04/10/2015

Franz Xaver Ziegler (28)
MyMusicScout.de
Plattform für Musik- und Musikeraustausch

„Wenn einer gesagt hätte: lass das – dann hätte ich es auch bleiben lassen“

Vom Bau zum Internetstartup: In Beutelsbach im Bayerischen Wald hat Franz Ziegler eine Plattform für Musiker-Vermittlung gestartet. Damit möchte er Musikschaffende in Deutschland und anliegenden Ländern vernetzen.

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icon_interviewPULS: Was genau ist MymusicScout?

Franz Ziegler: MyMusicScout ist eine Plattform und Anlaufstelle für Musiker, Bands, und musikinteressierte Leute. Hier können Musiker ein Profil anlegen und ihre Musik präsentieren – genauso können Veranstalter Musiker buchen und Musikinteressierte Lehrer für verschiedene Instrumente finden. Die Seite ist seit Frühling 2014 online. Die Grundidee kam mir, weil ich selbst viel als Musiker unterwegs bin und auch in Bands spiele. Wenn jemand ausfällt, ist es immer schwer, kurzfristig Ersatz zu finden. Das war die Idee. Die Zusatzfunktionen sind später dazugekommen.

Wie viele Mitglieder sind inzwischen online?

Es sind etwa 1700 Musiker und 500 Bands angemeldet. 90 Prozent der User sind aus Deutschland, zehn Prozent aus Österreich und der Schweiz. Momentan bewegen sich die Klicks zwischen 12000 und 15000 im Monat. Da ist noch Luft nach oben, ich arbeite momentan noch an vielen Verbesserungen.

Was genau möchtest du verbessern?
Da gibt es vieles. Eine Bewertungsfunktion ist in der Umsetzung, außerdem möchte ich Musikfilter programmieren, DSC_0277die es für Veranstalter einfacher machen, einen Musiker nach ihrem Geschmack zu finden. Ich plane, die Seite auch auf tschechisch, englisch und italienisch anzubieten, damit mehr internationaler Musikaustausch möglich wird.

Hört sich nach einem enormen Programmieraufwand an. Hast du das gelernt?

Nein. Ich komme aus einem anderen Beruf. Ich habe eine Lehre als Konstrukteur für Stahl und Metallbau gemacht und bin nun bei einer niederbayerischen Innenausbaufirma tätig. Mein Ziel ist, MymusicScout irgendwann hauptberuflich zu machen. Dafür muss das Ganze aber erst einmal laufen. Das dauert noch.

Woher kommt der Mut, ein solches Projekt neben dem Job zu stemmen?

Da kommt irgendwie der Rebell in mir durch. Ich arbeite immer für andere, komme aber selten dazu, etwas für mich zu machen. Das war ein Grund, warum ich das Projekt angepackt habe. Zudem bin ich selbst viel als Musiker unterwegs. Ich bin Bassist der Isarspatzen, die jedes Jahr zur Wiesn im Hofbräu Festzelt spielen. Und da sehe ich unter Kollegen Bedarf nach einer solchen Plattform.

Kennst du deine User?

Einige kenne ich, aber längst nicht mehr alle. Manchmal _KPB2439schreibe ich neue User an und frage sie, was man verbessern könnte. Austausch ist mir wichtig. Mir ist ein User lieber, der sich einbringt und konstruktives Feedback gibt, als einer, der von vornherein sagt: das, was ihr macht, ist scheiße.

Machst du mit der Plattform Gewinn?

Nein. Es ist ein Nullgeschäft. Die Einnahmen, die ich über Anzeigen generiere, stecke ich in den Aufbau der Seite. Für mich ist wichtig, dass der Zugriff und die Funktionalität ein gutes Niveau haben, und dass User MyMusicScout komplett kostenlos nutzen können. Das soll auch so bleiben.

Gab es einen Moment, wo du aufhören wolltest?

Das Schwierigste war zu Beginn, die Entscheidung zu treffen, dieses Projekt anzugehen und viel Geld in die Hand zu nehmen. So eine Entscheidung muss man sich gründlich überlegen. Man weiß ja davor nicht, ob es klappt. Ich habe meine Frau, meine Mutter und meinen Vater um Rat gefragt. Sie alle hinter mir. Das war meine Motivation, es zu tun. Wenn einer gesagt hätte, lass das, dann hätte ich es auch bleiben lassen. Ich lege viel Wert auf den Rat meiner Familie. Sie helfen mir mit ihrer Erfahrung und Einschätzung. Mittlerweile bin ich selbst Vater, ohne die Unterstützung meiner Frau hätte ich es nicht machen können.

Welchen Rat kannst du jungen Internetstartups geben?

Holt euch professionellen, rechtlichen Beistand. Vor allem im Online-Geschäft hast du schnell eine Abmahnung am Hals. Bei mir gab es Probleme mit dem Logo. Ich habe mir die Farben Magenta und Grün ausgesucht. Es gibt einen großen Telekommunikationskonzern, der die Farbe Magenta für sich beansprucht. Die haben mir sozusagen eine Zeit lang einen Knüppel zwischen die Beine geworfen. Wir haben uns geeinigt, dass ich die Farbe weiterverwenden darf. Das war ein langer Prozess, den ich nur mithilfe eines Anwalts bewältigen konnte. Daraus habe ich gelernt: In diesem Geschäft muss man sich rechtlich absichern. Sonst hat man verloren.

Und was sind die schönen Erlebnisse?

Mich hat mal einer aus dem tiefsten Amerika angeschrieben und gefragt: Wann denn die Seite endlich auf Englisch online geht. Das war schön.

Sorry, zur entsprechenden Suchanfrage konnte leider kein Ergebnis gefunden werden.