02/03/2016

Peter Bauer (48)
Pally‘Hi
Merino Funktionswäsche aus Kirchheim

„Der herkömmliche Style ist mir zu oldschool Outdoor-mäßig“

Wenn man elf Mal Deutscher Meister, fünf Mal Europameister und vier Mal Weltmeister war, dann braucht man nach der aktiven sportlichen Karriere wohl eine andere Herausforderung. Zumindest ging es dem bayerischen Snowboard Urgestein Peter Bauer so. 2005 gründet er seine Snowboard- und Skifirma Amplid, acht Jahre später will er mit Pally’Hi Funktionswäsche aus Merino-Wolle alltagstauglich machen.

peter-bauer_mt-baker

icon_interviewPULS: Was ist das Besondere an Pally‘Hi?

Peter Bauer: Merino-Klamotten gibt es wie Sand am Meer, allerdings schaut man bei 99 Prozent aller Merino-Teile so aus, als würde man gerade von einer Mount Everest Expedition kommen. Ich glaube an die Funktion von Merino: Es ist antiseptisch, man riecht nicht nach Schweiß, es hat einen super Tragekomfort – aber der herkömmliche Style ist mir zu oldschool Outdoor-mäßig: Das passt nicht in allen Lebenslagen, zum Beispiel wenn ich irgendwo beim Cappuccino auf der Terrasse sitze. Wir wollten Merino-Teile machen, die mindestens die gleiche Funktion haben wie die der Outdoor-Marken, aber eher einen urbanen Casual-Style haben. Meine Motivation war hauptsächlich Eigennutz: Ich wollte für mich selbst Merino, das cool ausschaut.

Wie bist du auf die Idee gekommen?

Ich habe mir 1989 in Neuseeland ein T-Shirt gekauft und gar PallyHi by Filip Zuannicht gewusst, dass es aus Merino-Wolle ist. Ich wusste nur, dass es irgendein Woll-Ding ist und mich 15 Jahre lang gewundert, dass es nie stinkt, auch wenn man fünf Tage lang auf dem Berg ist und keinen Zugang zu einem Deo oder zu einer Dusche hat. Irgendwann nach zehn oder 15 Jahren, als es kaputt war, ist mir erst aufgefallen, dass es aus neuseeländischer Merino-Wolle ist. Ich habe dann ein  äquivalentes Teil gesucht, aber kein ganz neutrales T-Shirt gefunden, sondern nur Outdoor-Klamotten. Es war eigentlich aus der Not heraus geboren: Ich habe nichts gefunden und mir dann gedacht: machst es eben selbst.

Pally’Hi ist  nicht deine erste Firma. Gab es irgendwelche Hürden, die du so trotzdem nicht erwartet hast?

Wenn man die Markt-Einstiegs-Barrieren vergleicht zwischen Amplid und Pally’Hi, dann ist es bei Pally’Hi vor allem eine Stückzahlen-Problematik. Man kann zu keinem Produzenten sagen: „Mach mir mal schnell 50 Shirts.“ Ich kann 50 Snowboards produzieren lassen, das ist eine grenzwertige Mindestmenge –  aber 50 Shirts macht dir keiner, das ist zu wenig. Deswegen muss man schon am Anfang die Kollektion so aufbauen, dass man den Stoff nicht nur für T-Shirts verwendet, sondern auch Longsleeves, Shortsleeves, lange PallyHi by Hansi HeckmairUnterhosen oder kurze Unterhosen daraus macht. So dass man die Stoffmengen über die ganze Kollektion unterbringt. Ich glaube an organisches Wachstum. Diese amerikanische Mentalität, in der Verwandtschaft, im Bekanntenkreis oder bei Nachbarn eine Million Dollar einzusammeln und die dann zu verballern in der Hoffnung, dass die Rechnung  aufgeht, ist gar nicht meins. Lieber klein anfangen und wenn man dann Fehler macht, tun die noch nicht so weh – denn man genießt auch einen gewissen Welpenschutz am Anfang. Fehler werden einem verziehen. Wenn man mal einen Bock geschossen hat, sagt der Händler vielleicht: „Ja okay, ihr seid ja noch klein und am Anfang, aber beim nächsten Mal müsst ihr besser aufpassen.“ Mit Amplid haben wir bewiesen, dass das funktioniert und einen ähnlichen Weg gehen wir jetzt auch mit Pally’Hi. Die Wachstumskurve geht jetzt schon stärker nach oben, als damals bei Amplid. Obwohl es ein schwieriger Markt ist, läuft es echt gut.

Woran liegt das?

Wir glauben, dass wir echt eine Nische getroffen haben, eben diese Mischung aus Urban-Style mit  Outdoor-Funktion. Da haben wir mit Pally’Hi ein Alleinstellungsmerkmal, das zu ziehen scheint.

Hast du irgendwelche Tipps für Leute, die auch gerne ihre Ideen verwirklichen würden?

PallyHi Eine Firma aufzuziehen heißt ein Produkt oder eine Dienstleistung zu schaffen und diese zu verkaufen. Wenn man nicht zu 120 Prozent hinter diesem Produkt steht, dann wird es nicht hinhauen. Der Markt ist so hart wie noch nie. Es wird auch nicht leichter in Zukunft, die Kaufkraft im Volk nimmt nicht zu. Man muss sich überlegen: Steh ich hinter dem Ding? Bin ich da bereit mein ganzes Herzblut und vielleicht auch meine ganze Kohle bis auf die letzte Unterhose zu investieren? Wenn ich diese Fragen mit „Ja“ beantworten kann, dann bin ich auf dem richtigen Weg. Trotzdem sollte man aber nicht blind irgendwo reinrauschen, sondern muss den Markt beobachten. Ist da Potential, wer sind die Mitspieler, sind das vielleicht irgendwelche Riesen bei denen ich sowieso niemals mitmischen kann.

Du sagst ja, der Markt ist kein leichter, würdest du heute nochmal Amplid aufmachen?

Ich würde auf jeden Fall morgen wieder eine Snowboard- undPallyHi by Hansi Heckmair Ski-Marke starten. Vielleicht anders, aber da habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Ich würde auf jeden Fall wieder starten, nicht weil ich nichts anderes gelernt habe, sondern weil mein Herz dafür schlägt.

Hattest du mal einen Moment, in dem du gedacht hast,  das ist mir alles zu blöd, ich schmeiße hin?

Das hab ich mir noch nie wirklich gedacht. Logisch hat man wie in allen Lebenslagen Ups and Downs, mal ist man mehr mal weniger motiviert. Aber nach einem mega geilen Snowboard-Tag, weiß ich wieder genau, warum ich mir das ganze antue.

Sorry, zur entsprechenden Suchanfrage konnte leider kein Ergebnis gefunden werden.