04/10/2015

Caroline "Lui" Klein (29) und Philipp Seidl (31)
Phil & Lui
Nachhaltige Unisex-Mode

„Phil ist schon ein bisschen meine Muse“

Philipp und Luisa sind ein Paar – sie leben zusammen, sie arbeiten zusammen und sie haben zusammen das Modelabel Phil & Lui gegründet. Ihr Ziel: Mode zu machen, die voll im Einklang ist mit der Natur und aussieht, als hätte sie schon ein Leben hinter sich.

Phil & Lui

icon_interviewPhil, du warst als Jugendlicher Tennisprofi – wie bist du zur Mode gekommen?

Philipp Seidl: Klamotten habe ich schon immer geliebt. Du kannst mit dem, was du anziehst beeinflussen, was die Leute über dich denken. Wenn du dich anziehst wie ein Skater, halten sie dich für einen Skater. Ich hab Sinologie studiert, also chinesische Studien, eine brotlose Kunst. Wir haben damals in der WG alle gleichzeitig das Studium abgeschlossen und überlegt, was wir machen. Und Lui hatte das ja auch schon immer vor. Dann haben wir uns gesagt: Tun wir uns zusammen. Zu zweit kann man einfach mehr bewegen als alleine.

 Habt ihr da auch schon zusammen gewohnt?

Phil: Wir haben schon drei Jahre in einem WG-Zimmer gewohnt, mit einem Bett, einem Fernseher und einem Schreibtisch. Dadurch wissen wir, dass wir auf engstem Raum auch 24 Stunden beieinander sein können. Denn unsere Freizeit verbringen wir ja auch noch zusammen.

Jetzt seid ihr auch noch Geschäftspartner. Wie schwierig ist das für eure Beziehung?

Phil & Lui; Foto: Esra SamCaroline „Lui“ Klein: Wenn man die alten Hasen fragt, sagt jeder: „Ihr seid verrückt, in dieser Zeit überhaupt noch ein Label zu gründen.“ Genauso sagt jeder: „Ihr seid verrückt in einer Partnerschaft ein Geschäft zusammen zu gründen.“ Ich meine, jetzt sind wir ja schon sechs Jahre zusammen und ziehen das Label jetzt auch schon seit eineinhalb Jahren voll durch. Manchmal muss man auch verrückt sein, um Erfolg zu haben und einfach an etwas glauben. Nur wenn man etwas wirklich will, dann schafft man das auch.

Und wie teilt ihr euch die Arbeit auf?

Phil: Das Design macht alles Lui. Ich geb zwar immer noch meinen Senf ab, aber ansonsten bin ich für den operativen Teil zuständig. Ich übernehme also die Kommunikation, das Schreiben, den IT-Bereich und die Datenerfassung. Das ist echt autodidaktisch, das Studium hat das nicht hergegeben. Wir machen tatsächlich alles zu zweit. Der Vorteil ist, dass man dann auch wirklich weiß, wie man sich in seinem eigenen Unternehmen bewegt.

Was ist das Schwierigste als Unternehmer?

Phil: Die Menge an Arbeit. Deswegen machen wir auch häufig Nachtschichten. Man muss versuchen, sein persönliches Leben ein Stück weit zu schützen. Und man braucht einen Partner, mit dem man so etwas cool und lässig machen kann.

Lui: Ich find’s auch schwierig, Fuß in der Industrie zu fassen. Phil & LuiWas diese Preisstrukturen betrifft, da wünsche ich mir so sehr mehr Aufklärung. Menschen kaufen ein T-Shirt für zehn Euro und wissen überhaupt nicht, wie lang diese Lieferkette ist und wie viele Menschen davon profitieren und überleben müssen.

Phil: Gerade bei den großen Konzernen ist es ja so, dass am Ende diejenigen leiden müssen, die das Teil herstellen. Da fließen 40 bis 50 Prozent alleine ins Marketing. Das ist total lächerlich.

Nachhaltige, ökologisch-produzierte Mode ist euer Aushängeschild. Überprüft ihr selbst, wie eure Sachen produziert werden?

Lui: Das ist nicht unser Aushängeschild. Das ist einfach ein Standard, der ganz normal sein sollte. Wir haben die Produktionsstätte in Portugal besucht und uns jeden einzelnen Schritt zeigen lassen. Wir haben die Sicherheit, dass die einzelnen Lieferschritte entsprechend der GOTS-Zertifizierung abgehandelt werden und unsere Materialien sind auch alle zertifiziert.

Phil: Das GOTS-Siegel – Global Organic Textile Standards – ist das weltweit verbreitetste Siegel für nachhaltige Textilien und deckt sowohl soziale und ökologische Kriterien als auch die Herstellung ab und da steckt so massiv viel Wissen dahinter, dass auch wir bei jedem Besuch und jedem Ansatz, den wir starten, jedes Mal neu dazulernen. Leider kostet die Zertifizierung so viel, dass wir uns selbst das Siegel in diesem Moment nicht leisten können.

 Was inspiriert euch für eure Sachen?

Phil & LuiLui: Wenn ich entwerfe, dann sind immer Philosophien dahinter. Zu Beginn suche ich Bilder. Die haben nichts mit Mode zu tun, sondern sind einfach Mood-Bilder von Landschaften und schönen Strukturen. Ich selektiere dann immer mehr, bis daraus ein Moodboard entsteht. Dann analysiere ich, was da für ein Lebensgefühl drin steckt. Das lassen wir unsere Kunden auch nachlesen. Ich finde es schade, dass Künstler die Kunden oft nicht am Entstehungsprozess ihrer Arbeit teilhaben lassen.

Und Phil? Inspiriert er deine Designs auch? Er taucht ja auch als Model auf eurer Website auf…

Lui (lacht): Ja, Phil ist schon ein bisschen meine Muse

Eure Klamotten haben einen ziemlich ausgeprägten Used-Look – steckt dahinter auch ein Konzept?

Lui: Ich mag Dinge, die leben. Ich find’s halt irgendwie schön, wenn ein Shirt wirkt, als hätte man es schon mitgenommen auf eine Reise, als hätte es in der Sonne und im Salzwasser gelegen und dadurch seine Struktur verändert. In der Industrie kann man das natürlich nicht im Meer liegen lassen. Das sind schon Verfahren, die das so aussehen lassen. Aber die Inspiration kommt daher.

 Und wie geht es mit Phil & Lui weiter?

Lui: Für uns ist Phil & Lui eigentlich nicht nur Mode, sondern ein Lebensgefühl. Und zu einem Lebensgefühl gehört die Klamotte, gehört das Interieur, die Einrichtung, wie ich esse, wie ich reise. Ich stelle mir schon mal vor, dass man das verbinden kann und verschiedene Künstler zusammenführt – das ist unser Ziel.

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