28/10/2015

Kathrin Lang, Wolfgang Rößler und Nina Wolf
NJU Studio
Designkollektiv aus Coburg

„Man ist hier nicht so abgelenkt und hat einen freien Kopf, um besondere Sachen zu entwickeln.“

Unter dem Namen NJU Studio gestalten die drei Designer Kathrin Lang, Wolfgang Rößler und Nina Wolf seit fünf Jahren Accessoires, Möbel und Objekte. Ihre größte Aufgabe sehen sie darin, Integrationshilfen für die digitale Evolution zu konstruieren – und diese natürlich auch hübsch aussehen zu lassen.

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icon_interviewPULS: Wie habt ihr zusammen gefunden?

Wolfgang Rößler: Wir drei Kernköpfe kennen uns aus dem Studium und haben währenddessen schon ein Gestalter-Kollektiv gegründet, einen gemeinnützigen Verein namens „Wir gestalten“. Das Ziel war einfach einen fächerübergreifenden Austausch zwischen den verschiedenen gestalterischen Studiengängen zu schaffen, weil die damals einfach noch nicht so vernetzt waren, wie man sich das gewünscht hätte. Wir haben dann einen Lehrstand in der Stadt bezogen und da ein Ladenlokal aufgemacht. Der Verein hat dann ein paar Projekte für die Stadt übernommen, dadurch kamen dann weitere Aufträge und so ist dann 2010 NJU Studio entstanden.

Was macht NJU Studio so besonders?

Das dürfte wohl unsere Arbeitsweise sein. Wir beschäftigen uns oft mit gesellschaftlichen Phänomenen und Veränderungen im Alltag. In unserer Diplomarbeit ging es beispielsweise um „Integrationshilfen für die digitale Evolution“. Wir arbeiten also mit Assoziationen und Wortspielen und manchmal auch mit einem Hang zum Absurden.

Worauf seid ihr besonders stolz?

Unser Top-Seller ist der „Hockenheimer“. Das ist ein Magazin-Hocker, wo wir quasi nur einen Sockel, zwei Lederbänder und njustudio - hockenheimerein Kissen liefern. Der Kunde kann sich dann mit Hilfe der Zeitungen, die er sonst einfach wegwerfen würde, selbst einen Hocker bauen. Oder man benutzt Magazine, die man eher aufbewahren möchte und die auch eine Art Statement sind – dass man eben gerade dieses oder jenes Magazin liest. Vor etwa zwei Jahren hatten wir damit eine unglaubliche Medienpräsenz – auch weltweit. Da kamen dann plötzlich Anfragen aus Kanada und Magazine aus Neuseeland haben über uns geschrieben. Das war schon toll. Und dadurch, dass unsere Produkte ja eine Geschichte haben, passiert es auch oft, dass wir E-Mails von Leuten bekommen, die sich für die Idee oder so bedanken und sowas ist einfach schon toll, wenn man so eine Rückmeldung bekommt, ohne dass man da vorher mit den Leuten in Kontakt war. Das freut uns dann immer sehr, wenn sowas kommt.

Ihr seid also schon international bekannt. Produziert ihr auch international?

Nein. In Oberfranken gab’s früher ja eine sehr große Möbel-Industrie, die leider im Zuge der Globalisierung etwas gelitten hat. Aber es ist eigentlich unglaublich, was man hier für Firmen und Produzierendes Gewerbe entdeckt. Es gibt so im njustudio-stromer-whitered-detail50km Kreis um Coburg herum für unseren momentanen Bedarf ein ziemlich gutes Firmen- oder Handwerkernetzwerk. Zum Beispiel jetzt auch unser „Stromer“: die Steckdose kommt von einer Firma aus Lichtenfels, wo man jetzt nie erwarten würde, dass sowas überhaupt noch in Deutschland produziert wird. Das ist oft auch ein bisschen skurril, weil man merkwürdige Firmen oder alte Führungspersönlichkeiten findet. Es ist toll, einen persönlichen Kontakt mit den Firmen und Handwerkern zu haben.

War es für euch jemals Thema, mit der Firma eventuell in eine größere Stadt umzusiedeln?

Ja, schon. Das ist auch immer noch im Gespräch. Aber man hat in Coburg halt auch viele Vorteile. Es ist sehr familiär, wir haben hier ein gutes Netzwerk und wir drei sind auch alle Dozenten an der FH oder machen Lehraufträge. Dadurch haben wir dann wiederum guten Kontakt und Anbindung zu Studenten und eventuell dann auch neue Mitarbeiter. Wobei die Mitarbeitersuche trotzdem nicht leicht ist, weil Coburg einfach ein bisschen eine Randregion ist. Aber wir sehen auch das positiv: Man ist hier nicht so abgelenkt und hat einen freien Kopf, um besondere Sachen zu entwickeln.

Wie beeinflusst denn Coburg eure Arbeit?

Naja, zuerst: keiner von uns ist echter Coburger. Wir haben uns hier kennengelernt und uns dann für Coburg als Firmensitz entschieden. Man ist zwar nicht direkt am Puls der Zeit, aber Coburg hat natürlich den Vorteil, dass die Mieten relativ günstig sind und man eine enorme dichte an Zulieferern hat. Das ist schon eine Besonderheit dieser Region und sehr positiv.

Was waren die größten Hürden beim Aufbauen der Firma?

Ja da gab’s natürlich schon Schwierigkeiten. Bei uns war das njustudio-new-folder-minihauptsächlich so Verwaltungs-Zeug. Besonders die Frage, welche Rechtsform unser Unternehmen haben soll, da wir ja zum einen fertige Produkte über unseren Online-Shop verkaufen, dann aber auch noch ganz „normale“ Konzept- und Gestaltungsarbeit für Firmen anbieten. Bei dem einen ist man „Gewerbe“ beim anderen eher „Freischaffend“. Letztlich haben wir jetzt zwei Firmen. Für uns gehört das irgendwie zusammen, aber vor der Steuer oder für bestimmte Ämter muss man das einfach immer trennen.

Aber das habt ihr ja mittlerweile bestimmt schon drauf, oder?

Ja, wir versuchen’s.

Was steht bei euch als nächstes an?

Wir haben uns jetzt ein neues Themenfeld definiert. „Fluid Life“ heißt das und wird sich mit der Entgrenzung auseinandersetzen, die derzeit überall stattfindet, sei es beim Thema Familienstrukturen, Flüchtlinge oder Lebensläufen. Überall lösen sich Strukturen auf. Wir versuchen da Lösungsansätze zu finden oder in Produkten solche Probleme darzustellen und zu visualisieren. Die Ergebnisse wollen wir dann im April auf einer großen Möbelmesse in Mailand präsentieren.

Sorry, zur entsprechenden Suchanfrage konnte leider kein Ergebnis gefunden werden.