04/10/2015

Benjamin Schwiewagner (25) und Christoph Solka (25)
Malts & Spirits
Whisky aus Landshut

„Ich bin damals durch Zufall auf einen Artikel über Whisky als Geldanlage gestoßen und fand das witzig“

Was machen Studenten in ihrer Freizeit? Wenn‘s nach dem Klischee geht vor allem eines: Sie trinken. Anders die BWL-Studenten Benjamin und Christoph aus Landshut. Angestiftet durch ein Uni-Projekt haben sie angefangen, Whisky zu brennen. Das Wissen dafür hat sich Benjamin selbst angeeignet. Die 420 Liter Single Malt Whiskys reifen jetzt seit 2014 in Eichenfässern. Wie er schmeckt, wissen sie noch nicht: Den ersten Schluck des eigenen Whiskys gibt’s nämlich erst 2017. Aber eins wissen sie schon - er wird eine rauchige Note haben.

Malts & Spirits

icon_interviewPULS: Whiskyherstellung würde man eher in Schottland oder Irland vermuten, in Bayern eher Bier. Wie passen Bayern und Whisky zusammen?

Benjamin Schwiewagner: Eigentlich besser als man auf den ersten Blick vermuten würde, weil die Grundzutaten und auch die Herstellungsweise für das Bier bei uns in Bayern ziemlich identisch sind mit einem Single Malt Whisky. Bis auf eine Zutat, nämlich den Hopfen. Das Bier wird eben gebraut und der Whiskey gebrannt.

Ihr seid ja beide eigentlich Studenten in Landshut – hat euch dann ein Barbesuch zu Malts & Spirits inspiriert?

Fast. Die grundsätzliche Idee ein Unternehmen zu gründen und das mal auszuprobieren, war bei mir schon relativ früh vorhanden, weil mich Betriebswirtschaft schon immer interessiert hat. Im ersten Semester unseres Studiums hat ein Professor einen drei-semestrigen Praxiskurs angeboten, der sich mit Unternehmensgründung beschäftigt. Und dann brauchten wir natürlich erst mal eine Geschäftsidee. Da wir sehr Whisky-begeistert sind, war die dann auch schnell gefunden.

Woher kommt eure Begeisterung für den Whisky?

Ich bin damals durch Zufall auf einen Artikel über Whisky als Malts & SpiritsGeldanlage gestoßen und fand das witzig. Dann hab ich mich selbst rund ums Thema Whisky eingelesen und mich natürlich auch durchprobiert. Die Vielfalt von Whisky hat mich dabei total fasziniert. Für uns als Whisky Fans ist es natürlich fantastisch, dass wir jetzt durch Malts & Spirits hautnah an allen Schritten von Produktion bis Abfüllung teilnehmen und einen Blick hinter die Kulissen werfen können. Und auch wenn man als Startup den Erfolg ja nie so wirklich vorhersehen kann – beim Whisky bleibt zumindest noch der Genuss als „Rendite“.

Und was ist so spannend an der Herstellung – wenn es so lange dauert?

Das sind auf der einen Seite der Genuss und die vielen Aromen, die sich durch die Lagerung im Holzfass entwickeln. Und auf betriebswirtschaftlicher Seite ist es die Langfristigkeit, die uns interessiert. Single Malt Whisky hat eine Mindestreifezeit von drei Jahren und in manchen Fällen reift er sogar bis zu 40, 50 Jahre lang. Das heißt, sowohl die Nachfrage und die finanziellen Mittel müssen über die komplette Reifezeit im Voraus geplant werden. Das ist ja für drei Jahre schon ziemlich komplex! Und das ist eine Langfristigkeit, die man heute in unserer schnelllebigen Zeit kaum mehr kennt.

Wie produziert ihr den Whisky?

Für die Whisky-Herstellung lassen wir uns von einer Brennerei unterstützen, weil wir das auch gar nicht selbst herstellen können. Da steckt ein langer Weg mit Brennlizenzen dahinter, die man erst beantragen muss. Dabei geht es nicht nur um das Brennrecht, schwerwiegender ist jedoch der immense Kapitalbedarf. Für die WhiskyherstellungMalts & Spirits benötigt man speziell konzipierte, teure Brennblasen und natürlich ein großes Lager mit vielen Eichenfässern. Da können die Investitionen schnell in die Millionenhöhe gehen. Und das war für uns als Studenten natürlich nicht realistisch. Aber wir haben uns schon unsere eigenen Destillate anfertigen lassen, eins davon mit einer Torf-rauchigen Not, die sind in Deutschland sehr selten. Eine strikte Aufteilung der Aufgaben gibt es bei uns eigentlich nicht. Ich kümmere mich etwas mehr um den Herstellungsprozess, das Fassmanagement und das Flaschendesign. Christoph übernimmt den Bereich Werbung & Vertrieb. Entscheidungen treffen wir immer gemeinsam. Vier Augen sehen mehr als zwei.

Steigt einem der Whisky dann auch öfter mal zu Kopf, wenn man ständig testen muss?

(lacht) Nein, gar nicht. Der Single Malt Whisky taugt auch gar nicht zum Wirkungstrinken. Dafür ist er zu teuer und auch viel zu intensiv. Man trinkt ihn in ganz kleinen Mengen. Ein halbes Schnapsglas voll reicht dazu völlig aus.

Habt ihr schon Abnehmer für eure Rarität 2017?

Man kann unseren Whisky nicht reservieren, aber wir geben _MG_6554Interessenten dann zu gegebener Zeit über unseren Verteiler Orte und Verkaufszeiten bekannt und man kann uns natürlich auch eine E-Mail schreiben. Und das sind schon einige. Wir haben insgesamt 420 Liter zur Verfügung. Davon verdunsten jedoch pro Jahr Wasser- und Alkoholanteile. Wie viel Liter und Alkoholgehalt am Ende der Reifezeit tatsächlich übrig sind, kann man vorher nie sagen. Wir rechnen aber mit etwa 1200 Flaschen und wollen 0,5 Liter Flaschen und 0,2 Liter anbieten.

Wie geht’s für euch nach 2017 weiter, wenn euer Whisky fertig ist?

Wir überlegen im Moment weitere Fässer produzieren zu lassen, damit der Nachschub gesichert ist. Wie es dann nach dem Studium beruflich für uns weitergeht, wissen wir noch nicht genau. Wobei es natürlich schon irgendwie so ein großer Traum ist, dass dann auch beruflich zu machen oder letztendlich sogar eine eigene Brennerei zu haben. Aber der Kapitalbedarf ist da dann immer eine ganz große Hürde, um so etwas zu verwirklichen. Aber wie gesagt, dafür benötigen wir leider viel Kapital – und das können wir alleine nicht stemmen.

Sorry, zur entsprechenden Suchanfrage konnte leider kein Ergebnis gefunden werden.