01/12/2017

Bettina Junkersdorf (35)
New Seed
Upcycling von Kletterseilen

 „Ein paar Seile weiterzuverarbeiten, hilft jetzt nicht so viel. Deswegen sammle ich sie bundesweit ein.“

Ein Haufen alter Kletterseile und eine gute Idee. Eigentlich ist Bettina Junkersdorf aus Rosenheim Musikerin. Doch seit gut einem Jahr hat sie einen neuen Beruf: Sie schnappt sich weggeworfene Seile und macht daraus neue Designer-Stücke. Vom Chalkbag über Gürtel bis hin zu Hundezubehör. Nachhaltig, fair und sozial.

PULS: Du machst aus alten Kletterseilen neue Accessoires für Kletterer, Hundezubehör und vieles mehr. Wie bist du auf diese Idee gekommen?

Bettina Junkersdorf: Angefangen hat es beim Klettern, dass ich mir gedacht habe: Was passiert eigentlich mit den alten Kletterseilen? Und als ich dann erfahren habe, dass die Kletterhallen wirklich ein Problem mit ihren Seilen haben und nicht wissen wohin damit, hab‘ ich mir gedacht: Das kann nicht wahr sein. Ich hab‘ dann ein altes Kletterseil genommen, ein bisschen rumprobiert, gemerkt, was man alles daraus herstellen kann und wie viel Spaß mir das macht. Und dann kam der Gedanke auf: Es hilft nicht so viel, nur ein paar Seile weiterzuverarbeiten. Deswegen sammle ich die bundesweit ein und versuche, möglichst viel Abfall zu neuen Produkten zu verarbeiten.

Wie läuft das ab?

Es gibt Recycling-Stationen. Die Kletterhallen können dort ihre eigenen Seile entsorgen, genauso wie Privatleute. Ich hole die alten Seile bei den Kletterhallen in der Region ab. Die anderen stecken die in einen Karton, werden von DHL abgeholt und direkt an eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung gebracht. Die Seile werden dort professionell gereinigt, vorbereitet, dann kommt alles wieder zu mit und je nach Auftrag werden sie von Leuten in Heimarbeit oder von einer großen Näherei weiter verarbeitet.

Reichen die Seile aus den Recycling-Stationen, oder musst du noch woanders was sammeln oder sogar kaufen?

Also gekauft wird ganz bestimmt nichts, das wäre völlig irrsinnig und würde die ganze Idee zunichtemachen. Ich muss eben einfach das, was ich verkaufe darauf abstimmen wie viel Material ich wirklich habe. Das ist beim Upcycling einfach so. Man kann das Material nicht nachkaufen und muss einfach gut sammeln. Aber es ist schon ordentlich was zusammengekommen. Seit Anfang des Jahres haben wir bis jetzt eine Tonne Kletterseil, das sind ein paar Kilometer und da kann man schon ordentlich was draus machen. Manchmal bekomme ich auch Textilien aus Verschnitt, so viel, dass ich gar nicht alles nehmen kann. Und die Stoffe verwenden wir auch, z.B. für Futterbeutel für Hunde, also auch da wurde nichts dazu gekauft.

Können Leute, die ihre Kletterseile spenden auch einen Wunsch äußern, was aus ihrem Kletterseil wird?      

Auf jeden Fall. Wenn mich jetzt jemand direkt auf der Homepage anschreibt und sagt: Hey, ich hab da ein altes Seil, kann man da was Schönes draus machen, irgendwie ein Special-Geschenk für jemanden, dann kann man das auf jeden Fall machen. Wenn die Leute natürlich relativ anonym in der Kletterhalle ihr Seil wegschmeißen, dann ist das nicht mehr nachvollziehbar. Also da müsste man sich direkt an mich wenden. Viele persönliche Anfragen gab´s noch nicht, aber möglich ist es.

O’zapft is, Barbie, Hansi. Deine Produkte haben ja sehr lustige und verrückte Namen. Wie kommt’s?

Also irgendwie müssen die Produkte ja heißen (lacht). Ich schau mir die Sachen einfach an und bekomme dann so ein Gefühl, das könnte jetzt ein Hansi sein oder eine Barbie oder so. Ich muss selber immer ein bisschen grinsen, wenn ich dann so einen Namen gefunden habe. Ich schreib‘ dann auch manchmal an meine Kunden: Hansi ist jetzt auf dem Weg zu dir.

Welche Rolle spielen Regionalität und vor allem Nachhaltigkeit für dein Projekt?

Regionalität spielt in der Hinsicht eine Rolle, dass ich einfach so wenig wie möglich Transportwege habe. Ich habe hier die Leute, die an den Produkten arbeiten, die Behindertenwerkstätte ist im Berchtesgadener Land, also das ist alles recht nah. Und Nachhaltigkeit ist eigentlich die Grundidee, warum ich das alles überhaupt gestartet habe. Wir haben ungefähr 500.000 aktive Kletterer und ca. 400 Kletterhallen. Da kommen jede Menge Kletterseile zusammen, mit denen irgendwann nicht mehr geklettert werden kann. Dann landet es oft irgendwo im Keller. Ich hätte nicht gedacht, dass so viele private Kletterer mir ihre Seile geben und einfach froh darüber sind, dass es noch einen neuen Nutzen hat. Und sie damit auch noch soziale Projekte unterstützen und was Gutes tun können. Deswegen ist Nachhaltigkeit ein wichtiger Punkt. Oder sogar der wichtigste.

Was war dein schönstes Erlebnis bisher?

Was auf jeden Fall etwas ist, was mir unglaublich viel Spaß macht, ist die Zusammenarbeit mit der Behindertenwerkstätte. Das finde ich einfach wunderschön, weil die Leute sich so freuen, wenn man kommt. Die meisten Seile werden ja nicht so, wie sie sind, verarbeitet, sondern müssen erst vorbereitet werden und das macht den Menschen dort einfach viel Spaß. Und es funktioniert so reibungslos. Also, wenn man an einer Sache arbeitet und merkt, da kommt auch viel zurück, das sind eigentlich die schönsten Momente.

Welcher Rat hätte dir am Anfang helfen können?

Es kann sogar sein, dass ich diesen Rat irgendwann schon einmal bekommen habe. Das ist wie, wenn man anfängt zu studieren und einem jeder sagt, dass man von Anfang an brav mitlernen muss und keiner macht´s, weil am Anfang jeder denkt: Ach geht schon irgendwie. Bei mir war das ähnlich. Ich bin ziemlich kreativ und hatte tausend Ideen, dabei habe ich die Struktur ein bisschen vernachlässigt. Wenn man von Anfang an alles dokumentiert und aufzeichnet, alles genau macht, dann spart man sich die Arbeit natürlich im Nachhinein. Das wäre ein guter Rat gewesen. Ich weiß aber nicht, ob ich den befolgt hätte, ohne irgendwie selbst zu merken, dass es jetzt langsam notwendig wird.

Wie geht’s weiter?

Ich würde sagen: Es geht einfach so weiter, wie bisher. Ich glaube, dass sich das alles sehr positiv entwickelt und ich mache mir eigentlich gar nicht so viele Gedanken drüber. Aber ich hoffe, dass ich ein kleines Team zusammen bekommen werde, so dass man sich die Arbeit ein bisschen aufteilen kann. Wenn jeder in dem Bereich, in dem er gut ist, einfach das Beste leisten kann, dann wäre ich schon ziemlich happy.


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