24/08/2017

Madeleine Heinrich (26)
Madlchen
Schuhe im Candy-Style aus Oberfranken

„Hätte ich gewusst, was sich daraus entwickelt, hätte ich meine ersten Schuhe niemals hergegeben“

Egal ob blutrote Kirschen, Brezen oder Erdbeeren mit Sahne. Madeleine Heinrich stellt Schuhe her, in die man am liebsten gleich reinbeißen würde. Die Einzelstücke stellt die Produktdesignerin in liebevoller Handarbeit bei sich daheim in Tettau in Oberfranken her. Ihr Motto: Hauptsache bunt und auffällig.

PULS: Wieso der Name „Madlchen“?

Madeleine Heinrich: Den Namen „Madlchen“ hat sich meine beste Freundin ausgedacht. „Madlchen“ kommt von „Madeleine“ und ist eigentlich ein Spitzname, den sie mir gegeben hat. Sie hat mich von Anfang an unterstützt und sich mit mir die Entwürfe meiner ersten Schuhe angesehen. Sie hat mich auch dazu gebracht, mich zu trauen, die Schuhe als eigene Marke rauszubringen und mir ein eigenes Business aufzubauen.

Wie kommt man bitte auf die Idee, Schuhe wie Torten zu verzieren?

Den ersten Schuh habe ich eigentlich für mich selbst gemacht, sozusagen aus der Not heraus. Ich habe mir damals für Fasching ein eigenes Candy-Kostüm genäht. Zu dem wirklich sehr bunten Kostüm fehlten mir aber noch Schuhe und ich konnte nirgendwo etwas passendes finden. Da habe ich mir einfach selbst welche gebastelt Die waren ganz bunt, in blau und rosa mit kleinen Bonbons drauf. Auf die Schuhe bin ich dann sofort von anderen Frauen angesprochen worden und immer mehr meiner Freundinnen wollten solche Schuhe haben. Eine hat sich zum Beispiel gewünscht, dass ich ihre Brautschuhe mache. Und so hat das dann immer größere Kreise gezogen.

Was machst du, damit die Verzierungen auf den Schuhen halten und nicht beim ersten Mal tragen wieder kaputt gehen?

Ich verwende zum Verzieren der Schuhe eine ganz spezielle Kunststoffmasse. Meine Eltern arbeiten auch in der Kunststoff-Branche, deswegen bin ich mit dem Material quasi aufgewachsen. Die spezielle Mischung für meine Schuhe habe ich mir patentieren lassen und ist geheim. Damit verziere ich die Schuhe dann bei mir zu Hause. Für die Details bastle ich mir kleine Förmchen. Ich habe zum Beispiel mal für das Finale vom Großen Promi-Backen Erdnuss-Karamell-Schuhe designt und dafür kleine Erdnuss-Förmchen hergestellt. Ich habe versucht, die Erdnüsse so naturgetreu wie möglich nachzumachen, so dass man den Unterschied zu echten kaum erkennt.

Wie lange brauchst du für einen Schuh?

Als Grundlage dienen erstmal weiße Schuhe – die lasse ich mir in Kleinserien anfertigen und nach meinen Wünschen herstellen. Danach verziere ich je nach Bestellung die Schuhe in Handarbeit. Bis ein neues Modell fertig ist, dauert es schon mehrere Wochen. Ich muss erst einmal den Entwurf zeichnen,  die Farben anpassen und mich immer wieder mit dem Kunden absprechen. Wenn jemand aber einen Schuh aus meinem Online-Shop bestellt, dann hab ich den ungefähr in einer Woche fertig, je nach Auftragslage.

Wo nimmst du deine Inspiration für die aufwendigen Verzierungen her?

Die Inspiration hole ich mir vor allem im Alltag, wie zum Beispiel aus der Küche. Das merkt man an meinen ganzen Schuhen, die wie Torten aussehen.  Viel kommt aber auch von den Kunden selbst. Im Moment bereite ich gerade  auf Wunsch einer Kundin einen Schuh im „Aperol Spritz-Look“ vor. Und für meinen Mann habe ich auch mal Schuhe mit Weißwurst und Breze verziert.

Hast du einen Lieblingsschuh?

Mhm, also eigentlich mag ich nicht so gerne ein Lieblingsstück herausgreifen, weil mir durch die ganze Handarbeit einfach alle Schuhe so ans Herz gewachsen sind. Am tollsten finde ich aber immer noch meine allerersten Schuhe, die vom Candy-Kostüm. Leider habe ich den großen Fehler gemacht und sie verkauft. An denen hänge ich noch immer sehr. Hätte ich gewusst, was sich daraus entwickelt, hätte ich meine ersten Schuhe niemals hergegeben.

Was war denn dein schönstes Erlebnis bis jetzt?

Das definitiv aufregendste Erlebnis war dieses Jahr, als ich die Einladung für die Berliner Fashion Week bekommen habe. Eine Modenschau habe ich vorher noch nie geplant, auch nicht im Studium. Die ganzen Eindrücke und Persönlichkeiten, die man da kennen lernt. Das war schon etwas Besonderes.

Warum bist du dann immer noch Bayern und nicht in Berlin?

Für mich spielt Heimat eine große Rolle. Berlin ist zwar eine coole Stadt, aber hier sind meine Wurzeln und hier kann ich mich am besten kreativ ausleben. An den ganzen Dirndl-Schuhen sieht man auch meine Verbundenheit zu Bayern, zur Tracht, zum Oktoberfest. Ich plane auch dazu jedes Jahr eine neue Kollektion.

Was steht als nächstes bei dir an?

Der nächste Schritt für Madlchen ist jetzt erstmal eine neue Dirndl-Heel-Kollektion. Das werden ganz ausgefallene Schuhe für das Oktoberfest sein. Danach möchte ich noch ein paar Fashion-Sachen machen: Jumpsuits, Pullover und ganz besondere Taschen, passend zu den Schuhen. Die Entwürfe dafür stehen schon in den Startlöchern und sollten bis zum Ende des Jahres bei Madlchen zu sehen sein. Mein Ziel ist es, einfach weiter zu machen.


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