04/10/2015

Denis (34) und Daniel Gibisch (32)
Little Lunch
Bio-Suppen für die Mittagspause

„Wir wollen die coolste Suppe auf dem Markt werden“ 

Die zwei Brüder Denis und Daniel haben den Schritt in die Lebensmittelindustrie gewagt. Ihre Geschäftsidee: Sie verkaufen Bio-Suppen, die man lange im Schrank stehen lassen kann.

Kopie von IMG_1806

icon_interview

PULS: Du bist gelernter Webdesigner und Webentwickler. Wie kamst du zu Suppen?

Daniel Gibisch: Jede Mittagspause überlegt man, was man essen soll. Man will ja nicht jeden Tag eine Leberkäs-Semmel essen. Ich dachte mir, dass es für haltbare, gesunde Suppen einen großen Markt geben könnte. Zudem wollte ich schon immer mal was gründen. Als Angestellter stagniert man irgendwo. Ich hatte immer das Gefühl, ich will was Größeres machen. Ich will etwas investieren, das mir auch wieder gutgeschrieben wird. Mein Bruder ist Logistiker. Ich habe ihm das erzählt. Wir haben überlegt und entschieden, dass wir das zusammen machen. Seit Mitte 2014 gibt es uns und seit Oktober 2014 machen wir es beide hauptberuflich.

Ihr macht Suppen. Klingt jetzt nicht besonders innovativ.

Ja, das höre ich häufig. Aber wir wollen unser Produkt wesentlich besser machen, als auf dem Markt bisher vorhanden. Wir verwenden nur Bio-Zutaten, keine künstlichen Zusatzstoffe und stellen so schonend her, dass Vitamine und Geschmack vorhanden bleiben und die Suppe gleichzeitig 18 Monate lang ohne Kühlung haltbar ist. Wir haben mit dem Zwei-Sterne-Koch Gerhard Frauenschuh ausgefallene Sorten mit bis zu 18 Zutaten entwickelt, die es so auf dem Markt nicht gibt. Zusätzlich verwenden wir kein Plastik und nur Gläser.

Wie funktioniert euer schonendes Verfahren?

Kopie von IMG_2127Wenn man etwas haltbar machen will, kocht man es normalerweise lange über 100 Grad – da sterben viele Vitamine ab. Bei unserem Verfahren wird es nur zwei bis drei Minuten in einem Vakuum über 100 Grad erhitzt. Anschließend läuft es weitere 20 Minuten durch eine mit Dampf betriebene 15 Meter lange Wärmestraße und wird somit konserviert, ohne dass die Vitamine absterben.

Ihr produziert in Italien. Widerspricht das nicht eurem nachhaltigen Konzept mit möglichst wenig Transport?

Ganz im Gegenteil. Wir verwenden viele Tomaten und Gemüsesorten aus Italien. Wenn ich in Deutschland produziere, müsste ich es zuerst die Zutaten hierher schicken und gegebenenfalls von der Produktionsstätte nochmal woanders hin liefern. Diesen Schritt sparen wir uns. Wir produzieren direkt im Tomatenanbaugebiet und liefern anschließend zu uns nach Deutschland.

Sind alle Lebensmittel aus Italien?

Nein, viele Gewürze sind etwa aus Asien. Aber das meiste ist aus der Gegend rund um Brivio in der Lombardei, wo unsere Produktion stattfindet. Ich war bereits zweimal dort und habe mir die Produktion angeschaut – es war ziemlich spannend für mich eine solch große Maschine zu sehen.

Was waren bisher die größten Schwierigkeiten?

Als kleines Unternehmen ist es unglaublich schwer einen Kopie von IMG_2463-2Hersteller zu finden. Wir haben monatelang gesucht und hatten dann Glück, dass ein Hersteller aus der Schweiz gerade eine neue Anlage für Flüssigprodukte in Italien testen wollte. Wir können aber nicht sagen: Hallo, wir bräuchten morgen 20.000 Suppen. Wir müssen den großen Produzenten nachstehen und teilweise bis zu drei Monate warten, bis wir eine Freigabe erhalten. Daher sind bei uns im Lager aktuell bis zu 200.000 Suppen gelagert, damit wir nicht leer werden. Das ist uns anfangs schon passiert. Wir hatten 8.000 Suppen auf Lager, weil wir mit keinem großen Verkauf gerechnet hatten. Wir waren schneller als erwartet komplett ausverkauft und konnten nicht rechtzeitig nachproduzieren. Das ist natürlich unangenehm den Kunden gegenüber.

Ihr habt euch bewusst Investoren gesucht, um euer Startup zu finanzieren. Wie seid ihr an eure Investoren rangekommen?

Wir sind zuerst auf viele Startup-Events gegangen. Man erwartet sich viel – aber in Wirklichkeit ist es so, dass da 200 Startups kommen und zu später Stunde vielleicht ein Investor. Die Chance, einen Investoren auf so einem Event zu finden, geht gegen null. Aber der Austausch mit anderen Gründern ist gut. Wir hatten nach einer Weile dann schon Anfragen von Investoren. Das waren aber ziemlich scheinheilige Angebote. Sie wollten uns übers Ohr hauen. Da muss man ganz genau gucken. Wir sind letztlich auf anderem Weg zu Investoren gekommen. Die Namen der Investoren darf ich nicht nennen, nur so viel: Sie stammen aus der Tech-, Verkaufs- und Immobilienbranche.

Was hat dich auf deiner Macher-Reise am meisten überrascht?

Kopie von IMG_2439Wie viel Geld man ausgeben kann. Es kommen Kosten auf einen zu, mit denen man nie rechnet. Der Einkauf der Suppen ist unglaublich teuer. Da ist man schnell bei sechsstelligen Beträgen. Das Zweitteuerste ist das Marketing, damit unsere Suppen richtig bekannt werden. Unser Vorteil ist, dass wir ein Lean Startup sind – das bedeutet, dass man etwas mit seinen eigenen Mitteln schafft. Wir haben eigene Kompetenzen mitgebracht und können damit Kosten sparen. Ich als Webentwickler konnte den Shop alleine aufbauen und mich ums Marketing kümmern. Mein Bruder kümmert sich um das Wirtschaftliche, er hat bereits als Logistikleiter in einem großen Unternehmen gearbeitet und konnte sich um die Abwicklung mit unserem Hersteller kümmern. Wenn man diese Kompetenzen erst einmal einkaufen müsste, wäre das ganz schön teuer.

Über welche Situationen kannst du nach einem Jahr Gründerdasein lachen?

Wir haben in München einen großen Bio-Hersteller kontaktiert und ihm unser Produkt angeboten. Er sagte, es gäbe eine Verkostung – und zwar am folgenden Dienstag. Da waren unsere Suppen aber noch gar nicht produziert. Wir haben unseren Hersteller kontaktiert und überzeugt, dass er kurzfristig ein paar Suppen für uns produziert. Montagnacht sind wir nach Italien gefahren und haben die Suppen abgeholt. Ohne zu schlafen sind wir nach München zurückgefahren und haben die Suppen beim Bio-Hersteller abgeliefert. Zwei Wochen später haben wir dort angerufen und gefragt, wie die Verkostung gelaufen ist. Uns wurde gesagt, dass die Suppe am falschen Tisch gelandet ist und die Verkostung somit fehlgeschlagen ist. Tja, so geht es manchmal. Viel Aufwand für nichts.

Sorry, zur entsprechenden Suchanfrage konnte leider kein Ergebnis gefunden werden.