04/07/2016

Viktoria Schmidt, 28
nearBees
Honig aus der Nachbarschaft

„Die Biene ist das drittwichtigste Nutztier in Deutschland.“

Viktoria Schmidt hat eine Mission: Sie will die Honigbiene retten. Dafür hat sie einen ungewöhnlichen Weg gewählt: die Onlineplattform nearBees. Darüber kann jeder Honig aus der Nachbarschaft kaufen oder verkaufen – ein neuer Weg der Honigvermarktung.

nearBees_Ideengeberin-Vikto

icon_interview

PULS: Viktoria, wieso widmest du den Bienen eine Online-Plattform?

Viktoria Schmidt: Die Bedeutung der Bienen wurde mir eigentlich erst bewusst, als mein Opa aufgehört hat zu Imkern. Meine Großeltern wohnen auf einem Bauernhof mit einem großen Obstgarten. Man hat das dann an den Erträgen gespürt, es waren auf einmal fast keine Kirschen mehr da. Also habe ich selbst angefangen, Bienen zu halten und bin ich über das Problem gestolpert, zu viel eigenen Honig zu haben. Auf der anderen Seite habe ich immer wieder Leute getroffen, die lokalen Honig wollten. Aber die meisten Imker haben kein Schild mehr an der Tür hängen, auf dem steht „Hier Honig vom Imker“, weil sie in Vollzeit berufstätig sind. Das heißt, die Honigvermarktung muss sich an die Lebensumstände und Anforderungen der modernen Imker anpassen. Während meiner Masterarbeit habe ich die Grundidee der Plattform nearBees.de entwickelt, damit Jungimker einen Anreiz haben, auch über den Eigenbedarf hinaus Bienen zu halten.

nearBees_Suche nach Bienen in deiner NachbarschaftWie funktioniert nearBees?

Imker können auf der Plattform ein Onlineprofil erstellen und ihren Honig zum Verkauf anbieten. Sie können Angaben zu ihren Bienen und zum Standort machen, zum Beispiel welche Pflanzen da wachsen, Kunden können auf unserer Plattform ganz einfach ihre Adresse angeben, kriegen präzise die Imker in ihrer Nachbarschaft angezeigt und können dort direkt mit einem Klick bestellen. Unser Honig wird nicht im Glas verschickt, sondern in einer ganz flachen Versandverpackung. Das ist ein Nachfüllbeutel, den man an einem Eck aufschneidet und den Honig dann Zuhause in ein Gefäß umfüllt. Man hat geringe Versandkosten und einen geringen CO2-Fußabdruck.

nearBees_HonigtopfDas heißt, man bekommt oft erst durch euch mit, wie viele Imker eigentlich bei mir um die Ecke sitzen?

Ja. In Berlin gibt es zum Beispiel über 1200 Imker. München war lange Zeit die deutsche Hauptstadt der Bienen, das wurde jetzt knapp überholt im letzten Jahr. Es gibt unglaublich viele Imker, vor allem in den boomenden städtischen Regionen, einfach weil da sehr viele junge Leute das Hobby für sich entdecken.

Warum sollte ich regionalen Honig kaufen, und nicht einfach den aus dem Supermarkt nehmen? 

In Deutschland ist fast 80 Prozent des Honigs importiert, er stammt aus Mexiko, Argentinien, China. In diesen Ländern gelten ganz andere Restriktionen in Bezug auf Pestizide, die Verwendung von Antibiotika oder den Einsatz von gentechnisch veränderten Pflanzen. All das kann zu Rückständen im Honig führen.

Warum ist es dir so wichtig, die Biene zu retten?

Ungefähr ein Drittel aller Lebensmittel hängen direkt oder indirekt von der Biene ab. Sie ist das drittwichtigste Nutztier in Deutschland, nach Schwein und Rind. Wenn man sich einen Supermarkt ohne Bienen vorstellt, ist er ziemlich leer. Aber nicht nur unsere Lebensmittel werden weniger abwechslungsreich, sondern auch die Natur. Wenn es keine Bienen mehr gibt, dann können sich viele Pflanzen nicht mehr vermehren, es gibt weniger Insekten, Vögel finden nicht genug zu fressen. Die Artenvielfalt würde rapide zurück gehen.

nearBees_Eine der nearBees-TeambienenWelche Rolle spielt Bayern für dich und nearBees?

Prinzipiell war es ein Zufall, dass wir hier in München das Projekt gestartet haben. Wir kommen alle von hier und haben zusammen studiert. Aber darüber hinaus ist Bayern das Bundesland mit den allermeisten Imkern und den allermeisten Bienenvölkern. Als Agrarwirtschaft hatte die Biene hier schon immer einen extrem hohen Stellenwert. Bayern und München sind für uns das Zentrum der Bienenhaltung in Europa. Also sind wir genau am richtigen Ort.

Welches war bislang der Moment, an dem du gedacht hast: Es ist super was ich hier mache?

Ich hab oft das Gefühl, dass ich das Richtige tue. Wir bekommen häufig positive Rückmeldungen. Zum Beispiel haben wir gerade sehr hohe Imker-Anmeldezahlen, wir sehen also, dass Bedarf da ist. Und so lange ich immer noch in einem Supermarkt vor einem einen Meter breiten Regal stehe und dort ist kein Honig aus der unmittelbaren Nachbarschaft des Supermarkts oder zumindest aus der gleichen Stadt, dann weiß ich, dass wir noch was zu tun haben.

nearBees_Honigfru¦êhstu¦êck-2Ein Honigverkaufs-Startup zu gründen stelle ich mir ziemlich schwierig vor. Was hat euch besonders viele Nerven gekostet?

Wir hatten und haben oftmals das Problem, dass uns Vereine oder ehrenamtlich getragene Bienenrettungs-Projekte nicht als Partner sehen, mit dem man zusammen viel erreichen kann, sondern als Konkurrenten. Auf der anderen Seite ist zum Beispiel die Finanzierung ein Problem. Wir passen als Startup nicht in den Tech-Bereich, aber auch nicht so richtig in den Food-Bereich, aber auf gar keinen Fall passen wir in den Bereich der Stiftungen und „Wir machen was Ehrenamtliches“. Es ist also manchmal schwierig seinen Standpunkt zu finden.

Auf welches nächste große Ziel arbeitet ihr hin?

Im Moment arbeiten daran, unseren Honig im Einzelhandel und in Supermärkten unterzubringen. Beide sind für Hobbyimker kaum zugänglich, weil sie viel zu geringe Mengen an Honig produzieren. Mit unserem Netzwerk allerdings können wir genug Honig sammeln, um auch Nahversorger zu beliefern.

 

Sorry, zur entsprechenden Suchanfrage konnte leider kein Ergebnis gefunden werden.