04/10/2015

Thomas Bacher (38)
Liebling
Strickjacken aus Oberbayern

„Wir machen keine Tracht, wir machen Tradition zeitnah“

Thomas Bacher aus Bad Tölz wollte nach der Schule vor allem eins – weg aus seiner Heimat und den eingestaubten, eingefahrenen Traditionen. Jetzt ist Bayern seine größte Inspiration. Mit seinem Label Liebling will der 38-Jährige Tracht neu interpretieren. Insgeheim träumt er aber davon, Kinderspielplätze zu bauen.

Liebling

icon_interviewPULS: Du bist ja sehr traditionell in Bayern aufgewachsen. Warst du schon als Kind Trachtenfan?

Thomas Bacher: Ich habe sie gehasst! Wir wurden da reingesteckt. Diese ganze Normierung der Tracht hat mich immer genervt. Dieses „Es ist so, weil es so ist“,  ist für mich keine Tradition, sondern etwas, das von der Masse festgelegt wurde. Das hat mich alles total gestört. Generell habe ich dieses Altbackene und Eingefahrene an Bayern gehasst.

Wolltest du diesen Zwängen entkommen?

Ich wollte einfach nur abhauen. Also hab‘ ich mich mit 19 ins Ausland aufgemacht, bin dreieinhalb Monate zu Fuß durch Indien gegangen und war viel in Asien, Thailand, Amerika und Mitteleuropa unterwegs. Ich hätte sogar die Möglichkeit gehabt, nach Indien auszuwandern. Dann wollte ich meinem IMG_7801 Kopiebesten Freund zu Hause sagen, dass es mich im Ausland vor lauter positiven Eindrücken „zerbröselt hat“. Als ich dafür auf Englisch kein Wort gefunden habe, wurde mir klar, dass ich wieder zurück nach Bayern muss. Dort habe ich dann plötzlich bemerkt, wie schön Bayern ist. Das war wie eine Kehrtwende, nachdem ich im Ausland den kompletten Kontrast erlebt hatte. Ich kam wieder auf die Tracht zurück – aber nicht auf die konventionelle, sondern auf die wahre.

Was ist sie denn für dich, die wahre Tracht?

So wie Tracht heute definiert wird, gibt es sie ja eigentlich nicht. Tracht diente ja früher als eine Art Uniform. Der Ziegenbauer hat eine ganz andere Lederhose getragen als ein Holzarbeiter. Dieser Individualismus ist für mich die wahre Tracht. Ich habe zehn Jahre lang meine eigene Tracht zusammengesucht und eine Kombi gefunden, die in dieser Form gar nicht existiert. Genau diese Individualität wollen wir mit der Marke Liebling kreieren.

Kommt diese eigenwillige Strategie an? Oft muss sich gerade Trachtenmode an Trends anpassen, um erfolgreich zu sein.

Wir machen keine Tracht, wir machen Tradition zeitnah. Wir wollen uns niemals in ein Muster pressen lassen, nur um erfolgreich zu sein.

Welche Rolle spielt Bayern für die Marke Liebling?

Wir arbeiten nach einem altbayerischen Geschäftsgebaren. lieblingDanach ist etwas ausgemacht, wenn es gemeinsam besprochen wurde und nicht wenn ein Vertrag steht. In Bayern und vor allem meiner Heimat Bad Tölz ist diese Ehrlichkeit noch gegeben. Nachhaltige Arbeit und Idealismus haben hier eben noch eine Chance, weil sich dieser kapitalistische gewinnorientierte Wettbewerb noch nicht so stark durchgesetzt hat. Mein Heimatort ist ursprünglich, alle Menschen sind total fleißig und ehrlich, jeder kennt jeden – dass es das noch gibt ist ein Geschenk und genau diese Ehrlichkeit steckt in Liebling.

Was waren deine persönlichen Lieblingsmomente?

Vor drei Jahren hat eine Starnbergerin eine Jacke gekauft, die sich zehn Jahre nicht mehr mit ihrem Nachbar unterhalten hat. Dann hatten beide eine Liebling Jacke getragen und jetzt reden sie wieder miteinander. Da ist man gefühlsmäßig überwältigt.

Gab es auch schwere Zeiten?

Einige. Ich bin gelernter Schlosser, musste mir alles selbst beibringen und habe alles komplett selbst finanziert. Liebling lief anfangs schlecht an, weil es für die Menschen komplett Lieblingungewohnt war. Ich arbeite mit Lammwolle – eine Wolle, die Mitteleuropäer nicht kennen. Das ist die perfekte Wolle für eine Strickjacke, die man alltagstauglich über einem T-Shirt tragen kann. Und da ich kein Geld hatte, musste ich die Sachen auf Märkten nach außen tragen. Auf der ersten Messe hab‘ ich dann keine Jacke verkauft. Es ist halt sehr schwer, als Kleinproduzent. Immer wenn ich Liebling als Geschäftsmann in die Hand nehmen wollte, ist es mir wie Sand durch die Hände gelaufen. Ich habe oft einfach nur geheult und die Welt untergehen sehen, hatte keinen Euro mehr – nicht mal mehr zum Tanken. Wenn ich ehrlich bin, ist es ein Geschenk, dass ich Defizite immer wieder aufholen konnte und die Firma weiterlaufen konnte.

Wann hat sich das Blatt für Liebling gewendet?

Ab dem Zeitpunkt, als man wieder stolz darauf war, Deutscher bzw. Bayer zu sein. Das hat mit der Weltmeisterschaft 2006 angefangen. Unsere Firma ist dann explosionsartig gewachsen. Als ich angefangen habe, war „Made in Germany“ im Verruf. Heute ist das wieder gefragt, weil es für hochqualifizierte Arbeitsplätze steht. Gestaltet in Bayern, hergestellt in Slowenien.

Was sind deine Träume und Visionen für die Zukunft?

Meine Lebensaufgabe ist es, Liebling zu einer nachhaltigen Brand zu machen, die die nächsten Jahrzehnte funktioniert. Mein Traum ist außerdem, dass es in jeder Stadt, in die wir Lieblingbeliefern, einen von uns finanzierten Kinderspielplatz gibt. Das steht seit 20 Jahren fest – und zwar seitdem ich damals aus dem Ausland zurück kam und in Deutschland Menschen gesehen habe, die nicht leben, sondern nur funktionieren. Da war kein Lachen, nur Automatismus. Da hat mir eine Stimme gesagt: baue Kinderspielplätze, dann kommst du in die Herzen der Menschen. Zurzeit ist der erste schon in Planung: bei der Waldherralm in Wackersberg. Außerdem will ich irgendwann nach Tibet in ein Kloster gehen, mir die Haare abrasieren und mich komplett entmaterialisieren. Und noch ganz viel von Bayern sehen, weil ich davon noch gar nicht alles kenne.


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