27/02/2017

Christophe Chayriguet (37)
off lines
Handmade Notizblöcke aus Oberbayern

„Wenn dir was im Kopf rumschwirrt, solltest du das aufschreiben“

"Online was yesterday" – sagt Bastler Christophe Chayriguet. Mit seinen analogen Notizblöcken, die sich an der digitalen Sprache orientieren, will er Ideen zur Umsetzung verhelfen.

PORTRAIT Christophe Chayriguet

icon_interviewPULS: Christophe, du sagst auf deiner Homepage: „Online was yesterday.“ Glaubst du, dass Offline das neue Online ist?

Christophe Chayriguet: Es ist zunächst mal eine Provokation. Mein Produkt spielt mit der digitalen Sprache. Ich bezeichne meine Produkte als analoge Speichermedien.

Es gibt also Parallelen zu Laptop und Computer?

Der Notizblock und die Papierstation ergeben ein analoges Kommunikationssystem. Der Notizblock ist eine mobile App für unterwegs, die man mit der Desktop-App, also der Papierstation, aufladen kann. Oder man macht sich am Schreibtisch eine Einkaufsliste und tut die dann in den Notizblock. Dann hast du alles mit dabei.

Du willst also Digitales analog lösen. Oder welche Idee steckt dahinter?

PS-Nussbaum1Die Inspiration für einen Block, wo man die Blätter leicht rausnehmen kann, aber nicht rausreißt, hatte ich durch die Selbstmanagement-Methodik „Getting Things Done“ von David Allen. Wenn dir was im Kopf rumschwirrt, solltest du das aufschreiben und zu einem späteren Zeitpunkt systematisch abarbeiten. Ich war es ein bisschen Leid, immer nur mit Büchern rumzulaufen, denn da konnte ich die Blätter nicht rausreißen. So ist die Form entstanden. Den Notizblock habe ich zunächst für mich entwickelt. Ich habe ihn dann öfter rausgeholt, um mir Sachen aufzuschreiben, und gemerkt: Es interessieren sich auch andere dafür. Ich habe dann ein paar Blöcke für Freunde gemacht. So hat sich das dann Schritt für Schritt entwickelt.

Du bist vor Kurzem für deine Blöcke mit dem German Design Award ausgezeichnet worden. Hat Dir das neue Türen geöffnet?

Auf jeden Fall hat man mit der Zeit eine gewisse Routine, wie man das Produkt erklärt oder inszeniert und die Leute anspricht. Ich denke, dass für meine Marke so ein Award durchaus helfen kann, weil es eine Vergewisserung, ein Qualitätssiegel, für den Verbraucher darstellt.

Du produzierst in Bayern. Welche Rolle spielt das für dein Produkt?

Ich sitze in Geißach in der Nähe von Bad Tölz. Die Produkte werden hier in Leather PadHandarbeit hergestellt, meine Rohstoffe kommen aus Deutschland, wenn möglich aus der Region. Manuell produziert wird ausschließlich in Bayern, regional und ressourcenschonend. Das gehört zu meiner Positionierung.

Auch für den Verkauf verfolge ich analoge Wege. Ich gehe recht klassisch auf den Einzelhandel zu. Auf der einen Seite sind das Concept Stores oder Papeterien. Das sind Geschäfte, die meine Produkte führen.

Aber du könntest dir nicht vorstellen, deine Werkstatt nach Berlin Kreuzberg zu verlegen?

Nein. Ich bin da sehr heimatverbunden. Ich weiß nicht, ob das wirklich so authentisch wäre, um aus Imagegründen nach Berlin umzuziehen. Ich glaube, es gibt sehr viel in diesem Vintage-Bereich, alles auf alt gemacht. Ob die Werkstätten alle so aussehen oder nur für das Fotoshooting hergerichtet werden, ist auch so dahingestellt.

Was waren die großen Hürden, die du überwinden musstest?

ZW_Grau_HolzoptikJa, den Weg vom einzelnen Produkt zur Kleinserie. Du bastelst etwas für dich und musst daraus ein Produkt machen. Es war auch eine Hürde, in den Handel reinzukommen. Ich war jetzt zum zweiten Mal auf der Paper World in Frankfurt. Dort wird man von den Händlern dann auch zum zweiten Mal gesehen. Und dann sehen die: Okay, das war jetzt nicht nur eine Eintagsfliege. Man muss eben Geduld haben.

Was rätst du anderen, die ebenfalls eine Idee verwirklichen wollen?

Einfach machen. Nicht zu lange überlegen, sondern möglichst schnell einen Prototyp machen und rausfinden, ob es irgendjemanden gibt, der dir dafür Geld gibt, wenn es das Ziel ist, ein kleines Taschengeld oder mehr draus  zu machen. Nicht ewig in seinem kleinen Kämmerlein vor sich hin entwickeln, sondern raus gehen und sehen: Will das jemand haben?

Wie geht’s bei dir weiter?

Ich möchte mit meinen Produkten stärker in den Einzelhandel reinkommen. Ich besuche Fachmessen und knüpfe da Kontakte in Deutschland und Nachbarländern. Die Anzahl der Geschäfte ist noch überschaubar, da gibt es einiges zu tun. Und ich möchte immer weiter basteln. Neue Produkte, neue Formen und die derzeitigen Produktionsprozesse verbessern.


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