13/11/2017

Markus Schatzl (38)
Markus Schatzl
Möbel und Holzobjekte aus München

„Ich habe lange gesagt: Ich werde nie Schreiner! Der Wunsch kam erst später, als ich gemerkt habe, dass man aus nichts total coole Sachen machen kann.“

Gewürzmühlen aus einheimischen Hölzern, ein Wandboard im Stil eines String-Regals, geometrische Türstopper – Markus Schatzl entwirft Objekte für den Alltag, die mehr sind als nur simple Gebrauchsgegenstände. Handwerk und Design, genauso wie Nachhaltigkeit sind für ihn untrennbar miteinander verbunden. Quasi im Schreinerbetrieb der Eltern aufgewachsen, führt er heute das Familienunternehmen als gelernter Möbelschreiner in dritter Generation weiter.

PULS: Was fasziniert dich am Material Holz?

Markus Schatzl: Das Schöne an Holz ist, dass es im Verhältnis zu anderen Materialien einfach zu bearbeiten ist. Ich würde auch sagen, dass man mit relativ geringem Werkzeugaufwand sehr weit kommt und es ist natürlich auch optisch und haptisch ganz anders als so ein Stück Eisen oder Stahl.

Oft wollen Kinder ja gerade nicht das machen, was die Eltern beruflich machen – warum hast du dich dafür entschieden, in die Fußstapfen deines Vaters zu treten?

Ich wollte das tatsächlich anfangs nicht machen. Weil Holzarbeiten sehr gefährlich sein können, war ich als Kind meistens mit dem Zusammenkehren der Werkstatt beschäftig und ja, da kriegt der Spaß irgendwann ein Loch. Nach einer gewissen Zeit will man halt mehr und wenn man dann nicht mehr darf, ist man frustriert. Deswegen habe ich lange Zeit gesagt: Ich werde nie Schreiner! Der Wunsch kam dann erst mit 16 oder 17 Jahren auf, als ich gemerkt habe, dass man im Grunde aus nichts total coole Sachen machen kann. Es war also weder das Gefühl einer Verpflichtung gegenüber meinen Eltern, noch die Weiterführung einer seit mehreren Generationen bestehenden Familientradition, sondern einfach spontanes Interesse.

Auf deiner Website beschreibst du ja eine richtige Philosophie, der du folgen willst: „Ohne Kompromisse den Wünschen der Kunden gerecht werden, Respekt vor den Werkstoffen, nachhaltige Produktion“. Welche Rolle spielen diese Gedanken bei deiner täglichen Arbeit?

Das sind für mich persönliche Leitmotive. Ich mache das nicht, weil ich denke, das wäre eine interessante Marketing-Maßnahme, sondern das sind wirklich meine ganz eigenen Ansprüche und diese Maßstäbe will ich auch bei Möbeln oder Objekten anlegen, die ich an Kunden verkaufe.

Hast du das Bewusstsein für Nachhaltigkeit von deinem Vater mitbekommen?

Nein, das würde ich so nicht sagen. Das kam eher auf mich zu, als ich angefangen habe, mich mit Restauration zu beschäftigen. Als ich als Möbelrestaurator gearbeitet habe, konnte ich sehen, wie Möbel nach 200 Jahren ausschauen, wenn sie vernünftig verarbeitet sind. Es ist zwar illusorisch, das heute noch so zugrunde zu legen, aber die Idee, ein Objekt handwerklich so solide herzustellen und auch gestalterisch so bestechend, dass man es nach 200 Jahren noch benutzen und ansehen kann – das war so ein Gedanke, der damals in dieser Zeit aufkam.

Du hast ursprünglich eine Ausbildung als Möbelschreiner gemacht. Wie kam´s schließlich zur Verbindung von Handwerk und Design?

Eigentlich war die Gestaltung der Grundgedanke und das Handwerk der Weg dahin. Ich habe anfangs wenig darüber nachgedacht, wie ich etwas mache, sondern eher darüber, wie ich etwas funktional und optisch gestalten will. Wenn man natürlich von klein auf dem Vater oder dem Onkel zusieht, dann sammelt man da schnell einen bestimmten Fundus an handwerklichen Fertigkeiten an und kann die Gestaltung relativ stark in den Mittelpunkt stellen.

Du warst eine Zeit lang in Italien und hast dort als Möbelrestaurateur gearbeitet – wie hat die Zeit dich und deine Arbeit verändert?

Ich war ungefähr ein halbes Jahr in Padua, für eine Art Praktikum. In erster Linie war es natürlich prägend, weil ich gesehen habe, wie andere Leute arbeiten und dass man ohne Elektrifizierung auch sehr weit kommt. Das ist in einem effizienzgetriebenen, konventionellen Handwerksbetrieb undenkbar. Da lacht jeder und es wurde schon immer leicht bespöttelt, wenn ich davon erzählt habe, ich wäre ein Künstler. Ich selbst fand das aber immer total cool.

Die Konkurrenz auf dem Holzmarkt ist ja riesig – Was macht deine Produkte besonders?

Womit ich denke, mich abgrenzen zu können, ist erstmal eine hohe Qualität und eine gewisse Kompromisslosigkeit in der Fertigung. Das bedeutet natürlich auch, dass derjenige, der etwas bei mir kauft, das Ganze auch wertschätzen können muss.

Du hast zwar eine Website, aber keinen eigenen Online-Shopwar das eine bewusste Entscheidung?

Ja, auf jeden Fall. Zum einen stelle ich meine Produkte nur in einer sehr kleinen Stückzahl her, manchmal wirklich nur fünf bis zehn Stück von einem Objekt – da ist der Aufwand für einen Online-Shop im Verhältnis relativ hoch. Andererseits möchte ich gerne mit den Menschen sprechen, die etwas bei mir in Auftrag geben. Ich möchte deren Motivation kennen und ich möchte auch gerne, dass sie wissen, was sie da kriegen. Meine Objekte gibt es aber auch in verschiedenen Läden. Ansonsten verkaufe ich natürlich im Direktvertrieb – die Leute kommen zu mir oder schreiben mir eine Mail.


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