04/10/2015

Mirella (22)
Mirellativegal
Youtube Comedy aus Nürnberg

„Das ist nicht alles, was ich bin“

Die Nürnbergerin Mirella hat über 200.000 Abonnenten, Fans erkennen sie auf der Straße. Sie bezeichnet sich zwar als introvertiert, macht sich auf Youtube aber trotzdem regelmäßig zum Horst.

Youtuberin Mirallativegal Porträt

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PULS: Du hast vor zwei Jahren angefangen Videos mit Beauty-Tipps auf Youtube zu stellen, inzwischen machst du aber Comedy. Warum der Wandel?

Mirella: Ich habe schnell gemerkt, dass die Beauty-Schiene nicht so ganz meins ist, das bin nicht ich. Mit Unterhaltung kann ich so sein, wie ich bin und das macht mir am meisten Spaß. Ich mach mich auch super gerne zum Affen und die Leute feiern das auch, dass ich mich über mich selbst lustig machen kann.

Deine Videos haben Titel wie „Dinge, die ich früher cool fand und heute grausam sind“ oder „Wenn Frauen wie Männer wären„. Wie kommst du auf deine Themen?

Oft sind das einfach Alltagssituationen, in denen ich mir denke, dass man daraus etwas witziges machen könnte. Manchmal lasse ich mich auch von anderen Youtube-Videos inspirieren, die ich cool fand und mir denke, dass ich da auch was Eigenes drüber machen könnte.

7Wann hast du gemerkt, dass mit YouTube mehr gehen könnte?


Es war etwa nach einem halben Jahr. Am Anfang waren 100 Abonnenten schon total viel für mich. Mittlerweile habe ich über 200.000 Abonnenten  – das kann ich mir null vorstellen. Ich bin in meinem Kopf irgendwie bei 10.000 Abonnenten stehengeblieben. Ich denke immer noch, ich bin die kleine Mirella, die ihren kleinen YouTube-Kanal hat. Und genauso gehe ich da auch ran. Denn je größer es wird, umso größer wird ja auch der Druck von den Zuschauern und den man sich macht. Aber ich mache einfach das, was mir Spaß macht. Mittlerweile ist es auch so, dass ich mir mein Leben damit finanzieren kann, was natürlich super ist. Das ist ja die Idealsituation, dass du dein Hobby machst und damit Geld verdienst.

Spürst du dadurch auch sowas wie wirtschaftlichen Druck?

Es gibt natürlich Firmen, die an einer Zusammenarbeit interessiert sind. Wenn es eine coole Firma ist oder ein Produkt, das ich ohnehin mag, dann mache ich das auch gerne. Es muss zu meinem Konzept passen. Es gibt YouTuber, bei denen ist in jedem zweiten Video eine Produktplatzierung und das vergrault die Zuschauer. Das würde ich auch nie machen. Durch Produktplatzierungen kann ich mir besseres Equipment leisten und meine Qualität verbessern. Aber natürlich muss man aufpassen, dass man sich nicht komplett verkauft. Am Anfang freut man sich über jede Anfrage von Firmen, aber irgendwann muss man sich bewusst werden, dass man ja auch einen Marktwert hat. Das musste ich am Anfang erst lernen, weil ich ja keine Medien-Expertin bin. Das war alles learning by doing.

Im Gegensatz zu anderen Medienschaffenden bekommst du auf YouTube immer direktes Feedback durch User-Kommentare. Wie gehst du damit um?

Einer der ersten Kommentare auf ein Video war: „Du bist scheiße, hör‘ auf.“ Es gibt auch sowas wie Hater-Foren, wo YouTuber gezielt kritisiert werden. Da habe ich einmal reingeschaut, das mache ich nie wieder. Danach habe ich erst mal richtig geweint. Ich fand es krass, dass es Leute gibt, die sich nur damit beschäftigen, das Negative an dir herauszupicken. Jetzt kann ich Hater-Kommentare ganz gut ausblenden, ich nehme mir das nicht mehr so zu Herzen. Konstruktive Kritik ist immer willkommen. Ich habe unheimlich viel durch Kommentare gelernt. Dadurch sieht man, was den Leuten gefällt und ich bin immer wieder überrascht, wie die Zuschauer reagieren.

Du sagst von dir selbst, dass du ein introvertierter Mensch bist. Trotzdem präsentierst du dich mit deinen Videos etlichen tausend Menschen. Wie passt das zusammen?

Ich habe gehört, dass Leute aus dem Showbiz ganz oft introvertiert sind. Ich zeige halt nur eine Seite von mir im Internet. Das sind jede Woche zweimal fünf Minuten und das ist nicht alles, was ich bin. Ich bin nicht immer die lustige, die gut drauf ist. Ich hocke auch gerne drei Tage auf der Couch und schau Serien und bin glücklich.

Wie ist es für dich, wenn du auf der Straße erkannt wirst?

IMG_5243Das ist immer ganz witzig. Oft bekomme ich Nachrichten, in denen mir
Leute schreiben, dass sie mich da und da gesehen haben und sich nicht getraut haben, mich anzusprechen. Aber mich können die Leute gerne ansprechen. Neulich war ich komplett ungeschminkt und mit fettigen Haaren im Supermarkt, dann kam ein Mädchen auf mich zu und sagte: „Ich wusste nicht, ob ich dich ansprechen soll, weil du so aussiehst.“ Das fand ich lustig und habe natürlich ein Foto mit ihr gemacht. So ganz geht das noch nicht in meinen Kopf, dass Leute Autogramme von mir wollen, aber es ist natürlich cool.

Viele YouTuber ziehen irgendwann in „YouTube-Metropolen“ wie Köln oder Berlin. Du wohnst aber immer noch in Nürnberg…

Ich war am Anfang total euphorisch und dachte, ich muss unbedingt nach Köln, um erfolgreich zu sein. Ich bin aber ganz froh, dass ich es nicht gemacht habe, weil ich es auch schätze, dass ich mein normales Leben mit meinem Freundeskreis und meiner Familie führen kann. Wenn ich hier zu Hause bin und in die Uni gehe, dann bin ich halt einfach Mirella. Und wenn ich in Köln oder Berlin auf irgendwelchen Events bin, dann ist es cool, so viele Leute zu treffen und tolle Dinge zu erleben. Aber ich bin dann auch echt immer froh nach Hause zu kommen und abzuschalten.

Gibt es irgendwelche Erlebnisse in deiner Youtube-Karriere, die dir besonders in Erinnerung geblieben sind?

Ich singe ja auch und auf den Videodays in Köln bin ich mit meinem Chor „The Singin‘ Offbeats“ vor über 10.000 Leuten aufgetreten, das war cool. Vor allem, weil die Leute plötzlich meinen Namen gerufen haben, als ich auf die Bühne gekommen bin. Dann trifft man natürlich auch immer wieder berühmte Leute, neulich zum Beispiel Elizabeth Banks und Rebel Wilson auf einer Filmpremiere. Und ich habe mal ein Bild mit Til Schweiger gemacht, darauf sah er total angepisst aus, deshalb habe ich es lieber nicht gepostet.

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