26/03/2018

Johannes Schmidt, Konstantin Deininger, Katharina Deininger
Ökoesel
Laden für günstige Bio-Lebensmittel

„Im Supermarkt war ich schon ewig nicht mehr.“

Ernährung mit Bio-Produkten ist gesund, nachhaltig – aber auch teuer. Um das zu ändern, haben Johannes Schmidt, Konstantin Deininger und Katharina Deininger einen Mitgliederladen gegründet. Die Idee: Für einen Monatsbeitrag bekommt man von regionalem Gemüse über Milch bis hin zum Müsli alles zum Einkaufspreis. Die Gründer wollen, dass Bio-Ernährung für jeden erschwinglich ist. Inzwischen hat ihr Laden bereits über 100 Mitglieder – was genau die Leute einkaufen wollen, war für die Drei anfangs nicht leicht einzuschätzen.

icon_interviewPULS: Was unterscheidet euren Mitgliederladen mit regionalen Produkten von anderen bekannten Bio-Supermärkten?

Johannes: Unser Sortiment ist ähnlich wie im Supermarkt. Das Besondere beim Mitgliederladen ist, dass wir uns über monatliche Mitgliedsbeiträge finanzieren und nicht über Produktaufschläge, das heißt unsere laufenden Kosten wie Miete oder Lohnkosten werden über eine monatliche Gebühr von 15 Euro pro Person bezahlt. Du kannst es aber je nach Selbsteinschätzung nach oben oder unten anpassen. Dafür können die Leute zu einem sehr viel günstigeren Preis einkaufen als im normalen Laden, weil wir dank der Gebühr nicht darauf angewiesen sind, auf die Produkte preislich noch viel aufzuschlagen. Bei den haltbaren Produkten schlagen wir zehn Prozent auf und beim Obst und Gemüse 15 Prozent – aber nur, um die Verluste abzudecken, die entstehen, wenn etwas schlecht wird.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Johannes: Ich kaufe selber seit sechs Jahren Bio-Sachen ein. Der Punkt, dass ich nur noch Bio eingekauft habe, kam durch einen solchen Mitgliederladen. Ich habe damals in Marburg studiert. Meine WG hat in einem Mitgliederladen eingekauft, so bin ich da reingeraten. Dann bin ich da immer hin, denn durch die günstigeren Preise konnte ich mir eine vollumfängliche biologische Ernährung leisten, obwohl ich Student war und nicht so viel Geld zur Verfügung hatte.

Du hast die Idee aus Marburg mit in deine Heimat nach München gebracht, zu Konstantin und Katharina. Wie waren die ersten Monate nachdem ihr den Laden gegründet hattet?

Katharina: Keiner von uns hatte vorher Erfahrungen im Einzelhandel. Wir mussten erstmal die Bestellmengen der Lebensmittel einschätzen lernen: Was wollen die Leute kaufen und was wollen sie gar nicht kaufen? Und wie viel brauchen wir für wie viel Menschen? Das ist immer noch schwierig. An einem Tag werden nur Bananen gekauften, am anderen Tag gefühlt gar keine. Und dann gibt’s immer ein Lebensmittel, das komischerweise raussticht – ohne dass die Leute sich absprechen, wird das besonders oft kauft.

Seht ihr euch als bayerisches Projekt?

Katharina: Ja, weil wir regional unsere Bauern unterstützen. Wir haben auch einige Bauern, die hier um die Ecke sind. Unsere Eier beziehen wir von Bauern aus Bayern. Und alles, was sonst regional geht: Salat, Kartoffeln und so weiter.

Holt ihr eure Ware persönlich bei den Bauern ab?

Johannes: Ganz am Anfang sind wir selbst zu den Erzeugern rausgefahren. Da haben wir noch ganz idealistisch gedacht, wir brauchen keinen Großhändler. Dann haben wir aber ziemlich schnell gemerkt, dass es unsinnig ist, wegen einer Kiste Zwiebeln zum einen Erzeuger zu fahren und wegen der Kiste Kartoffeln dann zum nächsten. Diese Erzeuger waren alle bei der Erzeugergenossenschaft Tagwerk organisiert und haben sehr positiv darüber gesprochen. Also haben wir auch bei Tagwerk vorbeigeschaut und werden jetzt von ihnen beliefert.

Auch wenn es euch mit dem Laden nicht darum geht, große Profite zu machen: Könnt ihr euch für eure Arbeit ein Gehalt zahlen?

Johannes: Momentan ist es ein Projekt, in das wir unglaublich viel Herzblut reinstecken. Finanziell kommt für uns noch nicht so viel raus. Es bleibt zwar Geld übrig, aber da wir wachsen wollen, nehmen wir uns nichts raus, sondern entwickeln damit das Projekt weiter. Der Fakt, dass es in anderen Städten auch funktioniert und die Leute dort normal bezahlt werden, stimmt mich in der Hinsicht ganz positiv.

Gehst du ab und zu auch noch im normalen Supermarkt einkaufen?

Johannes: Ich war schon sehr, sehr lange nicht mehr in einem anderen Laden. Nur mal so zwischendrin unterwegs, ein Getränk gekauft oder so. Aber tatsächlich zum Lebensmittel einkaufen war ich extrem lange nicht mehr woanders. Ich komme total gut hin mit unserem Sortiment. Und ich glaube, für die meisten unserer Mitglieder, funktioniert das auch ganz gut.

 


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