04/10/2015

Günter Götzer (30)
Pfizipfei
Siebgedrucktes aus Niederbayern

„Im Geschäft darf man schon mal ein Arschloch sein, privat sollte man seine Nettigkeit bewahren“

Eigenes Label, eigener Style – das war Günter Götzers Motivation, Pfizipfei zu gründen. Seit 2009 gestaltet der Hauzenberger Shirts und Hoodies mit einem Look, in dem er viele Subkultur-Elemente vereint.

Günter Götzer von Pfitzipfei

icon_interviewPULS: Was zum Geier heißt Pfizipfei?

Günter Götzer: Das ist ein niederbayerischer Begriff für eine Person, die schnell vorbeirennt. Wir fanden den Klang und die Bedeutung des Worts passend und lustig. Viele kennen den Begriff nicht mehr. Ich habe ihn sicher schon tausendmal erklären müssen. Für uns ist er auch eine Persiflage auf die Schnelllebigkeit.

Wieso nervt dich die Schnelllebigkeit?

Werkstatt von PfitzipfeiWir sind bodenständige Leute. Mir ist es wichtig, Zeit zu investieren. Ich will nicht Sachen produzieren, die bald darauf wieder weggeschmissen werden. Daher versuche ich auf einem hohen qualitativen Standard zu produzieren und nur so viel, wie wir auch verkaufen können. Wir drucken kleine Auflagen, meistens nur 50 Stück pro Design. Wenn wir sehen, dass es gut läuft, drucken wir nach. Bisher ist alles weggekommen.

Du bist Kommunikationsdesigner, jetzt betreibst du aber eine Siebdruckwerkstatt und machst ein Modelabel. Warum bist du in den Fashion-Bereich gegangen?

Schlicht und einfach: weil es mir so viel Spaß macht! Siebdruck ist ein wahnsinnig tolles Verfahren. Man hat relativ viele Möglichkeiten, Gestaltungselemente auf Textilien und andere Materialien zu bringen – in hoher Qualität. Ich habe neben Pfizi auch ein zweites Label gegründet: Elevencult. Damit kann ich gestalterisch in zwei Richtungen gehen. Das ist einfach mein Ding, das habe ich früh gemerkt. Ich habe bereits im Studium begonnen, in Eigenregie zu drucken – ganz spontan, aus Blödsinn heraus. Das hat Anklang gefunden und somit hatte ich schon meine ersten Kunden. Das war Anlass, eine erste Kollektion zu machen.

Du bewirbst deine Kleidung fast ausschließlich mit tätowierten Models. Warum?

Als Erstes gefällt mir der Style unglaublich gut. Zum anderen Pfitzipfeierzählen viele Leute auf ihrem Körper ihre Lebensgeschichte – das finde ich interessant. Meistens sind sie auch viel bodenständiger, als es nach außen hin scheint.

Trägt sich Pfizipfei inzwischen?

Ja, es trägt sich. Aber alles, was wir einnehmen, investieren wir auch wieder. Es ist immer noch ein hartes Business. Die Masse ist das Stichwort. Um richtig groß zu werden, müssen dich erst mal richtig viele Leute kennen und du musst ganz andere Zahlen verkaufen. Etwa so das zehnfache von dem, was wir verkaufen. Im Durchschnitt ist das etwa ein Stück pro Tag. Aber ich setze bewusst auf natürliches Wachstum. Ich merke es von Jahr zu Jahr, dass die Bestellungen und Stammkunden mehr werden.

Wie finanzierst du dich denn dann?

Bei mir läuft es über eine Querfinanzierung mit meiner Siebdruckwerkstatt: Ich mache Auftragsdrucke, Grafikarbeiten und Shirtdesign für andere Labels.

Ist es nicht furchtbar teuer, eine Werkstatt aufzubauen?

PfitzipfeiDie Anschaffung der ganzen Maschinerie war schon ein großer Schritt und hat insgesamt etwa 50.000 Euro gekostet. Dazu gehört das Siebdruck-Karussell, der Durchlauftrockner, die Belichter. Aber im Vergleich zu Kosten von anderen Werkstätten ist es im Rahmen. Und es war es mir definitiv wert.

 

Was ist dein Rat an junge Modedesigner?

Privates und Geschäftliches trennen. Das hat mir mein Vater immer schon gepredigt. Unbewusst habe ich es befolgt. Im Geschäft darf man schon mal ein Arschloch sein, privat sollte man seine Nettigkeit bewahren. Ansonsten muss man halt eine Weile durchhalten und viel Energie reinstecken – egal was man tut.

Was würdest du jetzt, im Nachhinein anders machen?

Man muss sich selbst verkaufen, sich hinstellen und zeigen: PfitzipfeiDas ist der Typ dazu. Das habe ich am Anfang nicht so gemacht. Ich halte mich nach wie vor eher im Hintergrund. Ich mag das persönlich gar nicht so gern. Aber die Leute wollen das. Daher zeige ich mich inzwischen schon mehr – etwa auf vielen Fotos.

Wer hat dir auf deinem Weg am meisten geholfen?

Freunde, Familie und Gaudi. Die ersten Shirts waren echt nur zur Gaudi. Völliger Blödsinn eigentlich. Dann haben wir gesagt, ok, lasst uns ein richtig gutes Design machen. Ich hatte gleich Bock. Zu der Zeit war ich noch in der Uni und eh ein bisschen unterfordert. Da wurde Pfizi zu einem coolen Projekt. Meine Freunde waren auch überzeugt davon. Und dann war das so eine Kettenreaktion.

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