusammenkratzen, auch weil ich in einer recht teuren lokalen Druckerei habe drucken lassen. Heutzutage ist es richtig einfach, Comics zu machen durch die ganzen Online-Druckereien, die sich preislich gegenseitig unterbieten.

Lesen die meisten eigentlich noch ganz klassisch ein Print-Comic-Heft oder läuft das mittlerweile auch alles Richtung digital?

In Deutschland sind die digitalen Vertriebswege noch in der Entwicklung, weil die Leute doch noch lieber ein Printprodukt in der Hand haben als irgendwas Digitales zu kaufen. Aber in den USA ist es schon völlig normal, digitale Comics zu lesen. Wir vertreiben unsere Comics aber schon digital. Der Vorteil ist, dass wir noch Bonusmaterial dazu packen können und es kostet uns weniger als die Printausgabe.

Du bist gebürtiger Oberbayer, lebst jetzt aber in Bamberg. Warum die fränkische Kleinstadt?

Ich komme ursprünglich aus der Erdinger Gegend und habe schon überall gewohnt. Irgendwie hat es mich nach Bamberg verschlagen und ich möchte wegen der Stadt und wegen meiner Freundin gar nicht mehr weg. Dank der heutigen Technik und Vertriebsmöglichkeiten kann man ja alles von jedem Standort aus machen. Es gibt also keinen Grund zu sagen: „Hey ich muss unbedingt nach München gehen“, um einen Comic-Helden zu machen.


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