30/11/2018

Movemaster - Hybrid aus Joystick und Tastatur aus Bernried

Thomas Bredinin, Johann Meindorfer

Wir haben weder Informatik, noch E-Technik studiert und trotzdem Computer-Hardware entwickelt.“

Warum spielen wir eigentlich mit einem Schreibgerät, dachten sich Thomas Bredinin und Johann Meindorfer und haben deshalb den Movemaster, einen Hybriden zwischen Joystick und Tastatur, erfunden. Er sieht aus wie ein Gitarren-Effektgerät aus einem Science Fiction Film und wird durch reines Handauflegen gesteuert. Der Movemaster könnte durch seine neue Bedienung nicht nur das Gaming revolutionieren, sondern auch Ärzten und Menschen mit Behinderung die Arbeit am Computer extrem erleichtern.

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PULS: Wie funktioniert der Movemaster? 

Im Gegensatz zum klassischen Joysstick greift man den Movemaster horizontal. Das heißt, Griffstück liegt quer und drum herum sind Tasten angebracht. Der Vorteil daran ist, dass man das Griffstück nicht mehr festhalten muss, sondern einfach die Hand darauflegt und das Handgelenk steuern lässt. Die Finger bleiben damit frei für die Tasten.

Wie kommt man auf die Idee, die Tastatur ersetzen zu wollen?

Die Tastatur wurde als Schreibgerät entwickelt. Fürs Gaming oder das Begehen virtueller Welten wird sie eigentlich nur missbraucht. Nur gab es bisher kein Spielgerät, das besser funktioniert als die Tastatur. Der Joystick eignet sich ja auch nur für einige wenige Spiele. Das wollen wir ändern.

Was ist denn beim Movemaster anders?

Wenn man im Ego-Shooter läuft, dann steuert man das vor-, zurück, links und rechts ja mit den vier Tasten W, A, S, D. Man nutzt aus dem ganzen Tastenmeer der Tastatur nur vier. Beim Movemaster übernimmt das das Handgelenk und zwar intuitiv, indem man die Hand leicht in die Richtung bewegt, in die man seine Figur im Computer steuern will. Man kann zum Beispiel nicht auf den Tasten verrutschen. Und man muss zur Bedienung nicht mehr hinschauen, was gerade auch für VR super ist, wo man wegen der Brille die Tastatur gar nicht mehr sieht.

Erfahrene Spieler verrutschen ja fast nie, was bringt ihnen der Movemaster?

Die Reaktionszeiten sind viel kürzer, weil man für die Bewegung keine Tasten mehr drücken muss, sondern nur das Handgelenk bewegt. Und man muss nicht mehr umgreifen, weil man die Finger für andere Tasten frei hat. Aber der Hauptvorteil ist, dass man sich viel realistischer bewegen kann. Wie in der Realität, da bewegt man sich ja auch nicht in rechten Winkeln, sondern quer oder in Kurven.

Gibt es auch andere Bereiche als das Gaming, für die der Movemaster interessant ist?

Wir sind selber immer wieder überrascht, wo Leute den Movemaster überall anwenden. Wir haben Architekten, die ihn für virtuelle Hausbegehungen nutzen oder ein Arzt, der sich davon eine präzisere Steuerung für seine Geräte erhofft. Und der Movemaster hilft auch schon Menschen mit Behinderungen, wie zum Beispiel Sven. Der liebt Ego-Shooter, ist aber querschnittsgelähmt, kann nur einen Finger bewegen und lenkt mit einem Kinn-Joystick. Er war uns erster Supporter in der Entwicklung, deshalb haben wir ihm unseren allerersten Movemaster geschenkt. Für ihn ist das jetzt ein völlig neues Spiel-Erlebnis. Das macht uns sehr stolz.

Ihr habt ja den Movemaster entwickelt, ohne Informatiker oder Elektroingenieure zu sein. Wie entwickelt man denn als Laie so eine Computer-Hardware?

Als ich die Idee hatte, habe ich zuerst einfach mal einen speziellen Joystick gekauft, den man um die eigene Achse drehen konnte und versucht mit einer Tastatur zu kombinieren. Ich wusste nicht, ob die Idee mit dem Handgelenk zu steuern, überhaupt funktionieren kann. Als das geklappt hat, haben wir die ersten Prototypen gebastelt, aber alles komplett autodidaktisch. Mit jedem Modell haben wir mehr gelernt. Auch was die Materialien angeht. Erst haben wir mit Holz experimentiert, dann mit Plastik. Heute kommt der Movemaster aus dem 3D-Drucker.

Eure 3D-Drucker stehen ja alle in Bayern. Warum produziert ihr hier?

Wir sind Bayern. Außerdem richtet sich unsere Unternehmensphilosophie gegen die heutige Billigmentalität. Das geht mit der Produktion los. Wir verwenden kein klassisches Plastik, sondern ein Bio-Filament, das sehr stabil, aber auch ökologisch abbaubar ist. Deshalb ist der Movemaster mit 199 Euro auch nicht ganz günstig, dafür hält er lange und niemand wird ausgebeutet.

Wie lange dauert es einen Movemaster zu drucken?

An einem Movemaster drucken wir 33 Stunden. Das dauert so lange, weil die Teile extrem präzise hergestellt werden müssen. Das wäre mit der 3D-Drucktechnologie vor ein paar Jahren noch gar nicht möglich gewesen. Wir sind gerade eher eine Manufaktur, die wenig, aber qualitativ hochwertig herstellt. Das ist ungewöhnlich in der Branche.

Seit Mai produziert ihr. Davor habt ihr lange getestet und konzipiert. Was waren die größten Rückschläge in dieser Zeit?

In der Branche wird extrem viel geredet. Wir hatten große Hardware-Hersteller, die uns Himmel was versprochen hatten und dann doch abgesprungen sind. Da haben wir sehr viel Zeit verloren. Deshalb haben wir uns dann entschieden, das Projekt alleine und unabhängig durchzuziehen.

Was ist euer Tipp für andere, junge Starter?

Das Besondere bei uns ist, dass wir weder Informatik, noch E-Technik studiert und trotzdem ein hochwertiges Stück Computer-Hardware entwickelt haben. Wenn man an das Produkt glaubt und sich als Team immer vertraut, ist das oft mehr wert als Expertise. Heute kann man sich sehr viel selbst beibringen.

Träumen wir ein bisschen: Wo seht ihr euch in ein paar Jahren? Wird der Movemaster bei den kommenden Gaming-Olympiaden bei den Pro-Gamern auf den Schreibtischen stehen oder steuern Astronauten damit ihre Raumkapseln?

Wir würden uns schon wahnsinnig freuen, wenn sich der Movemaster international etabliert. Und wenn nicht nur Gamer davon profitieren, sondern auch Menschen wie Sven, die an körperlichen Einschränkungen leiden. Jetzt wollen wir aber erst mal als Unternehmen wachsen und ein paar Drucker mehr anschmeißen, damit wir uns Vollzeit auf den Movemaster konzentrieren können. Momentan muss man noch zwei Wochen warten, bis das Gerät fertig ist.

Sorry, zur entsprechenden Suchanfrage konnte leider kein Ergebnis gefunden werden.