10/09/2018

Let’s Act - eine App, die die Welt verändern will

Paul Bäumler (19), Ludwig Petersen (19)

Unsere Freunde haben tausende Euro an Agenturen bezahlt, um sich im Ausland zu engagieren – das kann doch nicht sein.“

Paul und Ludwig haben gerade erst das Abi hinter sich, da gründen sie bereits ihre eigene Firma: "Let‘s Act" - eine Plattform als Schnittstelle zwischen Freiwilligen und Organisationen. Von München aus soll die App wachsen, international werden und die Welt ein bisschen besser machen.

icon_interviewPULS: Ihr habt eine App entwickelt – was kann die genau?

Paul: Man kann sich über unsere App einfach für sämtliche Freiwilligen-Projekte anmelden. So kann man Leuten ohne größere Um – und Zwischenwege helfen und etwas bewirken.

Ludwig: Auf die Idee kamen wir eigentlich durch unsere Freunde. Die sind nach dem Abitur ins Ausland gegangen und haben tausende Euro an Agenturen bezahlt, um sich zu engagieren. Da haben wir gedacht: Das kann doch nicht sein. Wir haben gesehen, wie schlecht die Kommunikation zwischen den Organisationen und den Freiwilligen läuft. Das ganze Geld geht an die Agenturen, die nur vermitteln. Wir haben uns gesagt: Komm, wir machen das jetzt einfach selber und haben “Let‘s Act” gestartet.

Das betrifft jetzt Freiwilligenarbeit im Ausland, warum aber braucht man eure App in Deutschland?

Paul: Es existiert auch in Deutschland ein großes Mismatch zwischen den Organisationen und den Freiwilligen. Es gibt viele Leute, die sich engagieren wollen und doch kommt man nicht perfekt zusammen, weil die Organisationen sich schwer tun über die neuen Medien Leute zu erreichen. Ehrenamtliche Tätigkeiten sind meistens über die Website der Organisationen ausgeschrieben oder über andere Seiten, auf denen man aber erst einmal eine E-Mail schreiben muss oder so, die einfach nicht schön für den Freiwilligen gestaltet sind. Die Organisationen haben den digitalen Zugang, den Apps und Co. ermöglichen, bislang nicht ausgeschöpft. Wir wollen es mit “Let‘s Act” den Freiwilligen so leicht und angenehm wie möglich machen.

Kann ich denn als Freiwilliger über eure App auch ein eigenes Projekt starten?

Ludwig: Das wollen wir später auf jeden Fall ermöglichen, denn es gibt viele, die eigene Ideen haben und die auch umsetzen wollen. Das Feedback bekommen wir immer häufiger. Die Organisationen ermöglichen den Leuten nur, irgendwo zu helfen und eben nicht etwas Eigenes zu starten.

Mal ganz konkret – wer arbeitet bislang mit euch zusammen, was kann ich denn als motivierter Bürger so tun?

Paul: Wir arbeiten sehr viel mit Flüchtlingsunterkünften, mit Leuten, die dort die Betreuung übernehmen. Aber auch mit Organisationen, die sich für sauberes Trinkwasser einsetzen oder mit Nachhilfe-Plattformen und Online-Tutoring – also ganz unterschiedliche Sachen.

Und die suchen dann nur Freiwillige oder kann man dort dann auch einen bezahlten Job finden?

Ludwig: Das ist genau das, was wir verhindern wollen. Wenn die Leute ein Projekt finden, dann soll da auch tatsächlich ein Freiwilliger benötigt werden. Es soll nicht ein Arbeitskraft-Ersatz sein, man soll einer Hilfsorganisation helfen und nicht den Bürojob machen, der eigentlich bezahlt werden müsste.

Ihr seid ja beide noch ziemlich jung, erst 19 Jahre alt, wie habt Ihr euer Projekt denn finanziell stemmen können?

Ludwig: Wir haben alles zusammengekratzt und uns am Anfang rein aus eigenen Mitteln finanziert. Aber Softwareentwicklung ist teuer, wenn man nicht alles selbst machen kann, deshalb haben wir uns einen erfahrenen Social-Impact-Investor an Bord geholt. Er fand unsere Idee gut und hat gesehen, dass man die Plattform braucht. Außerdem können die Organisationen einen freiwilligen Beitrag bezahlen, wenn sie “Let‘s Act” benutzen. Das kann so viel sein, wie es ihnen eben wert ist – ein flexibles Preismodell.

So eine App ist ja nicht wirklich an einen Ort gebunden, spielt es da überhaupt eine Rolle, dass Ihr von München aus agiert?

Paul: Erstmal sind wir Münchner und haben hier ein ganz gutes Netzwerk. Denn letztendlich bringen wir Leute zusammen. Also wenn wir direkt bundes- oder sogar weltweit starten würden, dann könnten wir nicht dafür garantieren, dass Freiwillige auch coole Projekte bei uns finden und sich dafür anmelden können. Wir müssen vorher auch die Organisationen kontaktieren, weil sie uns unter Umständen nicht von alleine aus finden. Hier kennen wir schon viele und können uns außerdem direktes Feedback holen. Aber wir planen noch in diesem Jahr unsere Plattform auch auf andere Städte auszuweiten.

Was könnt ihr nach diesem ersten Jahr anderen Gründern mit auf den Weg geben?

Paul: Es ist eigentlich ganz gut, wenn man es ein bisschen naiv angeht. Wenn ich gewusst hätte, wie viel Arbeit ich da reinstecke, dann würde man vielleicht hinterfragen, ob es das wirklich wert ist. Es ist gut, wenn man am Anfang diese optimistischen Gefühle hat und denkt, dass alles ganz schnell geht. Wenn man alles rational betrachten würde, dann schreckt das sicher ab. Also: Lieber einfach machen, statt groß drüber nachzudenken, wie es wird.

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