04/10/2015

Christina Kronawitter (38)
Mein Herzblut
Retro-Dirndl aus Straubing

„Das Kind ist auch so entstanden: Ausprobieren und fertig“

Die gelernte Keramikerin Christina Kronawitter ist 2004 von Keramik auf Textil umgestiegen – und hat mit Mein Herzblut inzwischen ein etabliertes Dirndl-Label aufgebaut. Dabei gibt sie nichts aus der Hand.

 

Christina Kronawitter

icon_interviewPULS: Eigentlich hast du Keramik-Kunsthandwerk gelernt – da hat man ja mit Nähen nicht so viel zu tun: Wie bist du auf die Idee gekommen, Dirndl zu machen?

Christina Kronawitta: Ich hab einen ganz kleinen Laden in Straubing gehabt, mit Kachelofen drin – den hab ich auch selber eingebaut. Irgendwann hab ich überhaupt keine Kohle mehr gehabt, weil meine Tassen um die 30 € gekostet haben – und das war den Leuten einfach zu teuer. Da hab ich nicht überleben können. Also musste ich mir was anderes suchen. Dann hab ich mir gedacht: okay, was mag der Straubinger, was kommt gut an? Also bin ich auf den Flohmarkt gegangen und hab mir wirklich coole Stoffe rausgesucht. Ich bin handwerklich begabt, das ist mein großer Vorteil. Da brauch ich auch kein Youtube, das probier ich aus und dann klappt das. So mach ich das mit allem. Das Kind ist auch so entstanden: Ausprobieren und fertig.

Und was mag der Straubinger?

Ich hab mir wirklich Gedanken gemacht: okay, das Gäuboden Mein Herzblut_239Volksfest ist. Da nehmen sie sich ja sogar Urlaub und versaufen ihr ganzes Geld. Also muss den Leuten das wirklich wichtig sein. Da hab ich dann um 2006 rum meine ersten T-Shirts gemacht: „Bierbrez’n Liebe“ – das ist heute mein Klassiker. Später sind dann die Dirndl dazugekommen. Da habe ich Entwürfe gemacht und das an meine Schneiderin gegeben, die in Niederbayern sesshaft ist. Ich muss mich ja in den Laden stellen, da brauch ich jemanden, an den ich das weitergeben kann.

Wie war das am Anfang, als du die ersten Dirndl gemacht hast? Hast du einfach eine Kollektion gemacht und geschaut, wie sich das verkauft?

Nein, ich hab nur Einzelteile gemacht. Also wirklich nur so vier oder fünf verschiedene Dirndl. Und nur immer in einer Größe. Die ersten Stücke haben noch nicht mal 200€ gekostet – alles handgenäht. In einem Stoff, den du nie wieder kriegst, weil ich mich einfach nicht getraut hab, mehr zu verlangen.

Und wie waren am Anfang die Reaktionen darauf?

Naja, gemeckert haben sie! „Das schaut so schee aus, aber das ist zu teuer!“ – haben sie gesagt. Ich sag: „Ja, aber ich muss meine Näherinnen ja auch zahlen. Ich hab Mehrwertsteuer drauf, ich muss meinen Lohn zahlen, bitte!“ Ich kann sie ja nicht verschenken!

Du hast diese traditionellen Symbole – Brezn, Geweihe – ja auch schon auf deiner Keramik verwendet, was gefällt dir daran so gut?

Mei, das ist halt ein bisschen altbacken, aber doch modern. vistaherzalichUnd das gefällt mir. Die Mischung macht‘s einfach. Auch die alten Ausdrücke, die mein Papa und meine Mama verwenden. Die sagen zu einer Treppe nicht Treppe, sondern „Stiegen“ und lauter so Zeug. Das ist lustig.

Was ist deine größte Inspiration für deine Dirndl – sind das die Stoffe selbst?

Mich inspirieren die Stoffe – aber auch der Flohmarkt. Da sieht man zwar auch viel Schmarrn, aber auch viel Gutes! Alte Kataloge aus den 60er-70er Jahren, Antiquitäten. Das ist eigentlich meine Inspirationsquelle.

Außer auf Flohmärkten, wie kommst du denn an diese außergewöhnlichen Stoffe ran?

Viele alte Stoffhersteller haben heute noch Lagerbestände aus den 70ern. Das geht immer so über Tipps. Mich hat mal eine Frau angerufen, sie hätte noch Stoffe aus den 70ern. Und dann bin ich dort hin gefahren und habe das Glück gehabt, den Rollenweise kaufen zu können. So kann ich auch mal nicht nur zwei Dirndl machen, sondern auch wirklich 15 bis 20 Stück. dann kann ich auch mal verschiedene Größen oder ganze Kollektionen mit einem bestimmten Stoff anbieten. Ich möchte alles limitiert machen. Kein Ramsch, erschwinglich, und in limitierter Auflage.

Wenn du die letzten Jahre Revue passieren lässt, was wäre deine Bilanz nach neun Jahren, in denen du das jetzt machst?

unbenannt (1 von 1)-2Von Anfang an super. Es waren schon Hürden dabei, aber ich habe meinen Traum verwirklicht. Ich würd’s schon immer wieder machen. Das ist einfach super, wenn man in Österreich im Urlaub auf der Alm angesprochen wird: „Hey du bist doch die, die aus den alten Stoffen Dirndln macht, gell?“ Weil sie’s im Fernsehen gesehen hat.

Warum hat‘s dich nie weggezogen – viele Leute gehen ja nach Berlin um Mode zu machen.

Allein Berlin, ich weiß nicht, das ist nix für mich. Ich lebe gern auf dem Land, in einer kleinen Stadt.  Ich mag schon auch mal gern nach Berlin fahren, aber ich bin auch immer froh, wenn ich wieder heim komm. Diese Ruhe hier, das Weite. Wenn ich meine Augen schweifen lassen kann. Berlin ist zwar echt auch sau geil, oder München… Wenn sich auch mal was rührt, das ist ja schön! Aber in der Großstadt fühle ich mich wie eine Nummer Null, da kennt dich keiner, alles so anonym. Wenn ich in Straubing bin, da kennst du halt Leute.

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