05/09/2019

Nero Holzkohle - Regionale Bio-Holzkohle

Aaron Armah und Jakob Hemmers

Mit Bioholzkohle kann man guten Gewissens grillen.

Zwei Drittel der weltweit produzierten Holzkohle kommen aus Afrika. Die Auswirkungen sind verheerend: Regenwald wird abgeholzt und Böden gehen kaputt. Aaron Armah und Jakob Hemmers machen es anders: Mit ihrem Augsburger Startup Nero Grillkohle bieten sie eine CO2-neutrale Bioholzkohle an.

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PULS: Wie kamt ihr auf die Idee mit der Bioholzkohle?

Aaron: Wir sind begeisterter Griller. Auf einer gemeinsamen Reise in Ghana haben wir Meiler gesehen, in denen Holzkohle hergestellt wird. Allerdings nicht für den lokalen Markt, sondern für Europa. Die Kohle aus Ghana landet bei uns auf dem Grill. Dafür verschwinden ganze Landstriche Regenwald, die Erde vertrocknet und der Boden verändert sich.

Jakob: Das gibt’s nicht nur in Ghana, sondern auch in anderen afrikanischen Ländern und Südamerika: Ein großer Teil der Holzkohle wird aus den Tropen zu uns importiert. Das muss nicht sein. Wir wollten die Thematik angehen. Deshalb haben wir eine Möglichkeit gefunden, Bioholzkohle sinnvoll in Europa zu produzieren, sodass sie CO2-neutral ist.

Wie macht ihr das?

Aaron: Wir holen das Holz aus nachwachsenden, bio-zertifizierten Wäldern in Saarbrücken und Frankreich. Die Wälder erfüllen hohe Standards, was die Bewirtschaftung angeht und wachsen jedes Jahr um mindestens zehn Prozent. Wir verwenden nur Holz, das für Möbel und Ähnliches nicht verwendet werden kann. Weiterverarbeitet wird das Holz dann in Frankreich in einem Werk, das aus der überschüssigen Energie Ökostrom herstellt.

Aber durch das Grillen entsteht doch auch wieder CO2. Wäre nicht ein Elektro- oder Gasgrill sinnvoller?

Jakob: Das hängt von der Quelle ab: Wenn ich eine Holzkohle mit einer sehr schlechten CO2-Bilanz nehme, ist es besser mit Gas oder mit Strom zu grillen. Man muss sich aber auch da fragen: Wo kommt der Strom und das Gas her? Wenn ich den Strom aus einem Kohlekraftwerk gewinne, ist die CO2-Bilanz auch nicht sonderlich gut. Es gibt also keine pauschale Antwort. Wichtig ist bei der Holzkohle, dass sie aus nachhaltigen Wäldern stammt. Sprich: dass man nicht mehr rausnimmt, als nach wächst und damit der Verschwendung, den illegalen Rodungen und dem Raubbau einen Riegel vorschiebt. Dann kann man damit guten Gewissens grillen.

Wie steht es um die Rauchschwaden? Die sind ja auch nicht besonders förderlich und zudem krebserregend.

Jakob: Das stimmt. Aber den Rauch erzeugt nicht die Kohle, sondern hauptsächlich das Fett, das in die Kohle tropft. Wenn man das unterbindet und qualitativ hochwertige Kohle verwendet, hat man einen rauchfreien Grill.

Wie kamt ihr zum Gründen?

Aaron: Vor Nero habe ich Bauingenieurswesen studiert, in der Statik gearbeitet und dann auch als Bauleiter. Ich war aber so begeistert von der Idee eine Alternative im Bereich der Holzkohle auf den Markt zu entwickeln und als Gründer von Null an etwas aus dem Boden zu stampfen, dass ich gesagt habe: Auf geht’s, try and error.

Jakob: Ich habe Informatik studiert und in diesem Bereich gearbeitet. Wir hatten schon länger die Idee zusammen etwas zu gründen. Daher habe ich meinen Job an den Nagel gehängt. Bisher habe ich es nie bereut, auch wenn wir mit vielen Höhen und Tiefen und anstrengenden Momenten konfrontiert sind. Das Schöne ist: Wir machen jeden Tag etwas anderes, ob das Logistik, Vertrieb, Marketing oder Pressearbeit ist.

Was ist euer Erfolgsrezept?

Jakob: Wir kennen uns aus der Kindergarten und Schulzeit und hatten uns nie aus den Augen verloren. Wir können uns sehr gut einschätzen, kennen unsere Stärken und Schwächen und ergänzen uns. Das ist eine wichtige Basis.

Welches war die größte Hürde?

Jakob: Am Anfang sind wir mit einem Produkt aus Sägemehl gestartet – ein sehr hochwertiges, aber auch teures Produkt. Wir mussten einsehen, dass der Kunde nicht bereit ist, es zu bezahlen. Das hatten wir damals ein bisschen unterschätzt. Deshalb haben wir einen Neustart mit der Bioholzkohle hingelegt, mussten uns dafür aber nochmal komplett neu erfinden.

Man muss eigentlich mit einer gewissen Naivität herangehen, weil: Wenn man von vornherein weiß, was auf einen zukommt, macht man es nicht. Das ist ganz klar. Es ist heute noch so: Wenn wir unsere Idee anderen Leuten vorstellen, kommen uns viele Fragezeichen entgegen. Aber je mehr wir erklären, desto mehr leuchtet es den Leuten ein. Bisher zeigt sich, dass unser Weg nicht komplett bescheuert war.

Aaron: Auch das Thema Finanzierung war zu Beginn nicht so leicht – wie bei so vielen. Am Anfang haben wir uns komplett aus Ersparnissen aus unseren bisherigen Berufen finanziert. Danach haben wir zwei Crowdfunding-Kampagnen umgesetzt und mittlerweile haben wir einen kleinen Investor mit an Bord.

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