09/02/2016

Lukas Starauschek und Benedikt Schäfermeyer
Orno
Lachsleder-Taschen aus München

„Kontakte spielen eine ganz wichtige Rolle“

Jedes Mal, wenn man frischen Lachs brät, begegnet man ihr: der Fischhaut mit ihren charakteristischen Schuppen. Und jedes Mal landet sie im Mülleimer. Lukas Starauschek und Benedikt Schäfermeyer aus München finden das ziemlich schade und machen aus dem vermeintlichen Abfallprodukt schicke Smartphone-, Tablet- und Laptoptaschen.

Orno

icon_interviewPULS: Lukas, Du und Benedikt, ihr seid beide Studenten. Wie viel Zeit nimmt es in Anspruch, nebenbei noch ein Unternehmen zu schmeißen?

Lukas Starauschek: Schon ein paar Stündchen. Es ist schwer, das genau zu sagen, weil man oft zwischen zwei Lerneinheiten für die Uni mal ein paar Mails beantwortet oder ein Meeting ansetzt. Da schaut man nicht so genau auf die Uhr, aber eine halbe Woche obendrauf ist es alles in allem wahrscheinlich schon.

Was war zuerst da: Der Entschluss, was zu gründen oder die Idee, schöne Laptoptaschen zu machen?

Wenn man gründet, steht man ja immer vor der Frage: Macht man was besser, was es schon gibt, oder entwickelt Ornoman wirklich etwas völlig Innovatives? Dann saßen wir mal bei einem Käffchen zusammen und haben uns überlegt, was hier in München reinpassen würde. Da kamen wir auf den Markt der Smartphone-Cases, der ja schon ziemlich übersättigt ist mit diesen eher hässlichen Plastikdingern. Und wenn man sich schon so ein Design-Objekt wie ein iPhone zulegt, dann wäre es eigentlich auch schön, das hochwertig zu verpacken. So ist die Idee gewachsen und wir haben die ersten Prototypen angefertigt.

Veggie und vegan sind momentan total in. Und ihr stellt Produkte mit Leder her. Widerspricht das nicht dem Zeitgeist?

Das ist witzig, dass du das ansprichst. Wir haben ja auf Messen auch immer unser Lachsleder dabei und da kam es dann tatsächlich manchmal vor, dass ich auch Veganer getroffen hab, die erst mal skeptisch waren. Aber es handelt sich dabei ja um ein Abfallprodukt von Tieren, die aus der Lachszucht stammen. Von daher glaube ich nicht, dass es dem Zahn der Zeit widerspricht. Ich würde sagen, unsere Schnittmenge mit dem vegetarischen und dem veganen Lebensstil liegt in der Nachhaltigkeit. Und in unserem Fall wird eben das, was sonst weggeschmissen würde, weiterverwendet.

Als ihr angefangen habt, waren eure Produkte zunächst aus Rindsleder. Wie kam der Anstoß, auf Lachsleder umzusteigen?

Wir haben mit Rindsleder angefangen, weil es eine recht schöne Optik hat. Allerdings war es von der Struktur her ein bisschen unspektakulär. Also haben wir uns auf die Suche Ornonach einem Material gemacht, was von Natur aus schon recht viel hergibt und nicht Schnickschnack oder Design-Highlights außenrum braucht. Uns kam Schlangenleder in den Sinn, das toll aussieht und sich toll anfühlt, aber unserer Meinung nach nicht so ethisch vertretbar ist. Und dann ist es tatsächlich das World Wide Web gewesen, das uns den Anstoß gegeben hat, auf Lachsleder zu gehen. Also eine lange Suche, ein bisschen Glück und die Voraussetzung, dass man diese ganz exotischen Materialien außen vor lässt.

Eure Taschen werden im Glockenbachviertel mitten in München hergestellt. Wie genau läuft die Produktion ab?

Wir sind momentan noch nicht in der Lage, selbst zu produzieren, sondern lassen die Taschen in einer Manufaktur herstellen, die auf Leder spezialisiert ist. Wir haben die Entwicklung geleistet, die Prototypen entworfen und wir sorgen dafür, dass das Material da ist – also das Lachsleder und die Reißverschlüsse für das Notebook-Case. Aber vernäht wird das Ganze dann von einer Schneiderin, die das Handwerk beherrscht.

Wo bekommt  ihr das Leder her?

OrnoDas wird in Bayern hergestellt, in der Nähe von Passau. Das ist, finde ich, auch so ein Pluspunkt, dass wir ziemlich regional unterwegs sind. Die sind spezialisiert darauf, Lachsleder zu produzieren. Das Schöne daran ist, dass es nachhaltig hergestellt wird. Die Färbung läuft auf Wasserbasis ab und die Gerbung ist chromfrei. Und die Häute, die ja wiederum das Ausgangsmaterial sind, stammen aus einer irischen Bio-Lachszucht.

Eure Taschen sind nicht gerade billig. Eine Smartphone-Hülle kostet mehr als 100 Euro, eine Laptoptasche sogar bis zu 380 Euro. Gibt es dafür überhaupt einen Markt?

Auf jeden Fall. In unserer Heimat München, auf die wir uns gerade noch fokussieren, gibt es die Zahlkraft einfach. Auf der anderen Seite ist Handarbeit wieder sehr im Kommen. Ich lege da auch persönlich Wert drauf, handgefertigte Produkte sind einfach was Schönes.

Ihr habt auf eurer Website einen Online-Shop, über den man theoretisch von überall auf der Welt eure Produkte bestellen kann. Sind schon besonders ferne oder exotische Länder dabei?

Das sind bislang eher exotische Bundesländer! Es gab es noch Ornonicht die Situation, dass wir uns dachten, Halleluja, da bestellt einer aus Neuseeland. Es ist tatsächlich momentan so, dass die meisten Kunden aus der Region kommen, also aus München und dem Umland.

Wie wollt ihr bekannter werden?

Es ist für uns sehr wichtig, uns zu vernetzen. Auf unsere Website und in unseren Online-Shop kommen ja nur Leute, die uns schon kennen. Andere erreicht man, indem man die Taschen in Läden auslegt, gegenseitig auf die andere Unternehmen verlinkt, in Online-Berichten vorkommt und so weiter. Da baut viel auf Kontakten, Kooperationen und gegenseitigem Austausch auf. Gerade nähern wir uns auch der Werbung, um dem Markt unser schönes Produkt zu präsentieren. Das kommt jetzt so langsam alles.

 

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