13/08/2019

My Voiceprint - Kunst aus Tönen

Sarah & Jonas Engel

Das besonderste Geräusch, das wir drucken durften, war der erste Schrei eines kleinen Mädchens. Das gibt’s nur einmal im Leben.“

Wir alle haben Sätze oder Sprüche im Kopf, die unsere Liebsten gesagt oder geprägt haben. Dazu vielleicht noch ihre Stimme. Sarah und Jonas Engel, beide 30, machen diese Stimmen und andere Geräusche sichtbar.

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PULS: Ihr habt euch im Studium kennengelernt, habt dann beide in der Medienbranche gearbeitet. Jetzt seid ihr Anfang 30 und habt einfach schon euer zweites Unternehmen gegründet – erzählt mal!

Jonas: Wir haben irgendwann festgestellt, dass wir uns nicht auf die Arbeit am nächsten Tag freuen. Dann haben wir uns gefragt, wieso das so ist und wie wir das ändern könnten. Sarah ist Kamerafrau, ich bin Cutter – kreativ sind wir beide und deswegen haben wir uns mit einer Hochzeitsvideo-Firma selbstständig gemacht. Nachdem bei Sarah allerdings Epilepsie diagnostiziert wurde, war uns klar, dass der stressige Job als Hochzeitsfilmer ihr und uns irgendwann zuviel werden könnte, deswegen haben wir jetzt mit “My Voiceprint” noch ein zweites Standbein aufgebaut.

PULS: Ihr macht Wörter, Stimmen, Sätze, Geräusche – eben jede Art von Ton -sichtbar, druckt die Tonausschläge, die man sonst nur in Schnittprogrammen sehen kann, aus. Wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Jonas: Eines Tages kam ein Brautpaar zu uns ins Studio und wollte uns zuschauen beim Schneiden. Ich war gerade dabei den Ton aus der Kirche abzumischen und der Bräutigam wollte unbedingt sehen, wie es aussieht, wenn er “Ja” sagt. Dann hab ich ihm diese Stimmen-Sequenz aus der Kirche vergrößert auf dem Bildschirm gezeigt und er wollte gerne einen Screenshot haben, um sich das auszudrucken. Das fand ich aber zu technisch und nicht schön, weil in Schnittprogrammen ist das nicht besonders hübsch. Also hab ich überlegt, wie ich ihm das schön überreichen kann. So haben wir dann eine Leinwand gemacht, wo sein Jawort und ihr Jawort sich gegenüberstehen und haben ihnen das geschenkt. Und von da an nahm das seinen Lauf, dass immer mehr Leute kamen und ihre Jaworte oder “Ich liebe dich” oder irgendwas haben wollten. So sind wir dann mit den Wünschen unserer Kunden gewachsen.

PULS: Was macht denn euer Unternehmen so besonders?

Sarah: Dass wir Stimmen sichtbar machen können. Du kannst bei uns wirklich jedes Geräusch, das dir wichtig ist, oder das du auch nur lustig findest, hochladen und auf sämtliche Produkte vom Kissen über die Tasse zur Leinwand drucken und dir sogar die Farbe aussuchen.

Das Besondere an unserem Unternehmen ist auch: Ich habe Epilepsie. Deswegen möchten wir unser Unternehmen zukünftig Epileptiker-freundlich gestalten. Dazu gehört unter anderem, dass wir einen Ruheraum einrichten möchten, wenn man einen Anfall hatte, dass man sich dort ausruhen kann. Wir werden zum Beispiel Tischkanten mit Schaumstoff polstern, damit man sich nicht wehtut, wenn man bei einem Anfall fällt. Außerdem wollen wir Epileptiker fordern und fördern bei uns zu arbeiten, weil sie es in der Arbeitswelt sonst nicht allzu einfach haben – bei uns sollen sie sich wohler und verstanden fühlen.

Sorry, zur entsprechenden Suchanfrage konnte leider kein Ergebnis gefunden werden.