04/10/2015

Carina Schichtl (30) und Tanja Roos (30)
Nectar & Pulse
Personalisierte Reiseführer

„Mit 90 werden wir auch noch rumjetten. Dann halt nur noch First Class mit eigenem Flugzeug.“

Reiseführer gibt es unzählbar viele und alle sind irgendwie gleich. Doch nicht jeder hat Lust, nur die Sehenswürdigkeiten einer Stadt abzuklappern. Deswegen machen Tanja und Carina unter dem Label "Nectar & Pulse" personalisierte Travelguides. Dabei entscheidet der Leser, welcher "Soulmate" ihm seine Lieblings-Spots verrät.

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icon_interviewPULS: Braucht man heute eigentlich noch Reiseführer? Man kann sich doch alle Infos aus dem Internet holen..

Tanja Roos: Das stimmt. Aber was für unseren Reiseführer spricht, ist eben die Kuration. Du sparst dir letztendlich die Zeit, alles zusammenzusuchen. Und unsere Travelguides sind individualisierbar. Du kannst dir bei uns die Leute rauspicken, wir nennen sie Soulmates, die am besten zu dir und deinen Interessen passen. Von denen bekommst du dann Tipps für die jeweilige Stadt. Wir legen dabei sehr viel Wert darauf, dass alle Spots, die wir zeigen, auch authentisch sind, vom Inhaber geführt werden und eine Seele haben.

Und wie findet ihr eure Soulmates?

guide_munich_annaTanja: Begonnen hat das mit Freunden und Freunden von Freunden. Das hat sich dann immer so weiterentwickelt, mittlerweile bekommen wir ganz viele Bewerbungen von Leuten, die gerne dabei wären. Dabei müssen wir uns natürlich ein bisschen auf unsere Menschenkenntnis und Intuition verlassen.

Carina Schichtl: Auf der einen Seite wählen wir die Locals natürlich so aus, dass man ihnen vertrauen kann und weiß, dass ihre Tipps auch gut sind. Aber um die Qualität zu gewährleisten recherchieren wir alle Tipps natürlich nochmal nach.

Als ihr euren ersten Travelguide in der Hand gehalten habt, wie habt ihr ihn an den Mann gebracht?

Carina: Wir haben zu Beginn erst einmal nur einen Nectar&Pulse_0629Travelguide für Stockholm gelauncht. Wir waren so überzeugt von dem Produkt, dass wir wirklich von Tür zu Tür gelaufen sind, jeden Shop, jedes Museum abgeklappert und das direkt an die Leute verkauft haben. Der Stockholm-Guide war auch der erfolgreichste, weil wir so überzeugt waren und jedem einen in die Hand gedrückt haben.

Tanja: Wir haben dann auch auf Märkten und Messen ausgestellt und anhand des ersten Guides das Konzept erklärt. So ist immer mehr Interesse aufgekommen, auch für andere Städte, und dann hat sich das über Mundpropaganda verbreitet. Aber wenn man das aus eigener Kasse zahlt und kein großes Unternehmen dahinter stehen hat, wächst man natürlich langsamer. Wir hatten zwar auch Angebote von größeren Firmen, die bereit waren, mehr Kohle reinzustecken, aber wir wollten immer natürlich und gesund wachsen und unabhängig bleiben.

Was waren die größten Hürden?

Tanja: Wenn man ein Unternehmens gründet, gibt es immer Ups and Downs. Gerade das Finanzielle, bis das mal in die Gänge kommt und auch was reinkommt. Dafür braucht man schon Ausdauer. Und auch, das Ganze mit einer Freundin zu machen. Wir hatten immer wieder unsere Konflikte. Aber wir haben eine super Kommunikationspolitik eingeführt, dass jeder immer ausspricht, was einen stört. Und somit gibt’s uns jetzt schon sechs Jahre.

Nectar&Pulse_0160Carina: Die große Vision, die Begeisterung für die Idee und unsere Freundschaft haben uns immer wieder zum Weitermachen bewegt. Grundsätzlich muss man in einem Startup halt immer offen sein für andere Möglichkeiten. Wir haben in den letzten Jahren zum Beispiel auch viele Projekte für Firmen umgesetzt, die unseren Content in neuer Form haben wollten. Da haben wir einen Urban Bike Guide für Berlin und München erstellt oder einen Design Research Trip organisiert.

Wieviel Zeit verbringt ihr selbst damit zu reisen?

Tanja: Schon sehr viel. Wir haben in den letzten eineinhalb Jahren für eine Firma unsere Soulmates nochmal besucht, gemeinsam deren Lieblings-Spots besucht und das alles filmisch festgehalten. Dadurch sind wir sehr viel gereist, von Amerika über den Oman bis auf die Malediven.

Carina: Da haben wir in einem Jahr zwölf Filme umgesetzt, sind also einmal im Monat unterwegs gewesen.

Man kann ja immer schön sehen, wo ihr unterwegs seid, wenn man euch auf Facebook oder Instagram folgt. Wie wichtig sind die sozialen Medien für eure Firma?

Tanja: Bis jetzt waren die immer sehr wichtig, auch um mit profile_all_2unseren Soulmates in Kontakt zu bleiben und zu zeigen, was wir gerade machen. Oder um sie überhaupt kennen zu lernen. Wenn wir unsere Soulmates dann das erste Mal treffen haben wir oft das Gefühl, dass wir sie eh schon voll lange kennen. Und man kann die Menschen international erreichen. So bekommen wir über die sozialen Kanäle auch Bewerbungen aus China und Südamerika.

Carina: Grundsätzlich ist Social Media natürlich essentiell für Startups wie unseres, weil man mit wenig Aufwand und geringem Budget sehr viele Menschen erreichen kann.

Reiseführer, kann man das ewig machen? Oder glaubt ihr, dass ihr irgendwann vom Reisen die Schnauze voll habt?

Carina: Ich glaube wir sind beide sehr neugierig und lieben es, neue Dinge zu sehen. Die Welt ist so riesig, da glaube ich nicht, dass uns irgendwann langweilig wird.

Tanja: Mit 90 werden wir auch noch rumjetten. Dann halt nur noch First Class mit eigenem Flugzeug.

Sorry, zur entsprechenden Suchanfrage konnte leider kein Ergebnis gefunden werden.