02/03/2016

Stefan Behnke (33), Miriam Gradl (30)
Moquii
Schmucklabel aus Regensburg

“Du wirst nicht als perfekter Unternehmer geboren”

Knapp vier Euro kostet eine stinknormale Kette bei H&M. Die beiden Schmuckdesigner Stefan Behnke und Miriam Gradl fertigen in ihrer kleinen Manufaktur Moquii in Regensburg Einzelstücke her. Ihr Motto dabei: Qualität vor Quantität, Einzelstück vor Massenanfertigung.

Moquii_Fotocredit_philipp_schieder

icon_interviewPULS: Wie kamt ihr dazu, Schmuck herzustellen?

Stefan Behnke: Getroffen haben wir beide uns in Pforzheim, der “Goldstadt”. Angefangen hat das alles recht früh. Sowas wie die musikalischen Frühbildung in der Grundschule mit Blockflöte, hatte ich in einem Künstleratelier mit Bleistift und Pinsel. Ich wollte eigentlich mal freie Kunst studieren – das fand mein Papa damals nicht so toll. Dann wollte ich Luft- und Raumfahrtingenieur werden. Am Ende war es ein Mittelding, also zwischen Kunst und Ingenieur: Produktdesigner. Im Studium hatte ich dann mit vielen Schmuckies zu tun, das bleibt in Pforzheim nicht aus.

Miriam Gradl: Das es irgendwas Kreatives wird, war eigentlich immer klar. Ich wollte immer etwas machen, bei dem ich Produkte selber entwerfen und dann eben auch fertigen kann. Da fallen  bestimmte Berufe raus. Letztendlich wurde es Schmuck. Ist ja klar: Ich bin ein Mädchen. Die Kombination aus meiner klassischen Goldschmiedeausbildung und Design finde ich super spannend.

Wie funktioniert das, wie bekomme ich ein Schmuckstück von euch?

Miriam: Du kannst Dir ein Stück aus unseren Kollektionen aussuchen und wir bauen es für Dich in Deiner Größe und in dem Material, das Du Dir aussuchst. Da geht zum Beispiel auch in fairtrade Gold. Die Sachen findet man, neben Stücken von befreundeten Schmuckdesignern, auf der Website oder direkt bei uns im Laden. In einigen anderen Schmuckgalerien sind wir auch vertreten.

Stefan: Wir bauen Dir auch was Du möchtest. Mal fangen wir mit Zeichnungen an oder bauen Modelle im 3D Drucker, wir besprechen alles und dann fertigen wir Dein Schmuckstück. Ob das individuelle Eheringe werden, oder Teile einer neuen Kollektion – der Prozess ist da immer ähnlich. Wir möchten, dass Du als Kunde daran teilhaben kannst.

Was war denn das größte Hindernis für Euch, als ihr mit Moquii angefangen habt?

Stefan: Wir sind ziemlich schnell bauchgefühlsmäßig in die Geschichte mit dem Laden hier in Regensburg reingerutscht. Eines der größten Hindernisse war, dass wir versucht haben, alles selbst zu machen. Neue Decke? Neue Wand? Kann ja nicht so schwer sein. Wir haben dann festgestellt, dass man besser nur das machen sollte, was man auch kann. Die Bude hier selbst auf Vordermann zu bringen war wirklich eine intensive Erfahrung und hat uns viel Zeit gekostet.

Miriam: Das würden wir so nicht nochmal machen.

Stefan: Wir haben auch gelernt, dass wir den Zeitplan, den wir im Kopf hatten, echt nicht erfüllen können. Wir mussten lernen, dass manche Sachen, wenn man sie denn selber macht, einfach länger dauern als gedacht. Das fängt bei Kleinkram an. In der Planung sieht alles sehr einfach aus – im echten Leben ist es dann doch schwieriger. Du wirst ja nicht als perfekter Unternehmer geboren.

Gab’s denn einen besonders großen Fail, bei dem ihr sagt: Ok das haben wir jetzt echt in den Sand gesetzt?

Stefan: Es gab schon so eine Art Fehlstart: Wir haben vom Gründungszuschuss gehört. Da dachten wir uns: “Hey super, wir gehen zum Amt.” Als wir dann in Regensburg zum Arbeitsamt kamen, hieß es: wird nicht bewilligt, da wir gut in andere Jobs vermittelbar sind. Der Zuschuss war damals einfach nicht zu bekommen. Das war echt ein mega Fail, es hat unsere Planung etwas über den Haufen geworfen.

Wie wichtig ist Euch Nachhaltigkeit?

Miriam: Ich finde das Thema wird immer wichtiger, gerade beim Schmuck. Wir fertigen ja ein Luxusgut. Da finde ich es wichtig, dass man weiß, wie ein Produkt entsteht, wo das Material herkommt und wer es bearbeitet. Zum Glück ist es vielen Leuten immer wichtiger, dass sie das auch  nachvollziehen können.

Stefan: Das war mit ein Grund, warum wir den Laden aufgemacht haben und daran arbeiten, uns als kleines Label zu etablieren. Ich denke gerade die Entscheidung, nur in Edelmetall zu arbeiten, macht die Produkte automatisch etwas nachhaltiger. Du bekommst etwas Werthaltiges und unser Schmuck ist zu 100% recycelbar. Das ist bei Edelmetallen selbstverständlich – finden wir großartig.

Welche Rolle spielt Bayern für euer Label?

Miriam: Ich bin ja gebürtig aus Bayern, also ist Bayern für mich immer ein Stück Heimat. Ich komme hier aus der Nähe und kenne Regensburg schon ganz gut aus meiner Jugend.

Stefan: Ich komme aus Norddeutschland, finde es hier unten aber wirklich ziemlich cool. Als wir Regensburg zum ersten Mal besucht haben, stand schnell fest: hier möchte ich auf jeden Fall eine Zeit meines Lebens verbringen. Die Sprache war hier anfangs ein kleines Hindernis für mich als Nordlicht – aber Regensburg finde ich phänomenal! Die Stadt hat „nur“ 140.000 Einwohner, dafür passiert hier aber eine Menge. Es gibt sich sehr großstädtisch, obwohl es eigentlich keine Großstadt ist, wenn man ehrlich ist. Regensburg ist eine super offene und alternative Stadt, wo jeder zumindest versuchen kann das zu tun was er möchte.

Unterm Strich ist Moquii heute…

Stefan: …zwei Menschen, die mit ganz viel Herzblut dabei sind ein Schmucklabel aufzubauen und einen Laden in Regensburg zu betreiben. Im Moment ist es alles auf einmal und auch etwas viel. Stress und Schweiß.

Wie geht es weiter mit Moquii?

Stefan: Was dieses Jahr auf jeden Fall ansteht ist Gas geben und zwei neue Kollektionen fertig bekommen. Vielleicht versuchen wir im Sommer mal Urlaub zu machen!

Miriam: Das wollte ich gerade sagen. Das mit dem Urlaub…

Sorry, zur entsprechenden Suchanfrage konnte leider kein Ergebnis gefunden werden.