04/10/2015

Anja Mielimonka (30)
Milli Monka
Nachhaltige Mode vom Ammersee

„Ich finde es schwierig, mich mit der Branche zu identifizieren, da über die Modeindustrie so viel falsche Botschaften verbreitet werden.“

Faire Mode, selbstgemacht, mit einem Hauch von Skandinavien. Seit drei Jahren führt Anja Mielimonka ihr Label „Milli Monka“ und grenzt sich mit eigenen Grundsätzen und engem Kundenkontakt von der Modeindustrie ab.

Milli Monka

 

icon_interviewPULS: Milli Monka ist ein schöner Name. Wieso Milli statt Mieli?

Anja Mielimonka: Ich werde seit der 5. Klasse Milli genannt. Das ist mein Rufname, er bedeutet mir fast mehr als mein richtiger Vorname, da mich alle meine Freunde einfach schon immer so nennen und es kein gewöhnlicher Name ist. Natürlich wurde dieser Spitzname meinem Nachnamen entnommen, deswegen der Labelname Milli Monka.

Wie kamst du zu deinem eigenen Label?

Milli MonkaIch habe in München Modedesign studiert und 2010 meinen Abschluss gemacht. Danach war ich bei einer Kosmetikfirma angestellt und habe Flaschen und Behältnisse gestaltet. Aber ich habe gemerkt, dass es das nicht ist. Ich brauche mein Handwerk, meine Mode, meine Nähmaschine. Also habe ich mich entschlossen, mich selbstständig zu machen. 2012 habe ich meine erste Kollektion herausgebracht. Ich wusste nicht genau, wie es läuft. Ich hatte aber ein gutes Gefühl.

Wo holst du dir Inspiration für deine Kollektionen?

All meine Kollektionen beruhen auf einer Geschichte mit Tiefgrund, ich übersetze also für mich eine Thematik in Mode um, das ist der Teil, der mir im ganzen Entstehungsprozess einer Kollektion am meisten Spaß macht – das designen eben. Aber beim Vertrieb tue ich mich schwer. Die große Hürde ist das „an den Mann bringen“.

Was ist daran schwierig?

Ich habe keinen eigenen Laden; zwar hängen einige Teile vonMilli Monka mir in anderen Läden, aber da geht nur ein kleiner Anteil des Verkaufspreises an den Designer. Mein Onlineshop ist von alleine zu Beginn wenig angelaufen, auch weil ich keine Budgets für Werbeaktionen habe. Über Messen habe ich am meisten Kunden gewonnen. Einige von ihnen sind zu Stammkunden geworden, mit denen ich nun regelmäßig Kontakt habe. Ich erzähle ihnen von meinen neuen Stücken, schick ihnen was und sie probieren es an.

Du wohnst und arbeitest inzwischen am Ammersee. Wieso bist Du aus München raus gezogen?

Ich brauche meine Idylle. In der Stadt war ich oft abgelenkt. Den See und die Berge zu sehen gibt mir viel Kraft. Hier höre ich Traktoren im Hintergrund, kann mit meinen drei Hunden in der Natur spazieren gehen und ich habe viel Zeit für mich allein, das tut mir gut. Ich reise aber auch gerne, unternehme viele Städtetrips, bin mit meiner Mode hin und wieder in Läden in München vertreten oder mache mit Freunden temporäre Pop-Up-Stores. Mit dem Landleben setze ich einen Kontrast zu den meisten Modedesignern, die ihr Label in der Stadt haben. Sie haben einen anderen Tagesablauf, sind näher am Strom der Zeit. Ich fühle mich hier freier.

Bist du damit als Modedesignerin nicht ab vom Schuss?

Milli MonkaIch halte bewusst Abstand. Die meisten wollen unbedingt auf die Fashion Week in Berlin. Das war früher, vor sechs oder sieben Jahren auch mein Traum. Inzwischen schreckt es mich ab. Ich finde es oft schwierig, mich mit der Branche zu identifizieren, da über die Modeindustrie so viel falsche Botschaften verbreitet werden – etwa der Verkauf von Pelzen, die Lederproduktion oder Marken wie Primark. Ich habe keine Lust auf „Hauptsache Profit“, ich will meine Prinzipien haben.

Was sind denn deine Prinzipien?

Ich mache faire Mode in kleinen Auflagen und Maßanfertigungen. Ich nähe den Großteil selbst, wie die Kopfzöpfe. Einige Teile habe ich von einer Näherei in Polen anfertigen lassen, die ich mehrmals besucht habe. Ich möchte meine Mode nicht in billigen Produktionsstätten anfertigen lassen. Ich verwende auch keine tierischen Materialien mehr: Keine Wolle, kein Angora. Es mag schön aussehen, aber es steckt viel Leid darin, Tiere werden blutig geschert und k.o. geschlagen. Das wissen viele nicht.

Ist Nachhaltigkeit auch deinen Kunden wichtig?

Ja, meine Kundinnen sind hauptsächlich modeinteressierteMilli Monka und nachhaltigkeitsbewusste Frauen zwischen 25 und 35 Jahren. Viele Münchner, aber auch andere Großstädter… Meine älteste Kundin ist aber schon 83.

83 Jahre alt?

Ja, wir haben uns auf einer Messe gefunden. Als sie bei mir einkauft hat, hat es gleich gefunkt. Sie hat wild irgendwelche Sachen anprobiert. Es sah sehr gut aus an ihr und sie hat sich damit wohlgefühlt. Sie ist keine normale Omi, sondern trägt gerne gewagte Mode – ein richtig bunter Vogel.

Was ist dein meistverkauftes Stück?

Der Kopfzopf. Von dem hab ich mittlerweile schon mehr als 1000 verkauft. Darauf bin ich stolz. Der ging bis nach New York. Ich habe ihn entwickelt, als die Blumenkränze auf dem Kopf in Mode waren. Sie sind total schön, aber auch unbequem. Also habe ich mich hingesetzt und mit Blumenstoffen herumprobiert.

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