04/10/2015

Josef Winkler, Nicole Kling, Stephan Dettl
MUH
Magazin über Bayern

„Das Gemütliche ist ja auch so ein bayerisches Klischee, von dem wir alle wissen, dass es jenseits der Gemütlichkeit auch ausgesprochen ungemütlich zugehen kann“

Viele setzen Bayern mit Lederhose, Dirndl und Oktoberfest gleich. Die MUH will mit solchen Klischees brechen und ein anderes Bayern zeigen, eins das auch ungemütlich sein kann. Die Idee zu MUH hatte LaBrassBanda-Frontmann Stefan Dettl.

MUH Redaktion icon_interview

PULS: MUH – für was steht der Name?

Josef Winkler: Also der Titel fürs Magazin war Gott sei Dank von Anfang an da! Der Name entspringt einem Einfall von Stefan Dettl, unserem Mitgründer. Man kennt ihn von LaBrassBanda. Er wollte ein Heft über Bayern zu den Themen Musik und Heimat rausgeben – daraus wurde dann MUH. Ob er sich diese geniale Abkürzung vorher konzeptionell überlegt hat oder ob das ein Momenteinfall war, weiß ich nicht. Aber uns schien er genial. Jeder hat eine Konnotation damit, ob es jetzt die Kuh ist oder das Kinderwort. Muh ist so ein schöner Laut. Klar, haben wir dann auch die Kuh im Titel. Und dann gab’s in München noch das „Musikalische Unterholz“ – kurz Muh. Das war eine legendäre Kleinkunstbühne, die damals für das andere Bayern stand. Und untergründige Kleinkunst ist genau unsere Richtung.

Muh – auch im Sinne von Meckern?

Ja klar, jeder kann da was rein interpretieren, das ist für vieles offen. Es gibt viel her und es steckt viel drin.

MUH ist ein Magazin für „bayerisches Wesen und Unwesen, bayerische Kulturen und Unkulturen, Gemütlichkeiten und Ungemütlichkeiten“ – was bedeutet das?

(lacht) Das war der erste Satz, der in Sachen MUH je MUH 10 - Titel - kleingeschrieben worden ist. Weil das die allererste Absichtserklärung war, ein Pitch. Das ist eigentlich immer noch genial formuliert, wenn ich das so höre. Wir wollten kein Klischeeheft machen, in dem dann die bayerische Kultur und Sitte vorkommt, sondern eben auch die Unsitten, die es hier gibt. Von der „Mia-san mia“-Haltung bis zu irgendwelchen Fremdenfeindlichkeiten. Das Gemütliche ist ja auch so ein bayerisches Klischee, von dem wir alle wissen, dass es jenseits der Gemütlichkeit auch ausgesprochen ungemütlich zugehen kann. Und damit wollten wir aussagen, dass wir nicht à la Landlust und Servus nur die Gemütlichkeiten auftischen werden.

Wie ist eure Zeitschrift entstanden?

Das war 2009, als gerade das Feeling „Bayern ist irgendwie cool“ rumging. Also vor allem, als es einen Hype um bayerische Bands gab, um Mundart in Filmen und die Landlust-Zeitschriften. Anfang 2010 war dann quasi unsere Entwicklungsprozedur mit Autorensuche und alles rund um das Geschäftliche. Ein Jahr später kam dann das erste Heft. Ursprünglich war das Heft eben eine Schnapsidee von Stefan Dettl von LaBrassBanda. Der war anfangs auch unser Aushängeschild mit seiner Kolumne.

Das Herz eures Hefts ist ja schon Oberbayern. Seid ihr auch ein Frankenmagazin? Oder spielt es sich südlich der Donau ab?

Wir hatten neulich in der Vorankündigung einen Fehler drin und sofort kommt ein Keulen-Leserbrief: Ihr Oberland-MUH 1 - Titelzentrierten. Also die Oberpfälzer fühlen sich von uns schon auch diskriminiert – zum Teil. Wir wären gern Pan-Bayern und bemühen uns auch um mehr Franken im Heft. Ich ringe darum, dass es vor allem über die Grenzen Münchens rausgeht. Weil die meisten Sachen kennst du immer aus München, da gibt es die meisten Autoren und da verorten die meisten halt auch ihre Themen. Es bleibt immer viel in Oberbayern und so Oberland-Altbayern. Aber wir bemühen uns um Horizonterweiterung. Es steht und fällt natürlich auch mit dem Autorenkreis.

Warum braucht Bayern eure Zeitschrift MUH?

Ich weiß nicht, ob Bayern MUH braucht. Aber wenn man nicht nur auf Lederhosen und Oktoberfest steht, sondern ein echtes und tieferes Bayern spüren mag, ist die MUH sehr gut.

Und wie läuft es für euch?

Es lief gut an. Anfangs konnten wir auch gar nichts zahlen, MUH Standdie ersten Hefte waren geschrieben und fotografiert von Leuten, die sich mit einem MUH-Schweinsbraten honorieren ließen. Das war wirklich Idealismus. Mittlerweile können wir was zahlen. Ich selbst habe ein Einkommen wie ein Student mit gutem Nebenjob. Vernünftiger wäre natürlich ein anderer Job, aber ich will von MUH auch nicht weg, obwohl wir uns finanziell halb ruinieren. Wir bräuchten noch irgendwie einen neuen Schwung. Wir stagnieren einfach grad. Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel.

Aber ihr habt sicher auch schöne Erlebnisse mit dem Heft?

Das schönste Erlebnis war natürlich das erste Heft, als es fertig war. Das war ein Gefühl wie im Kreissaal, eben die Pionierzeiten! Und auch dass man über die Interviews so viele interessante Menschen kennenlernt.

Sorry, zur entsprechenden Suchanfrage konnte leider kein Ergebnis gefunden werden.